Prominenz in der DTM Ferdinand Habsburg – der rasende Kaiser

Kronprinz Ferdinand Habsburg (Zweiter von links) im Kreise seiner neuen Kollegen. Foto: DTM

Ferdinand Habsburg gibt beim DTM-Auftakt am Samstag in einem Aston Martin seine Premiere. Sein Urgroßvater, der letzte Kaiser Österreichs, wäre stolz auf ihn.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Stuttgart - René Rast, Jamie Green, Timo Glock – das sind griffige Rennfahrernamen etablierter DTM-Größen, die am Samstag beim Saisonauftakt in Hockenheim Gas geben. Auch am Start ist ein 21 Jahre alter Novize, für dessen Namen dagegen ein langer Atem nötigt ist. Los geht’s: Ferdinand Zvonimir Maria Balthus Keith Michael Otto Antal Bahnam Leonard Habsburg-Lothringen – so heißt er. Ach, aber im Prinzip reicht es schon aus, wenn sie ihn „Ferdi“ rufen. Er will da mal nicht so sein.

 

Ferdinand Habsburg, unter diesem Namen führt ihn die Fahrerliste, gehört dem ehemaligen europäischen Hochadel an. Wenn man so will, ist der Rennfahrer der Prinz Charles von Österreich. Sein Urgroßvater war Karl I., der letzte Kaiser der Habsburger Monarchie: geboren 1887, gestorben 1918. Lange her das Ganze. Doch gäbe es noch die österreichisch-ungarische Monarchie, wäre Ferdinand Habsburg heute ihr Kaiser – und kein Rennfahrer. So ein Reich gibt es aber nicht mehr. Und das ist auch gut so. Der Aston-Martin-Pilot und sehr prominente Urenkel bezeichnet sich selbst als „überzeugten Demokraten“. Und doch ist er stolz auf seine Familiengeschichte.

Mit Charme und Humor

Der Kronprinz des Hauses Habsburg ist ein schlaksiger Bursche, sein Charme und Humor sind beliebt. Er redet auch wie ein offenes Buch über seine familiäre Vergangenheit. Daheim sagen sie ihm zwar immer wieder, dass in dieser Hinsicht eine gewisse Zurückhaltung kein Nachteil sei. Aber was soll Ferdinand Habsburg auch tun? Es vergessen? Alles leugnen?

Er kann und will seine Herkunft nicht ignorieren, oft darauf angesprochen zu werden, es ist auch kein Problem für ihn. „Es ist etwas, das mich wahnsinnig stolz macht, denn man kommt da aus einer Familie, die eine Geschichte über hunderte von Jahren hat“, sagt er. Außerdem sei er eines Tages Familienchef, deshalb ist es auch so wichtig, die Tradition zu verinnerlichen und zu leben. „Meine Herkunft macht 50 Prozent meines Daseins aus. Wenn ich nicht mehr Rennfahrer bin, ist alles andere aber immer noch Teil meines Lebens“, sagt Ferdinand Habsburg.

Vorbild Uropa

Er weiß Bescheid über seine Vorfahren und kennt sämtliche Details der Historie. Und er verehrt seine berühmten Vorfahren noch heute. „Ich hatte immer große Vorbilder, nicht im Motorsport, sondern in meiner Familie.“ Er denkt da insbesondere an seinen Urgroßvater, den Kaiser, und an seine Urgroßmutter. „Das waren starke Menschen, die auch viel durchgemacht haben. Ich nehme meine Herkunft deshalb bewusst und dankbar wahr“, sagt er.

Geblieben ist ihnen nichts. Während in Deutschland die Hohenzollern und Welfen noch heute ihre Schlösser pflegen, wurden die Habsurger völlig enteignet und befanden sich lange im Exil. „Alles, was wir heute besitzen, haben meine Eltern sich erarbeitet“, sagt der Kronprinz. So ist er auch nicht in einem Schloss aufgewachsen, sondern in einer normalbürgerlichen Wohnung. Wo? In Wien, Bezirk 6, nicht die allerbeste Gegend. Sein Vater Karl Habsburg-Lothringen lebt heute in Salzburg. Er kümmert sich darum, dass in Kriegszonen die Kulturgüter geschützt werden, war engagiert als ÖVP-Politiker und machte sich auch als Medienunternehmer einen Namen. Von Mutterseite kam dagegen „Rock ‚n‘ Roll“ in die Familie, wie es der Sohnemann formuliert. „Sie hat mich mal gefragt, ob ich Rockstar werden will oder Rennfahrer“, sagt Habsburg.

Lob für Schumacher

Die Entscheidung ist längst gefallen. Mit Mick Schumacher, dem anderen berühmten Nachfahren, fuhr Ferdinand Habsburg im vergangenen Jahr noch Formel 3. Den Rekordweltmeister-Sohn haben sie in die Formel 2 gehievt und mit einer Ferrari-Testfahrt schon an die Formel-1-Tür anklopfen lassen. Der Kaiser-Urenkel fährt dagegen DTM. Neid kommt da nicht auf, im Gegenteil. „Mick hat einen anderen Weg eingeschlagen. Er ist ein super cooler Kerl und starker Rennfahrer, ich freue mich für ihn“, sagt der Adelige über den Sohn von Michael Schumacher.

Habsburg selbst konnte sein Glück kaum fassen, als ihm Aston Martin, das für Mercedes in die DTM eingestiegen ist, die Chance gab, einen weiteren Karriereschritt zu machen. „Diesen Weg gehen zu dürfen ist etwas extrem Seltenes und Beeindruckendes – und dafür bin ich dankbar“, sagt der Neuling. Er gilt als hochveranlagt wie der Schumi-Sohn. Und den Umstieg vom offenen Formel-Auto in den geschlossenen Tourenwagen will er auch nicht überbewerten. „Rennwagen, vier Räder, Lenkrad, Pilot, Geräusch und Spaß – alles ist dabei.“

Angst spielt keine Rolle

Angst spielt für Ferdinand Habsburg keine Rolle. Auch seine Eltern sind im Hinblick auf die Gefahren im Motorsport kaum besorgt. Es sei ja auch so: „Ich bin katholisch aufgewachsen, und das heißt, dass du nur lebst, wenn du keine Angst vor dem Tod hast“, sagt er. Große Worte eines großen Nachfahren. Doch ganz so ernst nimmt der „Blaublütige“ seine Herkunft natürlich nicht. „Kronprinz, das ist ein Titel, aber das bist nicht du“, erklärt er. Nur eines steht für Ferdinand Zvonimir Habsburg-Lothringen bereits vor seiner ersten DTM-Runde am Samstag fest: „Mein Uropa, der Kaiser, er wäre stolz auf mich.“

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