Prozess am Landgericht Stuttgart Geflüchteter gibt Brandstiftung in Unterkunft zu

Erst die Polizei hatte einen Geflüchteten in seiner Unterkunft beruhigen und festnehmen können. Foto: dpa/Carsten Rehder

Ein 28-Jähriger berichtet im Landgerichtsprozess von seinem Motiv, weshalb er gleich zweimal Feuer in seinem Zimmer einer Flüchtlingsunterkunft in Waiblingen gelegt hat. Er war kurz zuvor aus Fellbach verlegt worden, wo es Ärger gegeben hatte.

Gut einen Monat nach Prozessbeginn hat ein 28 Jahre alter Flüchtling vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart gestanden, am 1. Februar dieses Jahres zweimal in seinem Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft in Waiblingen Feuer gelegt zu haben, um auf seine Situation aufmerksam zu machen.

 

„In der Unterkunft gab es viele problembeladene Menschen, ich wollte da so schnell wie möglich wieder weg“, erklärte der Angeklagte. Er habe einen Nervenzusammenbruch erlitten, da er mit seiner Gesamtsituation nicht zurechtgekommen sei. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen versuchte schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung vor. Die Aussage des 28-Jährigen kam so spät, weil an den ersten beiden Prozesstagen der vom Gericht bestellte Gutachter Hermann Ebel nicht anwesend sein konnte. Auf dessen Expertise ist das Gericht jedoch angewiesen, da der Angeklagte bei seiner Tat möglicherweise nur eingeschränkt schuldfähig war und eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum steht. Derzeit wird er im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg behandelt.

Kokain, Heroin und Amphetamine konsumiert

Der Angeklagte sagte, er sei mit 14 Jahren mit Cannabis in Kontakt gekommen. Es habe später Tage gegeben, an denen er mehrere Flaschen Bier oder eine Flasche Hochprozentiges getrunken habe. Nachdem er im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen sei, habe er wieder auf Cannabis zurückgegriffen. „Weil ich mit meiner ganzen Situation nicht zurechtgekommen bin und keinen Job gefunden habe, bin ich dann über Bekannte auch an Kokain, Heroin und Amphetamine gekommen“, berichtete der Angeklagte. Ungefähr zwei Wochen vor der Tat habe er damit begonnen, um seiner „traurigen Realität zu entkommen“.

Er war aus seiner alten Unterkunft in Fellbach nach Waiblingen verlegt worden, da er Probleme mit einer Frau bekommen habe, die die Polizei gerufen hatte. Weil er sich in Waiblingen völlig unwohl fühlte, habe er in seinem Zimmer eine Decke mit Parfum besprüht und angezündet. Als ein Sozialarbeiter die brennende Decke aus dem Fenster warf, habe er angekündigt, „hier alles abzubrennen, wenn er nicht innerhalb von fünf Tagen verlegt“ werde.

Da er den Eindruck hatte, nicht ernst genommen worden zu sein, habe er kurz darauf erneut Feuer gelegt, aber gleichzeitig Wasser zum Löschen auf der Heizung bereitgestellt. Dann habe er das Zimmer mit den Worten verlassen „new fire“.

Laut Anklage gelang es dem Sozialbetreuer und einem Security-Mitarbeiter, auch diesen Brand zu löschen. Der 28-Jährige kam, wie er aussagte, zurück und schlug auf den Schrank im Zimmer ein. Dass er wohl auch auf die Tür und ein Fenster eingeschlagen hat, daran erinnere er sich nicht. Es entstand dabei ein Schaden von rund 480 Euro. „Wenn es in der Anklage so steht, wird es wohl stimmen.“ Zwei alarmierten Polizeibeamten gelang es schließlich, den Mann zu beruhigen und festzunehmen.

Er hat Sorge, ins Heimatland abgeschoben zu werden

Der 28-Jährige erklärte, er sei mit seinem älteren Bruder, heute ein bekannter Schauspieler, bei seinen Eltern aufgewachsen. Der Vater sei „ein Psychopath“ gewesen, der die Mutter einmal mit einem Messer verletzt habe. Als er 14 Jahre alt war, hätten sein Bruder und er den Vater aus dem Haus gejagt. Voriges Jahr sei er nach Deutschland geflohen, da er im Heimatland verfolgt werde. Seine größte Sorge sei es, in sein Heimatland abgeschoben zu werden. Er leide unter Depressionen und habe schon zwei Suizidversuche hinter sich. Es sind drei weitere Verhandlungstage vorgesehen, das Urteil soll am 27. September verkündet werden.

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