Protest In Lokalen soll länger gearbeitet werden dürfen

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In Grandls Hofbräu-Zelt haben am Montag rund 4000 Hoteliers und Gastronomen gegen den Mindestlohn und die damit verbundende Aufzeichnungspflicht der Arbeitszeiten demonstriert. Die Dehoga-Mitglieder fordern auch, dass die Schichten von Angestellten zwölf statt zehn Stunden dauern dürfen.

Viele Gastronomen    wehren sich  gegen die strikten Auflagen der Dokumentationspflicht. Foto: Lg/Kovalenko
Viele Gastronomen wehren sich gegen die strikten Auflagen der Dokumentationspflicht. Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Als „ein Zeichen des Protests“ bezeichnete der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt, das Frühlingsfest des Verbandes, zu dem der Dehoga am Montagabend im Grandls Hofbräu-Zelt auf den Cannstatter Wasen geladen hatte.

„Was seit Jahresbeginn politisch auf uns einprasselt, nämlich das Mindestlohngesetz und seine Nebenwirkungen, sprengt das Maß des Erträglichen“, sagte Engelhardt bei seiner Rede vor rund 4000 Gastronomen und Hoteliers. Er betonte, dass es dabei nicht um den Stundenlohn von 8,50 Euro gehe, sondern um die „erheblichen Probleme mit der Bürokratie und dem Arbeitszeitgesetz“. So bemängelte Engelhardt in seiner Rede die Schichtzeiten, die Arbeit von mehr als zehn Stunden pro Tag verbieten. „Auch in Ausnahmefällen und sogar dann, wenn die Mitarbeiter selbst so lange arbeiten wollen und ordentlich dafür bezahlt werden“, so der Dehoga-Präsident. Er forderte in seiner Rede eine Aufstockung auf zwölf Stunden Arbeit pro Tag an maximal drei Tagen pro Woche. Ähnlich wie die Schaustellerverbände (wir berichteten) kritisiert der Dehoga die striktere Dokumentationspflicht, die mit dem Mindestlohn einhergeht.

Buh-Rufe begleiten den Einzug der Politiker ins Festzelt

Bei der politischen Kundgebung kamen auch Alexander Bonde (Grüne), der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, der Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD), Guido Wolf, der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016, sowie Michael Theurer, Landesvorsitzender der FDP, zu Wort. Unter Buh-Rufen liefen die Politiker in das Festzelt ein und stellten sich den zum Teil stark aufgebrachten Gastronomen.

„Wir verstehen ihre Position“, sagte Schmid, „aber es geht um die ordnungsgemäße Erfassung der Arbeitszeit, die für den Mindestlohn nötig ist.“ Allerdings betonte er auch, dass unnötige Bürokratie abgeschafft werden sollte.

Schützenhilfe von Minister Alexander Bonde

Schützenhilfe erhielten die Gastronomen von Minister Bonde: „Die Bundesregierung ist in der Pflicht, die Entbürokratisierung zu fördern.“ Er sei für den Mindestlohn, aber nur mit dem Verwaltungsaufwand, den es auch wirklich brauche.

Auch Guido Wolf schlug sich in seinem Beitrag auf die Seite der Gastronomen: „Wenn sich niemand um den Gast kümmern kann, ist etwas schief gelaufen“, sagte Wolf in Hinblick auf die zunehmende Bürokratisierung.

Der NGG-Chef ist erbost über die Klagen der Gastronomen

Dieter Kindler, der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) Stuttgart, zeigte sich auf StZ-Nachfrage erbost über die Klagen der Gastronomen: „Wer betrügen und lügen will, der regt sich über die Pflicht der Arbeitsaufzeichnung auf.“ Dass die strengeren Gesetze zur Dokumentation „bürokratische Monster“ wären, sei von der Branche nur vorgeschoben, so Kindler. „Es geht nicht um den Mehraufwand in der Bürokratie, sondern schlichtweg darum, dass weiter betrogen werden soll – und zwar nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Staat“, so Kindler.

Einfache Systeme können bei Arbeitszeitaufzeichnung helfen

Der Mehraufwand bei der Arbeitsaufzeichnung könnte zum Beispiel mit einem Schlüsselsystem in der Kasse, in der sich die Kellner registrieren, gering gehalten werden. „Es gibt Mittel und Wege, auch ohne viel Aufwand“, sagt Kindler. Die Arbeitgeber in der Gastronomiebranche würden schlichtweg befürchten, dass der Zoll häufiger käme, schließlich werde dauernd gegen das Gesetz verstoßen. „Wir sind sehr glücklich über das neue Gesetz“, sagte der NGG-Geschäftsführer.

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