Promis bei „Glöckner“-Premiere in Stuttgart Viel Lob für ein „Meisterwerk“

Model und Playmate Mia Grauke erschien zur Premiere in Stuttgart. Foto: SDMG 14 Bilder
Model und Playmate Mia Grauke erschien zur Premiere in Stuttgart. Foto: SDMG

Der „Glöckner von Notre Dame“ ist opulent und ergreifend. „Ein Meisterwerk“, war am Sonntagabend bei der Premiere mit Promis wie Natascha Ochsenknecht, Mia Grauke und Frank Elstner zu hören.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Wie lange ist’s nur her? Schon als Kind, sagt Bestsellerautorin Gaby Hauptmann, hat es ihr der Glöckner angetan. Wenn sie sich an den 1956 gedrehten Film mit Anthony Quinn und Gina Lollobridgida zurückerinnert, sieht sie sich „zwischen Schrecken und Hoffnung tief ins Sofa gekuschelt“.

Vor dem Versinken im roten Plüsch des Apollo-Theaters, vor dem Mitzittern mit einem buckligen Sonderling, der zum hässlichsten Pariser gewählt wird und der so einsam ist wie die Steinfiguren, mit denen er spricht, dürfen die meist aufgebrezelten Premierengäste beim Disney-Musical „Der Glöckner von Notre Dame“ (dabei: Schauspielerin Gudrun Landgrebe, Dschungelcamperin Natascha Ochsenknecht, DJane Alegra Cole, Moderatorin Tatjana Geßler, TV-Legende Frank Elstner, „Tatort“-Kommissar Richy Müller, Turner Marcel Nguyen) auf rotem Teppichgrund vor den Blitzlichtern zeigen, dass sie keine Scheusale sind. Nicht ungern werden die optischen Vorzüge herausgestylt.

„Ein Stück wie aus meinem Leben“

Von der Bühne kommt freilich eine andere Botschaft: Schaut besser in die Menschen hinein! Je durchtriebener das eigene Innere ist, desto stärker lässt man sich von Äußerlichkeiten blenden. Im Grunde weiß es jeder, dass es ganz andere Probleme gibt als das Aussehen, doch wir vergessen es oft, vor allem beim Premieren-Schaulauf.

Vom Botoxen und Hautzeigen haben einige Schauspielerinnen genug, die bei der Berlinale die Aktion #nobodysdoll gestartet haben. Keine Püppchen wollen sie sein, nicht mehr dem Sexismus Nahrung liefern. Dass vom neuen Trend wenig in Stuttgart zu sehen ist, wundert Gaby Hauptmann nicht. „Die Sternchen wollen den Lohn fürs anstrengende Aufrüsten einheimsen“, sagt sie. Auch sei es gegenüber den Künstlern respektlos, meint die Autorin vom Bodensee, „ganz in Sack und Asche beziehungsweise in Jeans und T-Shirt“ aufzutauchen.

Travestie-Lady Frl. Wommy Wonder spottet über die Aktion #nobodysdoll: „Demnächst wird bei Hochzeiten den Bräuten verboten, sich rauszuputzen, denn schließlich heiratet man die inneren Werte.“ Das Musical vom Glöckner bewegt Michael Panzer, den Mann im Gewand des Fräuleins, sehr. „Die Geschichte von einem hässlichen Menschen mit Herz und Charakter kommt mir bekannt vor“, sagt der studierte Theologe, „sie beschreibt mein Leben.“ Heiko Volz, der Autor von Äffle und Pferdle, sieht sich im Stück nicht im Mittelalter: „Es geht um Toleranz und Ausgrenzung – das Musical ist sehr zeitgemäß.“

„Aladdin“ soll im Frühjahr 2019 nach Stuttgart kommen

Bei der Premiere wird vom Publikum vor allem das Bühnenbild und das stimmgewaltige Ensemble gelobt. „Hits zum Mitsingen gibt es nicht“, meint eine Besucherin, „dafür kommt die Musik bombastischer daher als sonst bei Musicals.“ Ein anderer meint: „Die Show ist reich an Wow-Effekten.“ Groß ist die Begeisterung über David Jakobs, der den Quasimodo spielt, wie zuvor in Berlin und München.

Die Stage Entertainment will die monumentale Neuinszenierung mindestens ein Jahr lang im SI-Centrum aufführen. Der Vorverkauf übertreffe die Erwartungen, heißt es. Der Stoff scheint ewig zu faszinieren wie die Kirche Notre-Dame in Paris.

Das Apollo-Theater soll eine Disney-Spielstätte bleiben. Mit „Aladdin“ kann dort, wie Insider berichten, im Frühjahr 2019 nach dem „Glöckner“ gerechnet werden. Als Kandidaten für die andere Straßenseite gelten „Ghost“ und das von der Stage neu produzierte Tina-Turner-Musical. Im Herbst wird sich „Bodyguard“ im Palladium nach Wien verabschieden.

„Das muss man erst mal sacken lassen“

Kuscheln im Sofa kann Autorin Gaby Hauptmann jetzt nicht. Gespannt ist sie, ob, wie im Roman, „alles im Tod endet“. Vorstellen könne sie sich das für ein Musical nicht. Doch auf den Fildern wird nun eine Show gezeigt, die in vielerlei Hinsicht unvorstellbar ist. Wenn die großen Glocken klagen: In ihrem Klang schwingt für immer mit, wie eine große Liebe an Abgründen des Bösen im Leben gescheitert ist und sich erst im Tod erfüllt hat. Jahrhunderte später fand man zwei verschlungene Skelette, von denen das männliche einen Buckel aufwies.

Nicht gerade mit guter Laune verlässt man das Musical, aber tiefberührt. „Das muss man erst mal sacken lassen“, sagt jemand im Foyer. Und ein anderer stellt verklärt fest: „Ein Meisterwerk!“




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