Mordfall Katharina K. Familie beschreibt Angeklagten als „Psycho“

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Vor Gericht wird das mutmaßliche Motiv von Daniel E. deutlich. Die ersten Zeugenaussagen machen der Vater und eine der Schwestern des Opfers – sie zeigen, wie sehr das Verbrechen vor allem die beiden Kinder von Katharina K. belastet.

Beim Prozessauftakt bedeckt der Angeklagte sein Gesicht hinter einem Stapel Papier. Foto: dpa
Beim Prozessauftakt bedeckt der Angeklagte sein Gesicht hinter einem Stapel Papier. Foto: dpa

Stuttgart/Backnang - Das Dreckschwein“, flüstert jemand auf den Zuschauerplätzen, als der Angeklagte Daniel E. hereingeführt wird. Alle Blicke sind auf den Mann mit den seitlich abrasierten Haaren gerichtet, der sein Gesicht hinter einem Papierstapel vor den Kameras versteckt. Ihm wird vorgeworfen, am Abend des 8. November 2017 die 22 Jahre alte Katharina K. in Backnang (Rems-Murr-Kreis) ermordet zu haben.

Katharina K. und Daniel E. hatten sich 2014 kennengelernt. „In den ersten zwei, drei Monaten dachten wir, sie hätte den Jackpot getroffen“, sagt K.s ältere Schwester im Zeugenstand. Denn E. ermöglichte K. einen Lebensstil mit ständigem Urlaub und einem stets gefüllten Kleiderschrank. Doch der vermeintliche Traumprinz hatte wohl auch eine dunkle Seite. Den Luxus finanzierte er mit Sozialhilfe, einem Halbtagsjob und Betrug. Vor Gericht wird dieser bis jetzt nur angedeutet – erwähnt wird Schwindel mit Kindergeld, Umetikettieren von Waren im Möbelhaus und Betrug mit Internetbestellungen. In diese Art von Geschäften zog er auch K. und ihre Familie hinein – auch das spätere Mordopfer bekam deswegen eine Bewährungsstrafe.

Der Angeklagte behauptet, K. sei aus eigenen Stücken verschwunden

Die Familie K. hatte sofort nach dem Verschwinden der 22-Jährigen den Verdacht, ihr Ex-Freund könnte etwas damit zu tun haben. Nachdem die beiden sich im Sommer getrennt hatten, war K. das alleinige Sorgerecht zuerkannt worden – zunächst. Offenbar fingierte E. ein Verfahren, in dem ihm das Sorgerecht zugesprochen werden sollte. Denn Gerichtspost wurde noch an die alte gemeinsame Adresse geschickt, als K. schon vorübergehend zu ihrem Vater nach Steinheim (Kreis Ludwigsburg) gezogen war. E. soll diese Briefe unterschlagen, Unterschriften gefälscht und auch in K.s Namen E-Mails beantwortet haben.

Die junge Frau erfuhr durch Zufall davon. Am 10.  Oktober war eine Gerichtsverhandlung angesetzt, bei der sie ihren Exfreund hätte auffliegen lassen wollen. Dies – so die Anklageschrift – habe Daniel E. durch den Mord verhindern wollen. Er selbst hatte gegenüber der Polizei gesagt, er sei am Abend des 8. November zu Besuch gewesen. Als er dem gemeinsamen Sohn gerade die Flasche gegeben habe, habe K. die Wohnung verlassen und sei nicht wiedergekommen. Ihre Familie hielt dies gleich für ausgeschlossen – zumal K.s Handtasche, Jacke, Schuhe und Geldbeutel noch in der Wohnung lagen.

Der mutmaßliche Mörder von Katharina K. wuchs in Benningen auf

K.s ältere Schwester und ihr Vater beschrieben den Angeklagten als Psychopathen. E. habe K. geschlagen, gewürgt und habe sie dennoch immer wieder um den Finger wickeln können. Ein Polizist beschreibt E., der in Benningen (Kreis Ludwigsburg) aufgewachsen ist und mehrere Ausbildungen abgebrochen hat, als „redegewandt und auffallend gefühlskalt“.

Der Prozess macht auch deutlich: Die Familie leidet sehr unter dem Mord und seinen Folgen. Allen voran natürlich die Kinder: Der ältere Sohn lebt nun bei der ältesten Schwester K.s. Sie berichtete, der Junge beginne selbst in fröhlichen Situationen plötzlich zu weinen. „Zu seinem Geburtstag wollte die ganze Familie ihn überraschen – doch er hat sich eingeschlossen und wollte seine Geschenke am Grab seiner Mama auspacken“, erzählte sie sichtlich mitgenommen.

Der Prozess gegen Daniel E. geht am Donnerstag, 25. Oktober, weiter.