Prostitutionshochburg Saarbrücken Aus Paris in den Puff nach Burbach

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Saarbrücken bekämpft engagiert die Prostitution, erwirbt gleichzeitig jedoch den Ruf als Hochburg des billigen Sexkaufs. Zumal das Saarland wegen der deutschen Freizügigkeit im Rotlichtbereich ohnehin schon viele Freier aus dem nahen Ausland anlockt.

Zur Neueröffnung des Saarbrücker Paradise protestieren  Dutzende genervte Bürger vor den Toren des Sexclubs – assistiert von Aktivistinnen der Gruppe Femen. Foto: picture alliance
Zur Neueröffnung des Saarbrücker Paradise protestieren Dutzende genervte Bürger vor den Toren des Sexclubs – assistiert von Aktivistinnen der Gruppe Femen. Foto: picture alliance

Saarbrücken - Triebe kennen keine Verwaltungsvorschriften. Also herrscht schon vor 22 Uhr erhöhtes Verkehrsaufkommen an der Abzweigung mitten im Saarbrücker Waldgebiet, wo das stille Sträßchen Deutschmühlental von der viel befahrenen Dr.-Vogeler-Straße abweicht. In der Dunkelheit sind zwei Frauen zu erkennen. Zehn Minuten vor der erlaubten Zeit hält ein Auto. Ein kurzer Dialog, dann steigt eine der Frauen ein. Der dunkle Wagen entschwindet im Deutschmühlental, wo keine Laterne die Fahrbahn beleuchtet.

Andreas Neumüller sowie Hannelore Meier, zwei CDU-Vertreter aus Burbach, sind unzufrieden mit den Maßnahmen gegen Prostituierte. Foto: Schiermeyer

Die zweite Frau am Straßenrand legt noch ihre Arbeitskleidung an. Die dunkle Hose und die helle Bluse streift sie ab, um beides gegen ein bauchfreies Oberteil, einen Minirock aus Plüsch und halterlose Strümpfe – alles in Weiß – auszutauschen. Die Plastiktüten, in denen sie ihre Alltagskleidung verstaut, versteckt sie in den Büschen. Es ist nun zehn Uhr. Sie tritt näher: „Hallo, alles klar?“, erkundigt sie sich und kommt mit dünner Stimme gleich zur Sache: „Blasen, ficken?“, fragt sie. „Blasen dreißig, blasen und ficken vierzig.“ Der Ton am Straßenstrich ist rau, und für mehr Informationen reicht ihr Deutsch nicht.

Der Audi mit der Kollegin kommt aus der Dunkelheit zurück. Die Frau steigt aus und tritt näher: „Alles klar?“, erkundigt sie sich ritualhaft und nennt gleich ihre Preise. Aufreizend wippt sie am Fahrerfenster mit der Oberweite im rosafarbenen Einteiler. „Schöne Mädchen“, sagt sie. „Komm, Baby. Ficken ist gut. Probier einmal.“ 20 Jahre sei sie alt, aus Bulgarien und seit zwei Monaten in Saarbrücken. So leicht lässt sie sich nicht abschütteln. Verkehr ohne Kondom? Macht 200 Euro – als erstes Angebot.

Huren dürfen an drei Straßenabschnitten stehen

Der Abend nimmt Fahrt auf. Mittlerweile stehen hier sechs Frauen am Straßenrand. Autos jeder Größe mit unterschiedlichen Kennzeichen nähern sich. Hin und wieder wird die schnelle Nummer vereinbart. Kaum zurückgekehrt, wischen sich die Frauen ihre Hände mit Feuchttüchern ab. Wenn die Blase drückt, hocken sie sich ungeniert an den Fahrbahnrand. Junge Franzosen johlen im Vorbeifahren aus dem Autofenster heraus. Die Grenze ist nur noch wenige Steinwürfe entfernt. Weiter vorne verkauft eine 26-Jährige aus Valencia ihren Körper schon für 30 Euro. „Spanien ist Scheiße“, sagt sie. Ihr Kind, das derzeit bei den Eltern untergebracht ist, will sie bald nach Deutschland holen.

Seit dem 1. April gilt Saarbrücken als Sperrbezirk. Davon ausgenommen sind drei Straßenabschnitte – und dies nur noch nachts. An diesen Standorten ist Prostitution von 22 Uhr bis sechs Uhr morgens erlaubt, im Winter ab 20 Uhr. Nachdem die Prostitution nachmittags in den Wohn- und Verkehrsstraßen immer mehr Bürger auf die Barrikaden gebracht hatte, musste die Stadt handeln. Der Saarbrücker Kampf gegen die Prostitution schlug hohe Wellen. Charlotte Britz (SPD), seit 2004 Oberbürgermeisterin, schaffte es sogar in die TV-Talkrunde von Günther Jauch. Der massive Einsatz von Stadt und Landesregierung beförderte die Debatte über ein strengeres Prostitutionsgesetz in Deutschland. Zugleich weckt die Berichterstattung die Begierde triebgesteuerter Männer und lockt Kunden an. Nun gilt die Stadt bundesweit als Hochburg des käuflichen Sex.