Proteste gegen die Corona-Verordnung Eltern protestieren gegen Maskenpflicht

Auch an Grundschulen müssen nun Masken getragen werden – manche Eltern empfinden das als Zumutung für ihre Kinder. Foto: dpa/Matthias Balk

An mehreren Grundschulen im Landkreis Göppingen kocht die Debatte über Maskenpflicht für die Kinder hoch. Viele Eltern schicken offenbar ihre Kinder nicht mehr zum Unterricht – und es gibt Online-Petition gegen das Tragen von Masken in Grundschulen.

Göppingen - Die emotionale Diskussion an Schulen ist momentan sehr bewegt“ sagt Elke Weccard, die stellvertretende Amtsleiterin des Staatlichen Schulamts Göppingen. Viele Eltern sehen die Maskenpflicht für Grundschüler als eine Zumutung für ihre Kinder an. So auch Nadja Grimm, Mitglied des Elternbeirats der Stauferschule Wäschenbeuren. Sie hat große Bedenken, ihr Kind mit Maske in die Schule zu schicken. „Viele Kinder haben noch nicht so viel Selbstvertrauen, um sich bemerkbar zu machen, wenn es ihnen unter der Maske nicht gut geht“, sagt Grimm. Darüber hinauskönnten sich die Kinder nicht wie gewohnt am Unterricht beteiligen, da das Sichtfeld stark eingeschränkt sei.

 

Mit einer Aktion machten Eltern der Stauferschule auf sich aufmerksam. Mit dem Satz „So kann man nicht lernen“ wurden die Masken beschriftet, mit denen die Eltern ihre Kinder zur Schule brachten. Die Hälfte habe ihre Kinder erst gar nicht zum Unterricht geschickt, berichtet Grimm. Sie hält die Entscheidung für „nicht ganz durchdacht“ und sieht das Wohl der Kinder gefährdet.

Die Maskenpflicht gilt seit Montag in Baden-Württemberg auch für Grundschüler. Das geht aus dem Beschluss des Landes vom 19. März zur Änderung der Corona-Verordnung hervor. Demnach müssen auch Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren während des Aufenthalts in der Schule einen medizinischen Mund- und Nasenschutz tragen. Eine Online-Petition gegen das Tragen von Masken in Grundschulen während des Unterrichts hatten am Freitag knapp 12 000 Eltern aus dem ganzen Land unterzeichnet.

Nur die Hälfte der Kinder kam zum Unterricht

Die Maskenpflicht sorgt auch an der Jebenhäuser Blumhardt-Grundschule für Zündstoff. Kaum eine Familie könne sich mit dem strikten Maskenzwang anfreunden, daher seien auch hier nur etwa die Hälfte der Kinder zum Unterricht erschienen, berichtet der Vater eines Grundschülers, der nicht genannt werden will. An den Selbsttests für Erstklässler gebe es ebenfalls Kritik – vor allem wegen fehlender Übergangszeit und des geringen Austauschs mit den Eltern.

Christian Albrecht und Michael Fiedler, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Kreis Göppingen, nehmen die Stimmung an den Schulen als „sehr erhitzt“ wahr und berichten über großen Unmut über die geltende Maskenpflicht an den Grundschulen. „Völliges Unverständnis“ sei die Reaktion vieler Eltern. „Viele Schülerinnen und Schüler bleiben dem Unterricht fern“, bestätigt auch Albrecht. Dass diese dann wiederum auf Fernunterricht angewiesen sind, sehen die Elternvertreter mit Sorge: „Die gleichzeitige Durchführung von Präsenz- und Fernunterricht ist den Schulen kaum zuzumuten“.

Auch die Schnelltests sind umstritten

Elke Weccard vom Schulamt äußert Verständnis über die Bedenken der Eltern und sieht großen Diskussionsbedarf. Ziel sei es, die aktuellen Verordnungen so umzusetzen, dass weitestgehend ein guter Schulalltag möglich sei. An Konzepten, die es den Schülern öfter erlaubt die Masken abzulegen, werde gearbeitet.

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Umstritten sind bei Eltern und Schülern offenbar auch die Schnelltests. Während einige Schulen mit dem Testen auf das Corona-Virus begonnen haben, sind andere noch in der Planungsphase. Wie und wann die Umsetzung der Schnelltestangebote an Göppinger Schulen erfolgt, variiere von Schule zu Schule und hänge von den örtlichen Gegebenheiten ab, berichtet Weccard. Für die Testung auf freiwilliger Basis ist die Einwilligung der Eltern von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren erforderlich.

Die Umsetzung der Schnelltests sei eine Herausforderung

An der Walther-Hensel-Schule war die Resonanz bisher eher gering. Christel Jost, Schulleiterin der Walther-Hensel-Schule, vermutet, dass die Akzeptanz für Tests steigt, sobald erste Unsicherheiten überwunden werden. Das Angebot, Tests direkt an den Schulen anzubieten, begrüßt die Schulleiterin. Ziel sei es, einen weitgehend geschützten Schulalltag zu ermöglichen. In der Umsetzung stoße man allerdings auf einige logistische Herausforderungen, die je nach Schule individuell gelöst würden. An der Walther-Hensel-Schule testen sich die Schüler unter geschulter Aufsicht am Ende der letzten Schulstunde selbst. Damit es nicht zu Stigmatisierungen kommt, bekommen die Schüler das Ergebnis nicht direkt mitgeteilt. Erst bei einem positiven Testergebnis werden die Eltern benachrichtigt.

An der Kaufmännischen Schule in Göppingen wird in der Caféteria getestet. Andreas Schweikardt, der stellvertretender Leiter der Kaufmännischen Schule, berichtet von einer durchwachsenen Resonanz bei den Schülern. Aus Angst, der Test könnte positiv sein, hätten viele Schüler Bedenken. Dennoch ist Schweikardt zuversichtlich: „Ohne die Tests ist die Situation gleichbleibend, mit den Tests kann sie sich nur verbessern.“

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