Links gegen Rechts: Auf die AfD-Demonstration am Schillerplatz in Stuttgart reagierte das „Bündnis gegen Rechts“ mit einer Gegendemonstration. Hundertschaften der Polizei stellten sich dazwischen.

Stuttgart - Der Schillerplatz glich am Sonntagnachmittag für 90 Minuten einer Festung. Sämtliche Zugänge zu dem Platz im Stuttgarter Zentrum waren von Hundertschaften der Polizei abgeriegelt worden, um eine angemeldete Demonstration des Landesverbandes der Alternative für Deutschland (AfD) gegen die Gewaltnacht der vergangenen Woche abzusichern. Schon eine Stunde vor Beginn dieser Veranstaltung hatte sich vor dem Rathaus das Stuttgarter „Bündnis gegen rechts“ versammelt und war im Anschluss mit rund 200 Anhängern weitergezogen, um gegen die AfD zu protestieren.

Scharfe Kritik an Kretschmann und Kuhn

Weiter als bis zum Alten Schloss und rund um die Alte Kanzlei kamen die vorwiegend linken Gegendemonstranten nicht. Mit Trillerpfeifen, Megafonen und Sprechchören wurde von dort eine Dauergeräuschkulisse erzeugt. Zu körperlichen Übergriffen oder auch nur Versuchen dazu kam es allerdings nicht, die Ordnungskräfte waren in massiver Einsatzstärke auf vieles vorbereitet.

Auf dem Schillerplatz gaben die Sprecher vor zunächst rund 150 Zuhörern, die laut den Veranstaltern später auf 300 anwachsen sollten, an, sich von „linken Chaoten“ nicht provozieren zu lassen. Die AfD-Landesvorsitzende Alice Weidel richtete sich in ihrer Rede zwar auch gegen diese linken Gruppen, nahm aber vor allem die grüne Stadt- und Landespolitik aufs Korn. „Die Schande dieser Nacht fällt auf die zurück, die das zugelassen haben. Kuhn und Kretschmann sind Teil des Problems. Sie tun jetzt so ahnungslos, als ob so etwas nie hätte passieren können“, sagte Weidel. Der OB und der Ministerpräsident hätten „jahrelang weggesehen“ vor den massiven Problemen, die „eingewanderte Parallelgesellschaften“ mit deren Verachtung des Staates mit sich gebracht hätten.

Linke kontern: „Konservative instrumentalisieren diese Nacht“

Weidel hat ihre eigene Lesart der Stuttgarter Krawallnacht: Das sei keine Party- und Eventszene gewesen und auch keine spontane Eskalation, „sondern der Versuch des Mobs, den Bürgerkrieg zu proben.“ Diese Krawallnacht sei ein „lautes Warnsignal“ gewesen, rief sie. Außerdem habe sich gezeigt, dass „linke Einpeitscher und alle etablierten Parteien“ der Polizei in den Rücken fallen würden. Diesen Vorwurf griff auch Martin Hess auf. „Grün-Schwarz hat in Stuttgart die Polizei gnadenlos im Stich gelassen. Die jüngste Gewaltorgie ist der Beweis für das totale Versagen der Politik“, so der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende.

Das „Bündnis gegen rechts“ mutmaßte dagegen: „Der AfD wird die Stuttgarter Gewaltnacht gerade recht gekommen sein.“ Die Ereignisse seien eine günstige Chance, altbewährte Feindbilder wieder auftauchen zu lassen, hieß es. „Es ist untragbar, wie Konservative diese Nacht instrumentalisieren“, sagte die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Linke).

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.organisatorin-der-demonstration-im-video-interview-so-geht-es-mit-der-silent-demo-weiter.9908d79a-9df2-4d7e-b953-caa5c7b27c78.html

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