Auf dem alten Bauhofareal in der Sudentenstraße soll gemeinschaftliches Wohnen und Bauen möglich sein. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
In Denkendorf soll auf dem alten Bauhofareal ein innovatives Wohnprojekt entstehen. So wünscht es sich zumindest die Gemeinde. Bürger sollen mitgestalten. Bald ist ein Infoabend.
Ulrike Rapp-Hirrlinger
30.11.2025 - 08:00 Uhr
Wenn Ende des Jahres das derzeitige Bauhofareal in der Sudetenstraße in Denkendorf geräumt und die Gebäude abgerissen werden, soll auf über 4000 Quadratmetern ein neues Wohngebiet entstehen. Wie dieses aussehen wird, darüber sollen von Anfang an die Bürgerinnen und Bürger mitbestimmen. Flächen für Mehrfamilienhäuser und Doppelhaushälften sollen Gestaltungsräume für kreative Wohnkonzepte eröffnen.
Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth kann sich dort vieles vorstellen: selbstorganisierte Hausgemeinschaften, betreutes Wohnen, Mehrgenerationen-Wohnen, Wohngemeinschaften in klassischer Form oder als Pflege-WG sowie sogenanntes Clusterwohnen mit kleinen Appartements und großen Gemeinschaftsflächen. Denkbar wären auch ein Genossenschaftsmodell oder aber die klassischen Eigentumswohnungen oder Reihenhäuser. „Wir sind als Gemeinde offen für alles, würden aber gemeinschaftliche Wohnformen bevorzugen“, sagt Barth. Die Gemeinde wünsche sich, dass sich Gruppen finden, die solch gemeinschaftliche Wohnprojekte verwirklichen. Barth schließt nicht aus, dass sich die Kommune an einem genossenschaftlichen Modell beteiligt.
Bürgerbeteiligung: Infoabend zum gemeinschaftlichen Wohnen in Denkendorf
Maria Sommer, Bürgermeister Ralf Barth und Pascal Stellwag (von links) werben für die Infoveranstaltung zum gemeinschaftlichen Wohnen. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Zunächst aber werden nun die Bürgerinnen und Bürger gehört. Bei einer Informationsveranstaltung am 3. Dezember sollen das Interesse und der Bedarf für gemeinschaftliches Wohnen eruiert werden. Ein Logo und das Motto „Wohnen – Miteinander – Füreinander – Gestalten“ gibt es bereits. Vorgestellt werden an diesem Abend die Möglichkeiten auf dem ehemaligen Bauhofareal, verschiedene gemeinschaftliche Wohnformen sowie Praxisbeispiele, die die Bürger-Aktiengesellschaft für klimafreundliches Bauen „Nestbau AG Tübingen“ und die gemeinwohlorientierte Wohnbaugenossenschaft „Pro gemeinsam bauen und leben eG Stuttgart“ vorstellen.
Im Rahmen der Quartiersentwicklungsplanung beschäftigt sich die Kommune seit längerem auch mit zeitgemäßen Wohnformen nicht nur für alte Menschen. Doch die demografische Entwicklung mit einem starken Anstieg der älteren Bevölkerung in den kommenden Jahren zeige vor allem für diese einen hohen Bedarf an gemeinschaftlichen Wohnformen sowie kleineren altengerechten und auch bezahlbaren Wohnungen, erklärt Maria Sommer, die Leiterin der Koordinierungsstelle Älterwerden gemeinsam gestalten. „In einer Hausgemeinschaft gemeinsam zu leben und sich gegenseitig zu unterstützen, ist ein Zukunftsmodell“, betont Sommer. Das biete auch jüngeren Menschen und jungen Familien Vorteile. „Gemeinschaftliches Wohnen wirkt durch seinen Gedanken der Solidarität auch ins Quartier hinein“, erläutert die Fachfrau.
Gemeinwohlorientiertes Bauen: Spielraum für kreative Wohnprojekte auf Bauhofareal
Ziel ist laut dem Bürgermeister unter anderem, gemeinwohlorientiertes Bauen und geförderten Wohnraum in dem neuen Wohngebiet zu ermöglichen. „Im Moment geben wir aber so gut wie nichts vor“, so Barth. Es sollen aber möglichst viele Wohnungen entstehen, sagt der stellvertretende Ortsbauamtsleiter Pascal Stellwag. Man wünsche sich vor allem selbstorganisierte Hausgemeinschaften und bezahlbare Wohnungen auf dem Areal, ergänzt Sommer. In welcher Form diese entstehen, ist offen. „Baurechtlich haben wir großen Spielraum“, sagt Stellwag. Da das Grundstück, das komplett im Besitz der Gemeinde ist, im Sanierungsgebiet liegt, seien Maßnahmen auch förderfähig, so Barth.
Bei der Infoveranstaltung zum Thema „Gemeinsam wohnen – gemeinsam Bauen in Denkendorf“, die am 3. Dezember um 18 Uhr in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule in der Goethestraße 58 stattfindet, wird auch ein Fragebogen verteilt, der den Bedarf an einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt erheben soll. Nach dessen Auswertung werde die Gemeinde Kontakt zu den Interessierten aufnehmen und sie einladen, die Ideen gemeinsam auszuarbeiten. Auch Workshops zum Thema seien geplant, so Sommer. „Jeder ist eingeladen mitzugestalten, auch wenn er nur eine Mietwohnung will. Man muss sich nicht unbedingt finanziell engagieren“, betont Stellwag.
Das Gelände
Alter Bauhof Der bisherige kommunale Bauhof wurde 1962 in der Sudetenstraße errichtet und nach und nach erweitert. Ursprünglich lag er am Ortsrand. Inzwischen ist er von Wohnhäusern umgeben. Die Bauhofgebäude sind renovierungsbedürftig und entsprechen nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Ein neuer Bauhof ist am Ortsrand Richtung Nellingen entstanden. Das bisherige Areal soll zum Jahresende frei werden.
Quartiersentwicklung Im Rahmen der Quartiersentwicklungsplanung in Denkendorf hat eine Bürgerbefragung unter den über 60-Jährigen ein großes Interesse an gemeinschaftlichen Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen, Hausgemeinschaften mit Gleichaltrigen, betreutes Wohnen oder Wohngemeinschaften ergeben. Eine Arbeitsgruppe hatte sich Gedanken zum Thema gemacht.