Prozess am Landgericht Stuttgart Skurriler Überfall bei Autokauf

Von Julian Illi 

Ein Trio soll ein Verkaufsinserat eigens ins Internet gesetzt haben, um einen möglichen Käufer zu überfallen. Dabei bedrohten zwei Männer ihr Opfer nahe Markgröningen mit zwei Waffen.

Mit einem Elektroschocker soll einer der Angeklagten den Interessenten eines Autos  bedroht haben. Foto: dpa
Mit einem Elektroschocker soll einer der Angeklagten den Interessenten eines Autos bedroht haben. Foto: dpa

Markgröningen - Sie sollen ihr Opfer mit einem Elektroschocker bedroht, mit Kabelbindern gefesselt haben und schließlich mit einer Beute von 7200 Euro davongefahren sein: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen zwei 21 und 32 Jahre alte Brüder klingen nach großer krimineller Energie und brutalem Verbrechen. Und stehen damit in krassem Gegensatz zu dem Eindruck, den die beiden Männern machen, die seit Mittwoch auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts sitzen. Der Jüngere lebt noch im Haus der Eltern, macht derzeit eine Ausbildung und erzählt unter Tränen von den Geschehnissen. Der Ältere ist ein verheirateter Familienvater, der seit Jahren im gleichen Betrieb arbeitet und sagt: „Ich weiß einfach nicht, wie das passieren konnte.“

7200 Euro betrug die Beute des Trios

Schweren Raub und gefährliche Körperverletzung nennt die Anklage das, was sich im vergangenen Mai in der Nähe von Markgröningen zugetragen haben soll. Konkret sollen die Brüder gemeinsam mit einem dritten, 36 Jahre alten Angeklagten, einen Mann durch ein Verkaufsinserat für einen Geländewagen auf der Internetplattform „mobile.de“ nach Stuttgart gelockt haben. Anschließend fuhren die Brüder laut der Anklage mit dem Interessenten auf einen Feldweg nahe des Hardt- und Schönbühlhofs bei Markgröningen, hielten ihm einen Elektroschocker an den Hals und bedrohten ihn mit einer täuschend echt aussehenden Schreckschusspistole. Sie nahmen dem Mann das Geld ab, das der eigentlich für den Autokauf mitgebracht hatte, fesselten ihn und setzten ihn am Wegrand aus. Die Beute von 7200 Euro teilten die beiden Brüder aus Mühlacker laut der Anklage mit dem dritten Angeklagten.

Er wisse selbst nicht, warum er das getan habe, sagte der 22-Jährige zum Prozessauftakt am Mittwoch. Er habe sich von dem dritten Angeklagten unter Druck gesetzt und bedroht gefühlt. Jener 36-Jährige habe auch die Idee für den Überfall gehabt: So habe er vorgeschlagen, mit dem Inserat für ein Auto mögliche Opfer für einen Überfall anzulocken. Der Älteste des Trios, der vor seiner Verhaftung als Pizzabäcker in Straubenhardt im Enzkreis gearbeitet hatte, habe überdies auch die beiden Waffen besorgt. An der Tat selbst, das bestätigen beide Brüder, sei der 36-Jährige nur mittelbar beteiligt gewesen. Aus der Distanz soll er am Tatort beobachtet haben, wie die Brüder das Opfer im Auto bedrohten und ihm das Geld abnahmen.

Ein Strafzettel führte auf die Spur der Täter

Als Grund, warum er nicht selbst am Überfall teilnehmen konnte, habe der 36-Jährige ihnen gegenüber seine laufende Bewährungsstrafe angegeben, sagte der jüngere Bruder vor Gericht. Sein elf Jahre älterer Bruder bestätigte diese Version und legte am Mittwoch ebenfalls ein umfassendes Geständnis ab. Auch er bezichtigte den dritten Angeklagten als Drahtzieher des Raubes. Der gebürtige Italiener ist der einzige des Trios, der noch in Untersuchungshaft ist.

So skurril wie der ganze Fall anmutet ist auch der Umstand, wie die Ermittlungen gegen das Trio überhaupt ins Rollen kamen: Die Kriminalpolizei kam den Angeklagten durch einen Strafzettel auf die Schliche. Diesen hatten die Brüder am Tattag kassiert, weil in ihrem Auto, anders als in der Stuttgarter Innenstadt vorgeschrieben, keine grüne Umweltplakate an der Frontscheibe klebte.

Das Opfer des Raubes, das an jenem Mai-Tag eigens für den Autokauf mit dem Zug nach Stuttgart gekommen war, konnte damals kurz nach dem Überfall auf dem Markgröninger Feldweg selbst die Polizei alarmieren: Die Brüder hatten ihm das Handy nicht abgenommen.