Protest mit Grünen Kreuzen Die Wahrheit über Bauer Willi

Von  

Als „Bauer Willi“ hat sich ein Landwirt vom Niederrhein im Internet zur Stimme der gebeutelten Landwirtschaft entwickelt. Die Protestaktion mit den grünen Kreuzen geht auf ihn zurück. Doch offenbar ist er mit der Agrarchemieindustrie verbandelt.

Mit grünen Kreuzen demonstrieren Landwirte gegen das Bienen-Volksbegehren und das Agrarumweltpaket der Bundesregierun. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Mit grünen Kreuzen demonstrieren Landwirte gegen das Bienen-Volksbegehren und das Agrarumweltpaket der Bundesregierun. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Stuttgart - Auf den abgeernteten Feldern sprießen sie wie gut gedüngte Sonnenblumen: Seit Wochen rammen Landwirte grüne Kreuze in die Ackerkrume, um gegen das stärker auf Umweltschutz zielende neue Agrarpaket der Bundesregierung zu protestieren. In Baden-Württemberg fällt die Aktion auf besonders fruchtbaren Boden. Hier sehen sich die Landwirte durch das Bienen-Volksbegehren zusätzlich unter Druck. Die grünen Kreuze erscheinen als passendes Symbol. Ihre Botschaft: der Umweltschutz versetzt der siechenden Landwirtschaft den Todesstoß.

Eher selten auf dem Acker

Initiator der Aktion ist der Landwirt Wilhelm Kremer-Schillings vom Niederrhein. Als bloggender „Bauer Willi“ hat er sich einen Namen gemacht: ein unabhängiger Landwirt, der offen und geradeaus über die Erfordernisse der modernen Landwirtschaft aufklärt und mit den Verbrauchern in Dialog tritt. Wobei: was die „Tageszeitung“ aus Berlin jetzt über Kremer-Schillings herausgefunden hat, könnte sanfte Zweifel an seiner Unabhängigkeit sähen. Demnach habe Kremer-Schillings bis 1990 als Projektmanager beim Schering-Konzern gearbeitet, zuständig für den unter Krebsverdacht stehenden Unkrautvernichter Betanal. Später wechselte er zum Zuckerhersteller Pfeifer & Langen und habe auch dort Landwirten zu Pestiziden geraten. Heute firmiere der Vorruheständler als Vizevorsitzender der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft. Deren Jahresumsatz von 120 Millionen Euro stammt unter anderem aus dem Handel mit Pestiziden wie Glyphosat, wie man auf der Internetseite nachlesen kann. Auf den Traktor steige Bauer Willi laut der „Taz“ eher selten. Der Begriff Nebenerwerbslandwirt bedeute bei ihm, dass der Bauer nebenan die Felder versorge. Er selbst greife nur ein, wenn eine zweite Arbeitskraft benötigt werde, wird er zitiert.

Die Bauern machen weiter

In seinem Blog reagiert Schilling-Kremers ungerührt. „Na und? Im ADAC und in der katholischen Kirche bin ich übrigens auch.“ Die Landwirte sehen ihren Protest ebenfalls nicht diskreditiert. „Die Argumente sind ausgetauscht. Jetzt wird es halt persönlich“, sagt Hubert Hengge von der Protestplattform „Bodensee-Bauern“. Egal ob Bauer Willi oder Chemie-Willi – die grünen Kreuze sollen vorerst stehen bleiben.