Prozess am Landgericht Stuttgart Mutmaßlicher Mörder nahm die Kinder zu sich

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Vor dem Landgericht Stuttgart hat am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Katharina K. begonnen. Der erste Tag bringt die schockierende Erkenntnis, dass die beiden Kinder des Opfers vermutlich während der Tat in derselben Wohnung schliefen.

Im November 2017  wurde die Leiche bei Asperg (Kreis Ludwigsburg) gefunden. Foto: SDMG
Im November 2017 wurde die Leiche bei Asperg (Kreis Ludwigsburg) gefunden. Foto: SDMG

Stuttgart/Backnang - Vor dem Landgericht Stuttgart hat heute der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Katharina K. begonnen. Dem 25 Jahre alten Daniel E. wird vorgeworfen, die 22-jährige Frau am Abend des 8. November 2017 in deren Wohnung in Backnang-Strümpfelbach ermordet zu haben. Dann, so die Anklageschrift weiter, soll er versucht haben, ihre Leiche in einem Gartengrundstück bei Ludwigsburg-Eglosheim zu verbrennen und die sterblichen Überreste der zweifachen Mutter in einem Komposthaufen in einem anderen Gartengrundstück in Asperg (Kreis Ludwigsburg) versteckt zu haben. Die Staatsanwältin sieht eine besondere Schwere der Schuld.

Der mutmaßliche Mörder von Katharina K. nahm die Kinder nach der Tat zu sich

Der Vormittag des ersten Prozesstages brachte einige neue Erkenntnisse. Besonders schockierend: Die elf Monate und sechs Jahre alten Kinder der Ermordeten – davon geht die Staatsanwaltschaft aus – schliefen zum Zeitpunkt des Verbrechens in derselben Wohnung. Wenn die Ermittler richtig liegen, hat der Angeklagte am Morgen nach der Tat den sechsjährigen Sohn in die Schule gebracht, ihn wieder abgeholt und ihn und seinen eigenen leiblichen Sohn im Säuglingsalter bei sich behalten, bis er sie Verwandten des Opfers aushändigen musste.

Ein Mercedes-SUV überführt den Angeklagten im Verhör einer Lüge

Trotz Schulden von einer Viertelmillion Euro liebte der nun des Mordes Verdächtigte teure Autos – zum Tatzeitpunkt im November 2017 war es ein Mercedes-SUV. Das 60 000 Euro teure Fahrzeug sollte noch eine wichtige Rolle für die Ermittlungen spielen. Denn gegenüber der Polizei hatte er behauptet, er habe seine Exfreundin am Abend des 8. November besucht und gerade seinem kleinen Sohn die Flasche gegeben, als dessen Mutter gesagt habe, sie müsse kurz weg. Er sei die ganze Nacht bei den Kindern geblieben. Dass diese Version nicht stimmen kann, musste er zugeben, als ihm ein Polizist im Verhör vorhielt, dass die Motorsteuerdaten seines teuren Mercedes inzwischen ausgelesen worden war. Der Geländewagen war in der Nacht eindeutig bewegt worden.

Auch ein zweites Auto spielt eine Rolle: Ein geleaster Transporter. Die Ermittler vermuten, dass damit der Leichnam transportiert worden ist. Laut einem Polizisten war das Auto mit einem GPS-Tracker bestückt – was die Ermittler aber erst Anfang Dezember von der Leasingfirma erfuhren. Auch die Auswertung des Mercedes-Navigationssystems dauerte viel zu lange, um auf der Suche nach dem Leichnam behilflich zu sein.

Ein Pächter macht in Asperg eine grausame Entdeckung

Am 15. November machte der Pächter eines Gartengrundstücks in Asperg eine grausige Entdeckung: Schon am 10. November hatte er bemerkt, dass der Komposthaufen auf seinem Stückchen durchwühlt worden war. Er war davon ausgegangen, dass Tiere dort gewütet hatten. Doch als er sich Tage später darum kümmern wollte, entdeckte er eine Leiche. Bei der Obduktion wurde schnell klar: Es handelte sich um die vermisste 22-Jährige. aus Backnang Neben Spuren von Gewalteinwirkung gegen den Hals wies die Leiche eine Stichverletzung auf – diese war aber vermutlich nicht die Todesursache.

Polizist beschreibt den Angeklagten als „auffallend gefühlskalt“

Als „wortgewandt und auffallend gefühlskalt“ beschreibt ein Polizist den mutmaßlichen Mörder, der diese dreimal vernommen hat. Bei zweien der drei Verhöre hat E. ausgesagt – bis zu dem Punkt, an dem der Kripobeamte ihn einer Lüge überführte. Beim dritten Verhör schwieg er dann. Auch vor Gericht sagt er nun nichts mehr. Daher verliest der Richter einen Lebenslauf, der ihm durch zwei Gerichtsurteile vorliegt. Denn seit März 2018 sitzt er nicht mehr nur in U-Haft. Damals wurde er zu einer Haftstrafe wegen Betrugs verurteilt. In seine krummen Geschäfte soll er die Familie des späteren Mordopfers verwickelt haben – Katharina K. war damals mitangeklagt und bekam eine Bewährungsstrafe.

Das Paar zog 2016 in Strümpfelbach ein

Die Vita des Angeklagten: Er ist in Benningen (Kreis Ludwigsburg) aufgewachsen, hat sich früh mit seinen Eltern überworfen. Er behauptet, die Fachhochschulreife erlangt zu haben, wobei er dies bei den früheren Gerichtsverfahren offenbar nicht nachweisen konnte. Nachdem er zu Hause ausgezogen war, lebte er mit häufig wechselnden Freundinnen an unterschiedlichen Orten – Remseck, Burgstetten, Gerlingen. Und schließlich Backnang-Strümpfelbach. 2016 zog er mit dem späteren Opfer in eine Wohnung. Zu diesem Zeitpunkt war sie von ihm schwanger. Im Juni 2017 trennte sich das Paar – und es entbrannte der Streit um das Sorgerecht für das jüngere Kind. Die Ermittler nehmen an, dass dies das Motiv für den Mord gewesen ist.