Protestaktion von Shahak Shapira Sprühen gegen Hass-Tweets

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Der israelisch-deutsche Autor Shahak Shapira sprüht rassistische Botschaften vor die Twitterzentrale in Hamburg. Er will damit ein Zeichen setzen.

Er will provozieren:  Sprüche wie diese hat Shapira vor das Twitter-Büro in Hamburg gesprüht. Foto: Shahak Shapira
Er will provozieren: Sprüche wie diese hat Shapira vor das Twitter-Büro in Hamburg gesprüht. Foto: Shahak Shapira

Berlin - Die Sprüche waren ungeschminkt volksverhetzend. „Deutschland braucht für den Islam wieder die Endlösung“, „Hängen so ein Dreckspack“ oder „Judenschwein“: Wer seit Freitagmorgen an der Twitterzentrale in Hamburg-Altona vorbeilief, musste über solche Sprüche am Boden gehen. In der Nacht waren 30 rassistische Aussagen auf die Straße vor dem Büro gesprüht worden.

Mittlerweile ist klar, dass nicht etwa Rechtsradikale dahinterstecken, sondern der Berliner Satiriker Shahak Shapira, der Mann, der bereits Anfang des Jahres mit „Yolocaust“ Aufregung entfachte. Die Sprüche, die er Twitter vor die Hamburger Haustür gesprüht hatte, hat er nicht erfunden. Es sind alles Meldungen, die Menschen auf Twitter geschrieben haben. Diese Hasskommentare hat Shapira bei Twitter gemeldet. Man könnte annehmen, dass Sprüche wie „Juden vergasen“ gelöscht würden, schließlich hat auch Twitter Regeln zu Hasskommentaren und Rassismus – wurden sie aber nicht.

Keine Reaktion von Twitter

Von mehr als 300 gemeldeten Tweets bekam er auf nur neun eine Antwort von Twitter, sagt er. „Zu einem Großteil der Hasskommentare habe ich keine Antwort bekommen“, sagt er. Und die neun, auf die reagiert wurde, blieben online, erklärt er. Auf die anderen habe es gar kein Feedback gegeben. Seine Schlussfolgerung: „Wenn Twitter mich zwingt, diese Dinge zu sehen, dann muss Twitter sie auch sehen.“ So entstand die Idee zum Projekt. In der Nacht auf Freitag sprühte er dann mit Kreidespray 30 Sprüche vor das Twitterbüro. Tweets, die auch jetzt teilweise noch online sind. Sie richten sich gegen Juden, Muslime, Schwarze. „Neger sind eine Pest für unsere Gesellschaft“ oder „Hitler tat nichts falsch, der Holocaust ist eine Lüge“. Daneben schreib er die Aufforderung: „Ey Twitter, lösch den Scheiß“.

Unter dem Hashtag #heytwitter protestiert der 29-Jährige gegen die Löschpolitik des Konzerns. Besonders dass sich Twitter als Plattform gibt, die sich an Regeln hält, stößt ihm auf. Denn: „Im Prinzip scheren sie sich einen Dreck um Hasskommentare“, sagt Shapira. Es hätte einen Unterschied gemacht, sagt er, hätte er zumindest Rückmeldung vom Konzern bekommen. Aber: „Es ist Twitter einfach egal.“ Rückmeldung gab es von vielen anderen, „das meiste war überwiegend positiv“, sagt er.

Hasskommentare sollen schneller gelöscht werden

Aber auch hier blieben negative Reaktionen nicht aus. Er verstehe nicht, dass es Personen gebe, die solche Hasskommentare unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit rechtfertigten. „Wenn jemand schreibt, dass Schwule nach Auschwitz gehören, hat das nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.“ Laut Twitter-Richtlinien dürfen Tweets Personen nicht aufgrund ihrer Rasse oder Herkunft, ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit angreifen. Auch per Gesetz soll strenger gegen sogenannte Hatespeech vorgegangen werden. Ende Juni hat die große Koalition für das „Facebookgesetz“ gestimmt. Demnach müssen Plattformbetreiber wie Twitter oder Facebook „offensichtlich strafbare Inhalte“ innerhalb von 24 Stunden löschen.

Auch Facebook meldete Shapira Hasskommentare. Etwa 80 Prozent der rund 150 gemeldeten Beiträge seien entfernt worden, sagt er. „Außerdem habe ich immer eine Rückmeldung bekommen.“ Twitter hat sich nach der Aktion ihm gegenüber nicht geäußert. Er hoffe, dass er noch eine Rückmeldung bekommt. Auch auf Anfrage unserer Zeitung wollte sich Twitter nicht zum Vorfall äußern und verwies lediglich auf die eigenen Richtlinien.