Prominentes Denkmal Der unbeachtete Herzog am Stuttgarter Schlossplatz

Es steht mitten auf dem Schlossplatz, doch viele kennen es nicht, das Christoph-Denkmal. Foto: Jürgen Brand

Am Christoph-Denkmal am Stuttgarter Schlossplatz laufen jeden Tag viele Menschen vorbei und beachten es nicht. Dabei hatte der Herrscher einst ziemlich gute Ideen.

In diesen Frühlingswochen steht der gute Christoph immer wieder ziemlich im Regen. Mal umtost von buntem Faschingstreiben, mal umgeben von Demonstranten, regelmäßig beschallt vom unvermeidlichen Fußgängerzonen-Saxofon-Spieler mit seit Jahren immergleichem Repertoire. Ein ums andere Mal wird er tropfnass, unbeachtet von Tausenden von Menschen, die täglich und dann wohlbeschirmt an ihm vorbeigehen. Verdient hat er das nicht.

 

Christoph? Denkmal? Wer soll das sein? Wo soll das stehen? Das wird sich mancher fragen, dem als Demo-, Date- oder Shopping-Treffpunkt das Herzog-Christoph-Denkmal angegeben wird.

Seit 1899 steht Christoph auf dem Schlossplatz

Tatsächlich steht der Herzog seit 1889 am Schlossplatz gegenüber vom Königsbau, an der Ecke Bolzstraße. Auf seinem hohen Sockel werden auf vier Seiten in Reliefform Ereignisse aus seinem Leben erzählt. Oben steht er selbst in prächtigem Gewand, den rechten Fuß auf eine Stufe gestellt, die linke Hand am Griff des Schwerts, die rechte auf eine kleine Säule abgelegt, ein zusammengerolltes Schriftstück in der Hand. Geschaffen hat das Denkmal der damalige Hofbildhauer Paul Müller.

Auch der Faschingsumzug zog in diesem Jahr über den Schlossplatz – im Hintergrund das Denkmal. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Christoph hat von 1515 bis 1568 gelebt, Württemberg hat er von 1550 bis 1568 regiert. Er gilt als einer der bedeutendsten Herzöge des Landes, war als Herrscher geschätzt, als Reformer gerühmt.

Christoph von Württemberg war Herrscher und Reformer

Gebaut hat er auch eine ganze Menge. Das Alte Schloss bekam zu seiner Zeit seine heutige Form, er ließ die Arkaden im Innenhof bauen, die Schlosskirche als ersten protestantischen Kirchenbau in Württemberg errichten. Deswegen hat ihm das Landesmuseum Württemberg im Alten Schloss zu seinem 500. Geburtstag im Jahr 2015 auch eine große Ausstellung gewidmet.

Christoph hatte keine leichte Kindheit. Seine Mutter floh vor ihrem aufbrausenden Ehemann Ulrich von Württemberg, die Kinder konnte sie nicht mitnehmen. Als Christoph vier Jahre alt war, wurde Ulrich aus Württemberg vertrieben. Der Bub kam an den Hof der mächtigen Habsburger, wuchs im Gefolge des Kaiserhauses zum Jugendlichen heran. Erst 15 Jahre später trafen sich Vater, der sein Herzogtum zurückerobert hatte, und Sohn wieder. So richtig gut verstanden haben sie sich aber nicht. Also schickte der protestantische Vater den katholischen Christoph an den französischen Hof.

Anna-Maria von Brandenburg-Ansbach wurde Christophs Frau

Wieder Jahre später, 1542, entstand der Vertrag, der den Weg Christophs zum Herrscher von Württemberg regelte. Bedingung war ein Bekenntnis zur Reformation. Auch das regelte der Papa, indem er die protestantische Prinzessin Anna Maria von Brandenburg-Ansbach als Ehefrau für den Sohnemann auswählte. In seiner Zeit als Herzog krempelte Christoph Vieles im Land um, vor allem die Staats- und Kirchenverwaltung. Die Große Kirchenordnung von 1559 diente vielen anderen Herrschern und Ländern als Blaupause, war die Basis für die evangelische Landeskirche – die sich heute sicher auch manchmal so einen innovativen Reformator wünschen würde. Kirchlicher Berater des Herzogs war Johannes Brenz.

Auch der heutige Finanzbürgermeister der Landeshauptstadt könnte sich vielleicht etwas von Christoph abschauen. Als der das Herzogtum übernahm, lasteten 1,7 Millionen Gulden Schulden darauf. Bei jährlichen Gesamteinnahmen von 250.000 Gulden nicht gerade wenig.

Christoph verhinderte den Bankrott des Herzogtums

Der Herzog verhinderte den Bankrott, weil er den württembergischen Adel, die Städte und Prälaten bei einem Landtag davon überzeugen konnte, 1,2 Millionen Gulden Schulden zu übernehmen. Das gelang ihm ein paar Jahre später noch einmal. Dann waren seine Finanzen wieder so solide, dass er das Alte Schloss umbauen konnte, inklusive dem heute nicht mehr vorhandenen Lustgarten samt Irr- und Tiergarten, Renn- und Schießbahn. Auch anderenorts in Württemberg hinterließ er Spuren, egal ob in Bad Wildbad oder in Tübingen als Förderer der Universität.

Sogar um die Bäume hat sich Herzog Christoph gekümmert, nicht nur um die im Wald, sondern auch um die Obstbäume. Kurz vor seinem Tod erließ er eine Regelung, dass jeder Untertan einen jungen wilden Obstbaum in den Wäldern ausgraben und bei sich zuhause wieder anpflanzen durfte oder sollte. Nachdem die heutige Landeshauptstadt nicht mehr genug Geld hat, um alle gefällten Bäume in der Stadt – etwa 1000 pro Jahr – nachzupflanzen, wäre das ja auch eine Idee.

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