Projekte hinter Zeitplan Sindelfinger IBA-Projekte rechtzeitig fertig?

Der Zeitplan für das neue Hochhaus auf dem Post-Voba-Areal in Sindelfingen sei „sehr sportlich“, so die Sindelfinger Baubürgermeisterin im April 2023 Foto: Hähnig-Gemmecke Architekten

In Sindelfingen dürfte die Neubebauung des Krankenhausareals nicht pünktlich zur Internationalen Bauausstellung 2027 fertig werden, der Zeitplan beim Post- und Volksbankareal ist ebenfalls sportlich. Das Post-Hochhaus in Böblingen soll hingegen im Lauf des Jahres 2027 stehen.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Das Jahr 2027 erscheint momentan noch weit weg. Doch vier Jahre können kurz sein – zumindest für die Städte rund um Stuttgart, die sich an der 2027 stattfindenden Internationalen Bauausstellung beteiligen. Bis dahin wollen sie Vorzeigeprojekte aus dem Boden stampfen, die weltweite Beachtung finden sollen. Zumindest in Sindelfingen dürfte das eng werden. Die Stadt hat sich vorgenommen, sich an zwei markanten Stellen komplett neu zu erfinden: Das Krankenhausareal ebenso wie das ehemalige Post- und Volksbankareal in der Innenstadt sollen zur IBA 2027 neu bebaut sein. Doch ob beide Projekte pünktlich fertig werden, darf bezweifelt werden.

 

Am Sindelfinger Postareal laufen seit diesem Mittwoch immerhin schon archäologische Grabungen im Untergrund. Diese seiennotwendig, da die Fläche hinter dem ehemaligen Postgebäude ein Kulturdenkmal seien, wodurch „bauliche Veränderungen im Untergrund einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung bedürfen“, teilt die Stadt mit. Sollte dies so sein, dürfte sich das Projekt empfindlich verzögern.

Wie das Post- und Volksbankareal einmal bebaut werden soll, steht aber schon im Wesentlichen fest. Derzeit füllen auf dem Grünen Platz noch Foodtrucks, Sitzgelegenheiten und Konzerte die Baulücke. Bis 2027 soll dort ein neues Gebäudeensemble entstehen mit einem 14-stöckigen Hochhaus als Herzstück und einem neuen Kultur- und Bürgerzentrum sowie einem fünfstöckigen Stadthaus mit Wohnungen. Bis es soweit ist, sind noch einige Schritte zu gehen.

Zeitplan für Post-Voba-Areal „sehr sportlich“

So bezeichnete die Sindelfinger Baubürgermeisterin Corinna Clemens den Zeitplan bis zum IBA-Jahr 2027 schon im April dieses Jahres als „sehr sportlich“. Im Juli stimmte der Sindelfinger Gemeinderat dem geänderten städtebaulichen Entwurf zu – und damit auch den Eckpunkten eines Bebauungsplans. Bis dieses Verfahren allerdings abgeschlossen ist, gehen noch Monate ins Land.

Jede Verzögerung lässt die geplante Fertigstellung im Jahr 2027 unwahrscheinlicher werden. Noch ambitionierter gestaltet sich die Lage einige Höhenmeter darüber, wo sich die Mercedes-Stadt als zweites IBA-Projekt die Konversion des Krankenhausareals vorgenommen hat. Hier steht man hinsichtlich einer möglichen Neubebauung allerdings noch relativ am Anfang. Erst im Juli dieses Jahres wurde der städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt.

Unter allen eingesandten Skizzen hat das Preisgericht am 20. September 15 ausgewählt, die in die engere Auswahl kommen. Sie hängen seit diesem Mittwoch, 4. Oktober, und noch bis zum 18. Oktober im Stern Center öffentlich aus. Aus diesen Entwürfen muss das Preisgericht schließlich einen Sieger küren. Doch dann beginnt erst die eigentliche Arbeit: Entwürfe, Bebauungspläne, öffentliche Beteiligung et cetera.

Ob das Areal bis 2027 fertig ist, ist fraglich

Es erscheint sehr fraglich, ob bei einem Projekt dieser Größenordnung die erforderlichen Schritte rechtzeitig bis 2027 getan sind. Zumal bis ins Jahr 2026 im Krankenhaus noch Patienten behandelt werden müssen – erst dann soll das Flugfeldklinikum fertig sein und der Klinikbetrieb dorthin umziehen können. Dass schon im Jahr darauf das komplette Krankenhaus abgerissen und ein komplett neues Stadtviertel in die Höhe gewachsen sein wird, ist kaum anzunehmen.

Schon wesentlich weiter ist man in Böblingen, wo die Konversion des Postareals als IBA-Projekt bereits sehr konkrete Züge angenommen hat. Gegenüber des Bahnhofs soll bekanntlich ein 60-Meter-Hochhaus gen Himmel wachsen mit Platz für Stadtbibliothek, Gastronomie, Handel und in den oberen Etagen Wohnungen für unterschiedliche Bedürfnisse. Am Mittwoch gab der Böblinger Gemeinderat grünes Licht für den nächsten Schritt im Verfahren. Der Entwurf geht nun für einen Monat in die öffentliche Auslegung. Nach Eingang und Bearbeitung von Anregungen aus der Öffentlichkeit und von Behörden kann der Gemeinderat den Bebauungsplan aufstellen – und de facto Baurecht für das Projekt schaffen.

Bauherr ist die Böblinger Baugesellschaft (BBG), die im Dezember den konkreten Zeitplan vorstellen will und schon im Frühjahr 2024 das bestehende Postgebäude abreißen will. „Oberbürgermeister Stefan Belz und ich sind guter Dinge, dass das Projekt wie geplant realisiert wird“, sagt BBG-Chef Rainer Ganske. Doch dieses Leuchtturm-Projekt dürfte als eines der wenigen in der Region Stuttgart rechtzeitig fertig werden. Nicht nur Sindelfingen liegt hinter dem Zeitplan. Branchenkenner gehen davon aus, dass nur ein Bruchteil der IBA-Projekte bis 2027 fertig werden. Bei manchen steht sogar deren grundsätzliche Realisierung infrage.

Selbst Rainer Ganske bezeichnet den IBA-Zeitplan als „unglaublich herausfordernd“. Als Grund nennt er die derzeitigen Verwerfungen in der Baubranche, die sowohl unter explodierenden Kosten als auch dem schnellen Zinsanstieg leidet.

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