Prokon-Entscheidung EnBW verpasst eine Chance

Die Prokon-Gläubiger haben sich für das Genossenschaftsmodell und gegen die Übernahme durch die EnBW entschieden. Foto: dpa
Die Prokon-Gläubiger haben sich für das Genossenschaftsmodell und gegen die Übernahme durch die EnBW entschieden. Foto: dpa

Der Energiekonzern EnBW hat bei dem Übernahmeversuch nicht immer geschickt agiert – und verloren, meint StZ-Energie-Experte Werner Ludwig.

Wirtschaft: Werner Ludwig (lud)

Stuttgart - Der Kauf des insolventen Windkraftpioniers Prokon durch die EnBW hätte perfekt in die Strategie des Vorstandschefs Frank Mastiaux gepasst. Der Konzern hätte damit seine Kapazitäten bei den erneuerbaren Energien zu einem vertretbaren Preis vervielfachen können. Deshalb war es richtig, dass die Karlsruher in den letzten Wochen mit einer breiten Kampagne um die Prokon-Anleger geworben haben – ohne Erfolg: die Mehrheit hat sich für den Neustart von Prokon als Genossenschaft und gegen das 550 Millionen schwere EnBW-Angebot ausgesprochen.

Die meisten Prokon-Genussrechteinhaber, von denen offensichtlich viele nicht nur finanzielle, sondern auch ideelle Ziele verfolgen, wollen sich als Genossenschaftsmitglieder weiter an der Energiewende beteiligen. Tatsächlich sind Energieprojekte in Bürgerhand ein guter Weg, um die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiepolitik zu erhöhen, die nicht nur beim Leitungsbau an Grenzen stößt. Um die Bürger-Energiewende voranzubringen, gehen die Prokon-Genossen beträchtliche Risiken ein und verzichten auf eine schnelle Barabfindung, die sich im Vergleich mit anderen Insolvenzverfahren hätte sehen lassen können. Stattdessen bleibt ihr Geld für Jahre gebunden in einer Genossenschaft mit hohen finanziellen Lasten, die wenig Raum für Investitionen lassen. Die im Vergleich zum EnBW-Angebot etwas höhere Insolvenzquote steht zunächst nur auf dem Papier.

Taktische Fehler der EnBW

Dass die EnBW den Kürzeren gezogen hat, hängt aber nicht nur mit den hehren energiepolitischen Motiven der Anleger zusammen, sondern auch mit taktischen Fehlern. Bereits in der Frühphase des Angebots konzentrierte sich die EnBW darauf, die Risiken des Genossenschaftsmodells aufzuzeigen – etwa in einer Telefonkonferenz, in der der Finanzchef kein gutes Haar an dem Konzept ließ. Das kam nicht gut an und provozierte Gegenwehr. Viele Prokon-Anhänger halten die EnBW nach wie vor für einen bösen Atomkonzern, von dem man sich aus Prinzip nicht kaufen lässt – auch wenn die EnBW einen konsequenteren Ökokurs eingeschlagen hat als Wettbewerber wie Eon oder RWE. Kontraproduktiv war sicher auch, dass auf den Informationsveranstaltungen kein Vorstand zugegen war. So entstand der Eindruck, dass den Chefs das Prokon-Projekt doch nicht so wichtig war, wie sie behaupteten. Wer wollte, konnte darin den Ausdruck von Arroganz sehen.

Am schwersten wog jedoch, dass es die EnBW versäumt hat, das Argument der Bürgerbeteiligung in den Vordergrund zu rücken. Wenn dieser Punkt den Prokon-Anhängern wirklich so wichtig ist, hätte der Konzern sie genau dort abholen müssen. Hilfreich gewesen wäre etwa die Zusage, von Anfang an engagierte Bürger mit ins Boot zu holen. Als die EnBW im vergangenen Herbst selbst ein Beteiligungsmodell für Windparks auflegte, freute sie sich über die positive Resonanz. Daran hätte man bei Prokon anknüpfen können. Das hätte vermutlich mehr Anleger überzeugt als die x-te Tabelle mit dem Free Cash Flow einer Genossenschaft im Jahr X.

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