Proteste von Klimagegnern Der Drohnenprotest in Heathrow verpufft erst mal
Londons Polizei nimmt einige Klimaaktivisten in Beugehaft und arbeitet gezielt mit Funkstörungen.
Londons Polizei nimmt einige Klimaaktivisten in Beugehaft und arbeitet gezielt mit Funkstörungen.
London - Mit präventiven Verhaftungen und gezielten Signalstörungen ist die Polizei in London gegen Klimaaktivisten vorgegangen, die den Flugbetrieb in Heathrow Airport auf das Wochenende hin zu behindern suchten. Die Demonstranten hatten den Einsatz von Spielzeug-Drohnen angekündigt, um gegen den geplanten Ausbau des größten Flughafens Europas zu protestieren.
Die Teilnehmer der Aktion, Mitglieder der Gruppe „Heathrow Pause“, hatten vorab versichert, dass sie mit ihren Protesten niemanden gefährden wollten. Die Drohnen sollten auf einer Höhe unter zwei Metern fliegen – und auf keinen Fall Flugbahnen tangieren. Sie sollten aber auf dem eingezäunten Fünf-Kilometer-Gelände Heathrows herumschwirren, auf dem das Fliegen von Drohnen streng verboten ist. „Uns ist völlig klar, dass wir verhaftet werden und im Gefängnis landen“, sagte ein Sprecher der Klimaschutzorganisation. Es bleibe den Aktivisten aber „keine andere Wahl, weil wir uns in einer ökologischen Katastrophensituation befinden“.
Die angeblich 70 Personen umfassende Gruppe, die den Drohnenprotest plante, ist eine Abspaltung der Protestbewegung „Extinction Rebellion“, die im April dieses Jahres im Zentrum Londons und in anderen britischen Städten mehrere Tage lang Straßen und Brücken besetzte. Damals war auch die Drohnenidee im Zusammenhang mit Heathrow Airport aufgekommen. An dem Plan schieden sich die Geister von Anfang an. Erst als im Juni Details des Ausbaus Heathrows zu einer gigantischen Verkehrsdrehscheibe mit 750 000 Flügen im Jahr veröffentlicht wurden, begannen die Aktivisten bei Heathrow Pause, das Vorhaben neu aufzugreifen. Beim Heathrow-Ausbau handle es sich schließlich um „das CO2-intensivste Projekt in ganz Europa“, um „eine Monstrosität“, befand Roger Hallam, einer der Mitbegründer der britischen Klimaproteste der jüngsten Monate. Und mittlerweile gehe es beim Klimawandel „um Leben oder Tod“.
Hallam und vier weitere Aktivisten wurden bereits am Donnerstag von der Polizei verhaftet – bevor auch nur eine Drohne in Heathrow gesichtet wurde. Augenzeugenberichten zufolge wurde Hallam mit einem seiner Mitstreiter vor einem Café im Londoner Stadtteil Bethnal Green aufgegriffen und in Handschellen abgeführt, nachdem er mehrere Interviews gegeben hatte. Zwei weitere Aktivisten wurden am Freitagmorgen auf dem Heathrow-Gelände verhaftet. Sie hatten offenbar vergebens versucht, ihre Drohne in Gang zu setzen. Mit gezielten Funkstörungen gelang es der Polizei und Flughafenexperten, das Abheben des Fluggeräts zu verhindern. Es war das erste Mal, dass der britische Flughafen erfolgreich mit einer solchen Blockiertechnologie arbeitete. Mit dieser Maßnahme und der Verhaftung der Aktivisten hoffte die Polizei, den Flugverkehr in Heathrow an diesem Wochenende sichern zu können. Dass sie „vorbeugende Maßnahmen“ gegen eine „Störung der öffentlichen Ordnung“ ergreifen werde, hatte sie frühzeitig erklärt.
„Wir wissen, wie wir den Einsatz von Drohnen entdecken und die Betreiber identifizieren können“, warnte die zuständige Polizeichefin Laurence Taylor die Aktivisten. Wenn man eine Behinderung des Flugverkehrs „vorab schon verhüten“ könne, werde man das natürlich, im Rahmen des Gesetzes, tun. Die Nervosität an britischen Flughäfen ist gewachsen, seit an Weihnachten 2018 Gatwick Airport, der zweitwichtigste Flughafen des Landes, den Betrieb wegen Drohnenalarms 36 Stunden lang einstellen musste. Seither sind Millionen von Pfund in Abwehrmaßnahmen gegen Drohnen investiert worden – in Heathrow, Gatwick und andernorts.
Unterdessen hat die „Mutterorganisation“ der Demonstranten, Extinction Rebellion, schon ein neues Aktionsziel ins Visier genommen. Sie will gegen die London Fashion Week, eine der größten jährlichen Modeschauen der Welt, protestieren. Die dort vertretenen Luxusmarken, sagen Aktivisten, seien „tief in ein destruktives System verstrickt“, das den Klimawandel „massiv“ verstärke. Drohnen sind bei dieser Aktion nicht vorgesehen.