Prozess am Landgericht Stuttgart Drogen-Geständnis: Ex-Projektmanager hat 95 Kilo Marihuana verkauft

, aktualisiert am 18.02.2026 - 17:32 Uhr
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, größere Mengen Cannabis über Spanien beschafft und diese mit Gewinn an Abnehmer im Rems-Murr-Kreis sowie im Großraum Stuttgart weiterveräußert zu haben (Symbolfoto). Foto: imago images/Charles Yunck

Ein Mann gesteht in Stuttgart massiven Drogenhandel. Pandemie und private Schicksalsschläge führten den Ex-Projektmanager zurück in die Kriminalität.

Ein Prozess am Landgericht Stuttgart um schwunghaften Drogenhandel im Rems-Murr-Kreis und im Großraum Stuttgart mit fast 30 Anklagepunkten könnte schneller zu Ende gehen als geplant. Am zweiten Verhandlungstag verkündete der Vorsitzende Richter Rainer Gless das Ergebnis einer sogenannten Prozessverständigung, auf die sich die Richter der 9. Großen Strafkammer, die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung nach einem Gespräch Anfang Februar geeinigt hatten. Demnach wurde dem 36-jährigen Angeklagten für den Fall eines Geständnisses ein Strafrahmen zwischen fünf Jahren und acht Monaten und sechs Jahren und vier Monaten in Aussicht gestellt. Derzeit sind noch vier weitere Verhandlungstage bis zur Urteilsverkündung am 23. März geplant.

 

Über seinen Verteidiger räumte der Angeklagte die ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen knapp 30 Taten des Drogenhandels aus den Jahren 2020 und 2021 im Wesentlichen ein. Er gestand, insgesamt rund 95 Kilogramm Marihuana, etwa 600 Gramm Amphetamine und rund 2,5 Kilogramm Kokain größtenteils in Spanien gekauft und im Großraum Stuttgart und im Rems-Murr-Kreis verkauft zu haben und dabei einen Gewinn von knapp 250.000 Euro erwirtschaftet zu haben. Teilweise seien die Geschäfte über Krypto-Handys und den Messangerdienst Sky ECC angebahnt worden. In zwei Fällen seien die Drogenpakete in Autos des Angeklagten abgelegt worden.

Zoll stoppt Drogensendungen und Diebstahl von Gerüstteilen

Drei Sendungen aus Spanien mit insgesamt rund vier Kilogramm Marihuana wurden vom Zoll in Poststationen in Speyer und Süßen (Kreis Göppingen) sichergestellt. Eingeräumt hat der Angeklagte auch, zusammen mit vier Komplizen zur Finanzierung der Drogenkäufe im Februar 2021 von einer Baustelle in Dürmentingen im Landkreis Biberach Gerüstteile im Wert von 9000 Euro von einer Baustelle gestohlen und in Trier verkauft zu haben.

Am ersten Verhandlungstag hatte der 36-Jährige erzählt, dass er mit den Geschäften seinen eigenen Drogenkonsum finanziert habe und seit dem 13. Lebensjahr Marihuana und Amphetamine konsumiert habe. Grund dafür sei gewesen, dass sein Vater gestorben sei und er danach versucht habe, den Verlust so zu kompensieren. Dennoch schaffte er den Realschulabschluss und war bei der Bundeswehr auf einem guten Weg, ehe er wegen Diebstahls von Tabletten unehrenhaft entlassen wurde.

Vom Drogenhändler zum Projektmanager: Ein steiniger Aufstieg

Im Alter von 24 Jahren wurde er wegen Drogenhandels zu einer mehr als sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach einer Therapie begann er in der Firma seines Stiefvaters in Aspach als Projektmanager und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben.

Die Urteilsverkündung ist für den 23. März am Landgericht Stuttgart geplant. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Im Jahr 2018 musste er den Verlust seiner zweiten Bezugsperson verkraften, als sein Stiefvater bei der Reinigung einer Zisterne verunglückte und ebenfalls verstarb. Zusammen mit dessen Tochter und deren Mann führte er die Firma fort, bis diese wegen der Coronapandemie im Frühjahr 2020 keine Aufträge mehr erhielt. „Ich habe einen großen Druck verspürt, weil ich mich für die Mitarbeiter verantwortlich gefühlt habe“, erklärte der Angeklagte.

Dass er tatenlos zu Hause sitzen musste, tat dem heute 36-Jährigen nicht gut: Erneut griff er zu Marihuana und Amphetamin und kam über einen Bekannten sogar zum Kokainkonsum, nachdem er sieben Jahre lang ohne Rauschgift ausgekommen war.

Als er im März 2021 erfuhr, dass die Polizei gegen ihn ermittelte, setzte er sich nach Spanien ab, wohnte vier Jahre lang bei Freunden und nahm Gelegenheitsjobs an, ehe er vergangenes Jahr festgenommen und ausgeliefert wurde. Nach seinen Angaben hat er Schulden in Höhe von rund 300.000 Euro.

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