Protest in Ludwigsburg Eltern-Demo: „Die Stadt könnte mehr tun“

Von Uwe Roth 

Rund 120 Mütter und Väter machen Vorschläge, wie die Schulöffnung und die Kinderbetreuung zu lösen wäre. Derweil kündigt Bürgermeister Konrad Seigfried an, am 25. Mai einen eingeschränkten Regelbetrieb in den Kindergärten umzusetzen.

Eltern protestieren mit ihren Kindern für die Öffnung von Schulen und Kitas und damit für die  Wiederherstellung der kommunalen Bildungsangebote. Foto: factum/Simon Granville
Eltern protestieren mit ihren Kindern für die Öffnung von Schulen und Kitas und damit für die Wiederherstellung der kommunalen Bildungsangebote. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Die neu gegründete Elterninitiative „Bildung trotz Corona“ hat die Stadt Ludwigsburg aufgefordert, mehr Engagement für eine rasche Öffnung von Schulen und Kitas zu zeigen. Am Mittwoch kamen rund 120 Mütter und Väter mit Kindern und Plakaten sowie Trillerpfeifen vor das Forum am Schlosspark, in dem der Gemeinderat tagte. Sie erwarten von der Stadt „eine schnellstmögliche Annäherung an den Ganztags-Regelbetrieb bis zum 15. Juni in Kita, Schule und Hort sowie zusätzliche Betreuungsangebote in den Sommerferien“. Um dieses Ziel zeitnah zu erreichen, sollten beispielsweise Trainer aus Sportvereinen, Lehrer von Musikschulen und Studierende die Erzieher und Lehrer bei der Betreuung von Kleingruppen unterstützen.

Die Aufteilung der Schulklassen und Kita-Gruppen, die Voraussetzung für die Öffnung ist, benötigt mehr Räume. Laut dem Forderungskatalog der Eltern soll die Stadt dafür derzeit geschlossene Sporthallen, Jugendfarmen oder VHS-Räume zur Verfügung stellen. Schulen sollten zudem zusätzliche Computer wie Notebooks und Tablets bekommen, Lehrer eine Fortbildung, um das Homeschooling übers Internet auszuweiten.

Die Eltern fühlen sich von der Landesregierung übergangen

Monika Lützerath ist eine der Initiatorinnen. „Erst Mitte Mai hat sich die Initiative gebildet“, berichtet sie. Einige Mütter hätten sich zusammengefunden, weil Kitas und Schulen immer länger geschlossen blieben und sie sich als Eltern von der Landesregierung zunehmend übergangen fühlten. „Eltern haben Briefe geschrieben. Aber vom Kultusministerium ist nie eine Antwort bekommen“, erläutert Lützerath die Motivation, mit dem Elternprotest auf die Straße zu gehen. „Selbstverständlich wissen wir, dass die Hauptverantwortung nicht bei der Stadt liegt. Trotzdem denken wir, dass sie mehr tun könnte und stattdessen die Eltern hinhält.“ Die Stadt solle Druck auf die Landesregierung ausüben.

Bürgermeister Konrad Seigfried äußerte bei der Kundgebung Verständnis für das Anliegen der Eltern. Aber, erwiderte er, die Stadt müsse sich an die Vorgaben der Landesregierung halten. „Auch ich bin stinksauer, wie das Land mit der Öffnung umgeht“, so der für die Kitas und Schulen zuständige Dezernent im Rathaus. Die demonstrierenden Eltern gaben sich damit nicht zufrieden und kündigten weitere Proteste an. Am Donnerstag gab die Stadt bekannt, dass sie vom 25. Mai an den eingeschränkten Regelbetrieb in den Ludwigsburger Kitas umsetzen werde. Maximal 50 Prozent der Regelplätze einer Einrichtung könnten belegt werden. Seien die verfügbaren Plätze nicht durch die erweiterte Notbetreuung ausgeschöpft, würden sie an andere Kinder vergeben. Fast alle Kitas böten zusätzliche Plätze an.

Die Elternbeiträge liegen zwischen fünf und zehn Euro

Elternbeiträge, sagt Seigfried, werden dafür in Höhe von fünf Euro (bei Betreuung bis zu fünf Stunden täglich) beziehungsweise zehn Euro pro Tag erhoben. Für Kinder, die derzeit nicht betreut werden könnten, werde wie in den Vormonaten auch im Juni kein Beitrag erhoben.