Protestforscher zu Fridays for future „FFF hat einen enormen Einfluss auf die Klimadebatte“

Die Bewegung hatte schnell bekannte Gesichter, vor allem junge Frauen. Gleichzeitig ist sie in ihren Strukturen sehr basisorientiert geblieben. Foto: IMAGO/NurPhoto

Der Protestforscher Sebastian Haunss schätzt die gesellschaftliche Resonanz der Bewegung Fridays for Future im Unterschied zu radikalen Aktivisten als sehr positiv und erklärt, warum die Grünen nicht durchweg davon profitieren.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Herr Haunss, wie hat die Initiative Fridays for Future den Diskurs über den Klimawandel und die Klimapolitik verändert?

 

Sie hatte einen enormen Einfluss auf die gesellschaftlichen Debatten darüber und auch auf die Politik – zumindest soweit es deren Ankündigungen betrifft. Der Diskurs hat sich insofern gewandelt, als dass der Klimawandel von einem wichtigen zum wichtigsten Thema wurde – zwischenzeitlich allerdings verdrängt von Corona und Krieg. Die Bewegung hat wohl auch den Kohleausstieg beschleunigt.

Wie hat sich die Bewegung selbst gewandelt?

Das wüssten wir auch gerne. Danach fragen wir die Demonstranten an diesem Freitag: Waren viele schon vor vier Jahren dabei? Wie haben sich ihre Ansichten verändert? Die Bewegung hatte schnell bekannte Gesichter, vor allem junge Frauen. Gleichzeitig ist sie in ihren Strukturen sehr basisorientiert geblieben – das ist schon bemerkenswert.

Was eint diese Bewegung, wo gibt es Bruchlinien?

Es gibt durchaus Themen, die kontrovers diskutiert werden. Das würde ich allerdings nicht als Bruchlinien bezeichnen. Von Anfang an haben sich junge Menschen da engagiert, die noch keinerlei politische Erfahrung hatten, aber auch andere aus den Jugendverbänden von Parteien. Es gab immer unterschiedliche Ansichten darüber, welche Organisationsformen für angemessen und effizient erachtet wurden. Auch die Frage, ob man sich als Kritiker, Gegner oder Reformer des Kapitalismus sieht, wird nicht einhellig beantwortet.

Wie unterscheidet sich die Resonanz von Fridays for Future und die der Letzten Generation?

Der Protest von Fridays for Future hatte überwiegend ein sehr positives Echo. Das gilt für radikalere Klimaaktivisten weniger. Die sind konfrontativer und stören alltägliche Routinen. Deswegen stoßen sie auf eine heftigere Ablehnung. Allerdings erreichen sie mit weniger Leuten mehr mediale Aufmerksamkeit.

Was ist im Vergleich mit früheren Bewegungen neu an Fridays for Future?

Ungewöhnlich ist das junge Durchschnittsalter derer, die da mitmachen. Anfangs waren mehr als die Hälfte der Demonstranten unter 18. Extrem ungewöhnlich ist, dass ohne übergeordnete Organisationsstrukturen eine internationale Koordinierung gelungen ist. Beides zusammen gab es bis dahin noch nie.

Welche Rolle spielt Greta Thunberg noch?

Sie spielte anfangs als Vorbild vor allem für junge Frauen eine wichtige Rolle für die Mobilisierung. Als Initiatorin und Motivatorin war sie wichtig, aber für die Massenbeteiligung bei den Aktionen wohl eher weniger.

Wo sind die Anhänger parteipolitisch verortet?

Die größte Gruppe (etwa 40 Prozent) sagt bei Umfragen, sie könnten sich mit keiner der im Bundestag vertretenen Parteien identifizieren. Eine ähnlich große Gruppe favorisiert die Grünen. Die Linke käme bei den Demonstrierenden auf etwas über zehn Prozent. Die anderen Parteien kommen eher unter ferner liefen.

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