Promis und ihre Sommerfreuden Der Abschied im Bad Berg fällt schwer

Von Uwe Bogen 

Vier Wochen noch, dann schließt das Mineralbad Berg für zwei Jahre. Der Abschied fällt den Fans der kühlen Quellen schwer – in einem Sommer, der endlich seinen Namen verdient. Promis sprechen über ihre Sonnenfreuden.

Noch bis zum 25. September ist das Mineralbad Berg geöffnet – dann beginnt die  zweijährige Generalsanierung Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Noch bis zum 25. September ist das Mineralbad Berg geöffnet – dann beginnt die zweijährige Generalsanierung Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Alle reden von der Hitze – nur einer nicht. „Welche Hitze?“, fragt der Bandleader Berti Kiolbassa, „endlich haben wir mal anständige Temperaturen bei uns im Sommer.“

32,9 Grad gab’s am Freitag in Stuttgart. Für den Musiker Kiolbassa war’s ein Fest. Er ist ein Fan der Sonne – nicht aber der trüben Zukunftsaussicht. In den nächsten beiden Jahren wird das Mineralbad Berg für die Generalsanierung geschlossen. Was soll aus ihm und den anderen Bergianern werden?

Wo sollen sie hin? Das Mineralbad Leuze kommt für einen echten Bergianer nicht in Frage. Eine Glaubensfrage ist’s. Keiner würde freiwillig konvertieren. Nicht allein am höheren Leuze-Preis liege es, warum keiner von ihnen dort hingehen werde, sagt Günther „Ginne“ Schach, ein Berg-Stammgast seit den 1950ern: „Leuze-Besucher sind eine andere Welt.“ Am Freitag lag er auf „seiner“ Wiese mit etwa 1500 Badegästen. Für ihn ist’s sein Gesundheitsbrunnen seit 50 Jahren.

Am 25. September ist der Eintritt frei

Etwas gedrückt ist die Stimmung an der kühlen Quelle, weil die zweijährige Zwangspause immer näher rückt. Am letzten Öffnungstag am 25. September ist der Eintritt frei. Während im Winter die Kaltwasserfans ihr Kleinod mit dem schrulligen Charme vergangener Tage für sich allein haben, suchen an Hitzetagen Kreative und Szene-Volk Inspiration und Erholung in ihrem Lieblingsbad.

Kabarettist Christoph Sonntag gehört zu den Sommerfrischlern im Berg wie auch Heiko Volz, der Autor von Äffle und Pferdle sowie der CDU-MdB Stefan Kaufmann mit seinem Mann Rolf Pfander. Keiner würde laut sagen, was zu den Vorteilen des Bergs zählt. Es fehlt das Kindergeschrei, weil das Mineralbad kein Spaßbad ist. Und deshalb herrscht dort Ruhe.

„Das Berg ist eine Perle“, sagt Pfander, „das Mineralwasser, der Park, die Entspannung und Ruhe sind einmalig.“ Auch das Essen, die Erdbeerbowle und die freundlichen Mitarbeiter der Gastronomie werde er vermissen. Wo will er das Warten aufs Berg überbrücken? „Das wird echt schwierig“, antwortet er, „es wird wahrscheinlich auf ein Freibad-Seen-Hopping rauslaufen.“

Devise vom Äffle & Pferdle: „Schwitzen statt schwätzen“

Mascha Hülsewig, die mit Produkten ihrer Erotik-Boutique Frau Blum die Menschen beglücken will, düst nach Feierabend mit der Vespa ins Berg, was sie liebt. „Die Hitze macht mich glücklich“, sagt sie, „die Stadt ist nicht so voll, die Leute sind entspannt, und alles wird so herrlich langsam.“

Als Devise gibt Äffle-Autor Heiko Volz aus: „Schwitzen statt schwätzen“. Sein Ausweichort im nächsten Jahr: das Freibad ASV Botnang. Vorerst aber gilt für ihn und seine Schwabenhelden: „Dschilla halt.“

Am Ambiente des Berg-Außenbeckens, in das täglich fünf Millionen Liter eisenhaltiges Wasser strömen, soll sich nichts ändern – aber es wird neu gefliest. Das alte Bewegungsbad wird abgerissen, die Liegefläche verkleinert, der Neubau an den Ostflügel des Bades angeschlossen. Und die sanitären Anlagen werden erneuert. Der Charme des Mineralbads soll erhalten bleiben. Ein bisschen altmodisch zu sein, ja, das ist cool.

Stammgast „Ginne“ Schach freut sich auf das renovierte Berg. Von der Erdbeerbowle hielt er sich am Freitag fern – zu heiß! Auch auf dem Weindorf trinken etliche Besucher mittags lieber Wasser statt Wein.

Schauspieler Julian Schmieder cruist zum Radler

Dort reden die Wirte von einer „Zweiklassengesellschaft“. Die einen sind im Schatten – und gut besucht bereits vorm Abend. Die anderen haben in der prallen Sonne zu viele freie Plätze. Über Regen würden sie noch mehr klagen. Also freuen wir uns über die Sonne – so wie Petra Klein, die Morgenmoderatorin von SWR 1. „Endlich ist es bei uns so heiß wie in Thailand, wo ich im Urlaub war“, sagt sie auf dem Weindorf, während sie sich mit ihren thailändischen Fächer Luft zu wedelt. Beim Anblick der Weinprinzessinnen schwärmt sie: „Das wäre mein Traumjob!“ Aber sie sieht sich nun eher als „Queen-Mum der Weinköniginnen“.

Juhu, es ist Hochsommer! Der Schauspieler Julian Schmieder – in der ZDF-Serie „Dr. Klein“ spielt er einen schwulen Fußballprofi – setzt sich aufs Rad: „Damit cruise ich ziellos durch die Stadt, trinke irgendwo ein Radler und genieße eine der letzten lauen Sommernächte.“ Die Krimi-Autorin Christine Lehmann geht rudern: „Auf dem Wasser ist es kühler. Der Sommer ist auf dem Wasser erst so richtig schön.“ Die Stuttgarter DJ-Legende Jens Herzberg fühlt sich bestens: „Mein Urlaub ,At Home’ passt perfekt mit der Hitze zusammen. In Stuttgarts Biergärten lässt es sich herrlich aushalten!“

Ein Hoch auf den Sommer! Möge er uns noch lange erhalten bleiben!

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