Prozess am Landgericht Stuttgart Millionenschaden statt Großauftrag in Übersee

Von Petra Häussermann 

Zwei mittelständische schwäbische Unternehmen witterten das ganz große Geschäft, als ihnen millionenschwere Aufträge in Übersee angeboten wurden. Sie hinterlegten dafür eine saftige Provision in bar in einem Schließfach – mit fatalen Folgen.

Im Landgericht Stuttgart geht es um zwei millionenschwere Aufträge in Übersee, die aber nur auf dem Papier bestanden. Foto: dpa
Im Landgericht Stuttgart geht es um zwei millionenschwere Aufträge in Übersee, die aber nur auf dem Papier bestanden. Foto: dpa

Stuttgart - Zwei mittelständische schwäbische Unternehmen haben offenbar das ganz große Geschäft gewittert, als ihnen jeweils ein millionenschwerer Auftrag in Übersee avanciert wurde. Dafür waren sie sogar bereit, eine saftige Provision in bar in einem Schließfach zu hinterlegen.

Die beiden Deals entpuppten sich jedoch als Betrugsfälle. Die Firmen aus dem Schwarzwald und Gaggenau im Kreis Raststatt verloren insgesamt 1,7 Millionen Euro. Am Landgericht wurden die beiden Täter aus Hessen am Freitag zu Gefängnisstrafen verurteilt. Der Haupttäter muss für mehr als fünf Jahre hinter Gitter. Außerdem ordneten die Richter die Einziehung von insgesamt 650 000 Euro an. Ob die betrogenen Firmen tatsächlich Geld sehen werden, ist offen.

Trickreich bahnte einer der beiden Täter, ein bereits einschlägig vorbestrafter 52 Jahre alter Mann aus Offenbach, im Frühjahr 2015 mit der Uhrenbau-Firma aus dem Schwarzwald das Geschäft ein. Unter falschem Namen gab er sich als Vertreter einer indischen Unternehmensgruppe aus, die einen Auftrag über 14 Millionen Euro vergeben wolle. Es gehe um 14 Turmuhren. Man traf sich in London, besprach Einzelheiten des Deals und kam überein, die fällige Provision von 700 000 Euro in 500-Euro-Scheinen in einem Bankschließfach zu hinterlegen. Kurz vor der vermeintlichen Vertragsunterzeichnung bestand der Angeklagte auf Prüfung des Geldes. Die „Prüferin“ brachte bereits vorbereitete Umschläge mit und schaffte es, den Firmenvertreter abzulenken und dabei die Umschläge auszutauschen.

300 Warnbaken bestellt

Als ihm einige Zeit später Zweifel kamen, fand er im Schließfach einen Umschlag mit Papierschnipseln wieder. Den gleichen Trick wandte der 52-Jährige ein Jahr später bei einem Mittelständler in Gaggenau an. Diesmal gab er vor, für eine Firma aus Hongkong tätig zu sein. Es ging um Baustellenabsicherungen. Der Auftrag für die 300 Warnbarken betrug 15 Millionen Euro und seine Provision belief sich dieses Mal auf eine Million Euro. Zur angeblichen Prüfung des Geldes in einem Schließfach bei einer Bank in der Stuttgarter Innenstadt brachte er den Mitangeklagten und einen weiteren Mann mit, der die Umschläge trickreich tauschte. Auch hier fanden die Geprellten später nur noch Papierschnipsel vor. Der Betrug kostete zwei Mitarbeiter der Firma den Arbeitsplatz.

Die Staatsanwaltschaft bewertete die Fälle als „abgeklärten gewerbsmäßigen Diebstahl“ und so manches spreche für eine Bande. Zwar hatten beide Angeklagten frühzeitig Geständnisse abgelegt und das System offengelegt. Die Namen von Hintermännern nannten sie jedoch nicht – offenbar aus Angst vor Repressalien der Unbekannten. Von dem Geld fehlt jede Spur.

Hauptäter muss fünf Jahre in Haft

Angeblich verzockte der 52-Jährige seinen Anteil, den großen Rest habe er anderen Mittätern ausgehändigt. Nach vorangegangenen Gesprächen zwischen den Prozessbeteiligten verurteilten Richter der 5. Große Strafkammer des Landgerichts den Haupttäter zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten und ordnete die Einziehung von 600 000 Euro von ihm an, schließlich habe er über diese Summe Verfügungsgewalt gehabt.

Der zweite Angeklagte, der ebenfalls 52 Jahre alt und aus Offenbach ist, erhielt für seine Beteiligung an dem zweiten Fall eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und muss seine Provision von 50 000 Euro abgeben. Gleichwohl kommt der Mann nicht aus der Untersuchungshaft, denn in Mainz ist bereits das nächste Verfahren gegen ihn anhängig.

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