Prozess am Landgericht Heilbronn Opfer stand lichterloh in Flammen
Im Prozess um einen versuchten Mord schildert ein Freudentaler, wie er von seiner Nachbarin mit Spiritus übergossen und angezündet worden ist.
Im Prozess um einen versuchten Mord schildert ein Freudentaler, wie er von seiner Nachbarin mit Spiritus übergossen und angezündet worden ist.
Bis heute kann sich der 52-Jährige aus Freudental nicht erklären, was am vergangenen 28. Oktober in seine Nachbarin gefahren ist. Wie fast jeden Tag sei er auch an diesem Abend zu ihr gegangen und habe die Einkäufe, die er für sie besorgt habe, ausgepackt. Darunter sei auch Fleisch und Brennspiritus gewesen, da die beiden an Allerheiligen zusammen grillen wollten. Anschließend hätten sie zusammen gegessen und ferngesehen, Alkohol oder Drogen habe keiner von ihnen konsumiert.
Irgendwann kurz vor Mitternacht habe die Frau die Brennspiritusflasche auf dem Wohnzimmertisch gegriffen und ihm über den Kopf geschüttet. Er sei noch dabei gewesen, sich die Flüssigkeit aus den Augen zu reiben, da habe sie zu einem der zahlreichen auf dem Tisch liegenden Feuerzeuge gegriffen und ihn angezündet. „Ich bin lichterloh in Flammen gestanden“, berichtete der 52-Jährige lebhaft. Er sei dann in die Küche geflohen, habe sein T-Shirt ausgezogen und in den Müll geworfen und sei dann in seine Wohnung geflüchtet.
Ins Krankenhaus kam er jedoch erst drei Tage später, als seine Schwester und sein Schwager ihn besucht und sofort den Rettungsdienst alarmiert hatten. „Ich konnte zwar die ganze Nacht vor Schmerzen nicht schlafen und die Wunden haben genässt, aber ich bin nicht der Typ, der gleich zum Arzt rennt“, erklärte der Freudentaler.
Der Unfallchirurg, der ihn im Marienhospital in Stuttgart behandelt hatte, erklärte im Zeugenstand, acht Prozent seien verbrannt gewesen. Die Verbrennungen seien je zur Hälfte zweiten und dritten Grades gewesen. Lebensgefahr habe jedoch nicht bestanden. „Es ist aber außergewöhnlich, dass man mit so schweren Verbrennungen erst Tage später ins Krankenhaus kommt“, meinte der Mediziner. Insgesamt sei der Mann dreimal operiert worden, beim dritten Mal sei Haut vom Oberschenkel transplantiert worden.
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Er leide bis heute unter den Folgen der Tat, so der 52-Jährige. Wenn die Sonne auf seine Haut scheine, habe er Schmerzen, an Hals, Armen und Oberkörper sei er vernarbt. „Ich kann nicht mehr oben ohne rumlaufen, ich sehe aus wie ein Krüppel, ich bin verstümmelt“, meinte der Mann. Dennoch hege er gegen seine Bekannte keine Hass- oder Rachegefühle. „Ich wollte ihr doch immer nur helfen, auch wenn sie immer mal wieder ausgetickt ist und mich auch schon in die Hand und ins Ohr gebissen hat“, erklärte der Freudentaler.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 41-jährigen Angeklagten versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Laut Anklage soll sie rund 80 Milliliter Brennspiritus über ihren Bekannten geleert und ihn angezündet haben. Die Angeklagte machte am zweiten Prozesstag am Landgericht Heilbronn keine Angaben zum Tatvorwurf.
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Einblick gab die Frau hingegen in ihr von schweren Schicksalsschlägen gezeichnetes Leben. Ihr Vater sei Alkoholiker gewesen und 2004 verstorben, ihr Bruder sei an einer Überdosis Heroin gestorben. Bei ihr sei eine Borderline-Störung diagnostiziert worden, sie nehme Stimmungsaufheller, ritze sich aber nicht. Sie betäube sich aber immer wieder mit Alkohol und nehme Cannabis und Amphetamine. Ihr 2018 geborenes Kind, das sie zunächst allein aufgezogen hat, lebt seit 2020 in einer Pflegefamilie.