Prozess am Landgericht Hintergründe eines Raubs noch unklar

Einem 31-Jährigen wird vorgeworfen, Marihuana und Geld erbeutet zu haben. Der Angeklagte am Landgericht Stuttgart sagt dazu bisher nichts..

Die Anklage lautet räuberische Erpressung – das Gericht mus den Fall aber noch durchleuchten. Foto: dpa
Die Anklage lautet räuberische Erpressung – das Gericht mus den Fall aber noch durchleuchten. Foto: dpa

Stuttgart - Unberührt, fast stoisch sitzt der 31 Jahre alte Mann aus dem Kreis Böblingen auf der Anklagebank der 17. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht. Räuberische Erpressung wird ihm vorgeworfen und der unrechtmäßige Besitz einer Schreckschusspistole. Letzteres hat er eingeräumt, alles andere aber nicht. Dabei spricht eine Hausdurchsuchung gegen ihn. Die Polizei stellte einen Teleskopschlagstock sicher, den er bei einem Überfall auf einen Bekannten benutzt haben soll. Der mutmaßlich Geschädigte – so lautet jedenfalls die Bezeichnung des Gerichts – hatte angegeben, die vorgefundene Waffe wiedererkannt zu haben, mit der er bedroht worden sei. Der 31-Jährige und ein noch nicht ermittelter Mittäter habe ihn gezwungen, ihm sein gesamtes Bargeld in Höhe von 1600 Euro auszuhändigen und ihm einen Beutel mit 16 Gramm Marihuana geraubt.

Eine der Fragen ist, wie die Täter in die Wohnung kamen

Laut der Staatsanwaltschaft war der Angeklagte mit einem Komplizen am 12. November 2016 in die Wohnung des Geschädigten eingedrungen. Maskiert sollen die beiden gewesen sein. Der 31-Jährige soll sein Opfer auf das Sofa gedrückt und so sehr eingeschüchtert haben, dass es ihm seine gesamten Ersparnisse aushändigte. Wie die beiden mutmaßlichen Täter in die Wohnung gekommen seien, sei bisher nicht bekannt, sagte der Staatsanwalt. Anwesend waren zur Tatzeit noch weitere Personen, die einen gemeinsamen Fernsehabend verbringen wollten.

Eine von ihnen habe den 31-Jährigen an dessen Stimme erkannt und der Polizei den Tipp über dessen Identität gegeben. Nach einem Gerangel und der Androhung von Schlägen habe der Angeklagte zudem nach dem Marihuana-Beutel auf dem Wohnzimmertisch gegriffen und sei mit seinem Kumpanen wieder verschwunden. Über die Hintergründe der Tat sei bisher nichts weiter bekannt, fügte der Staatsanwalt hinzu.

Die Polizei stellte einen Schlagstock und Messer sicher

Am nächsten Tag fand die Polizei bei dem Angeklagten neben dem Schlagstock auch einige Messer, eine Kälteschutzmaske mit einem weißen Emblem, eine Schreckschusswaffe, für die es einer Genehmigung bedarf, sowie einen Beutel mit Marihuana, in dem sich 4,9 Gramm befanden. Geld fanden die Beamten nicht. Das weiße Emblem auf der Maske soll dem mutmaßlich Geschädigten während der Tat aufgefallen sein, unterstrich der Staatsanwalt. Schon bei der vorläufigen Festnahme und der Vernehmung hatte der Angeklagte aber zum Tatvorwurf geschwiegen.

Er habe bereits drei Monate lang kein Marihuana mehr geraucht, gab der 31-Jährige vor dem Richter Thomas Hillenbrand zu Protokoll. Im Alter von 17 Jahren habe er täglich gekifft, in jüngeren Jahren harte Spirituosen konsumiert. Später dann habe er zu Kokain gegriffen und sich kurz auch einer Therapie unterzogen, sagte der Angeklagte. Die sei jedoch wieder abgebrochen worden, weil er nicht versichert gewesen sei: „Mit mir ging es den Bach runter“. Der 31-Jährige hat zwar einen Hauptschulabschluss und verfügt nach eigenen Angaben über eine Ausbildung als Teilezurichter. Viele Jahre lang hielt er sich aber mit Zeitarbeitsjobs über Wasser. „Ich bekomme seit zwei Jahren vom Arbeitsamt kein Geld mehr“, berichtete der Angeklagte. Er verlasse sein Zimmer kaum noch, weil er unter schweren Depressionen leide. Der 31-Jährige ist ledig und wohnt bei seinen Eltern. Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstage angesetzt.




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