Protestaktion an der Stuttgarter Bismarckschule Hauptschullehrer fordern Gleichbehandlung

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An der Bismarckschule haben am Montag 13 Pädagogen ihre Versetzung beantragt, obwohl sie am liebsten bleiben würden. Der Grund: sie wollen genauso viel verdienen wie ihr junger Kollege an derselben Schule. Doch der Landesregierung ist das zu teuer.

Protest: Mehrere Pädagogen  reichen ihre Versetzungsanträge bei Schulleiter Gerald Mandl ein. Foto: Lichtgut/Kovalenko
Protest: Mehrere Pädagogen reichen ihre Versetzungsanträge bei Schulleiter Gerald Mandl ein. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Stuttgart - An der Bismarckschule in Feuerbach ist ein Drittel des Kollegiums so verärgert, dass am Montag 13 der 37 Werkrealschullehrer ihre Versetzung an eine andere Schulart beantragt haben, Realschule oder Sonderschule. Dort können sie mehr Geld verdienen. Anlass für die von der Gewerkschaft GEW begleitete Protestaktion ist nicht die Arbeit, sondern die als ungerecht empfundene Besoldung. „Kultusministerin Susanne Eisenmann lässt die Werkrealschullehrer im Regen stehen“, so die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz – „Es kann keine Zweiklassengesellschaft bei den Hauptschullehrern geben“. Anke Ebner, die seit 20 Jahren an der Bismarckschule unterrichtet, findet es „absurd, dass jetzt ein frisch ausgebildeter Kollege A 13 kriegt – und wir auf A 12 bleiben, obwohl wir seit Jahren Klasse zehn unterrichten“. Der A13er startet mit 4136 Euro, als A12er haben sie mit 3533 Euro anfangen müssen – und auch in der Endstufe macht der Unterschied 500 Euro aus, für die gleiche Arbeit. Anke Ebner hat sich deshalb für die Sonderschule beworben. Dieser Weg würde ihr ermöglichen, am Qualifizierungsprogramm des Landes teilzunehmen – und anschließend bei A 13 zu landen.

Bismarckschule darf keine Gemeinschaftsschule mehr werden

Dabei waren die Bismarck-Lehrer schon ganz nah dran gewesen an der Chance auf eine höhere Besoldung. „Wir waren auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule“, sagt Franco Mastrobattista (47). Das Schulamt habe dies unterstützt. „Ich hab mich bewusst auf die Bismarckschule beworben, habe an dem pädagogischen Konzept mitgeschrieben“, sagt Ilaria Schütz, die vorher an der Schillerschule unterricht hat, deren Hauptschulzug auslief. Viele Kollegen hätten viel Zeit in das Konzept investiert. Und dann im September vom Regierungspräsidium die Absage: kein Bedarf mehr für eine Gemeinschaftsschule in Feuerbach.

Besonders fuchst es die Lehrer der Bismarckschule, die mit ihren 300 Schülern, 90 Prozent aus Migrantenfamilien, 47 Inklusionskindern und drei Vorbereitungsklassen als stabilste der nurmehr sieben Werkrealschulen in Stuttgart gilt und auch vom Schulverwaltungsamt für ihre engagierte Arbeit gelobt wird, dass ausgerechnet sie keine Aufstiegschance haben. Es mag sie kaum trösten, dass Moritz mit landesweit 3000 weiteren Versetzungsanträgen rechnet.

Doch große Hoffnungen brauchen sie sich nicht zu machen. Eine generelle Höhergruppierung der Hauptschullehrer nach A13 würde 80 Millionen Euro kosten und sei „finanziell nicht darstellbar“, so eine Sprecherin des Kultusministeriums.

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