Prozess gegen Boxweltmeister Vitali Tajbert kommt mit Strafbefehl davon

Von Susanne Janssen 

Vitali Tajbert soll wegen gefährlicher Körperverletzung in Stuttgart zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt werden.

 Foto: dpa
Foto: dpa
Stuttgart - Es war ein gewalttätiges Ende einer russischen Disco-Nacht: Vor dem Club The Paris im Bosch-Areal entbrannte am 27. Dezember 2009 gegen vier Uhr morgens ein Streit zwischen zwei Discobesuchern. Der eine von ihnen, Vitali Tajbert, amtierender Boxweltmeister im Superfedergewicht, versetzte einem 23-Jährigen einen Faustschlag ins Gesicht. Das Opfer stürzte zu Boden und zog sich schwere Kopfverletzungen zu.

Der junge Mann aus Illertissen lag hinterher tagelang im Koma und musste mehrere Monate lang stationär in der Klinik behandelt werden.Jetzt hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen den Profiboxer Vitali Tajbert beendet - mit einem Strafbefehl. Der 28-Jährige soll wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt werden. Dieses Angebot ist ein Entgegenkommen der Staatsanwaltschaft. Wenn der Angeschuldigte dem zustimmt, kommt es zu keiner öffentlichen Verhandlung. Durch dieses Vorgehen soll die Justiz entlastet werden.

Vitali Tajbert hat den Ermittlern gegenüber umfangreiche Angaben gemacht. "Er hat den Faustschlag zugegeben, deshalb ist ein Strafbefehl möglich", erklärt die Pressestaatsanwältin Claudia Krauth. Sollte Tajbert nicht damit einverstanden sein, könne er Widerspruch dagegen einlegen. Dann kommt es zu einer öffentlichen Verhandlung vor einem Amtsrichter.

Doch der Boxweltmeister, der über eine Hamburger Agentur bei dem Boxpromoter Universum unter Vertrag ist, dürfte darauf keinen Wert legen und wird den Strafbefehl wohl akzeptieren. Denn dieser Ausgang dürfte im Interesse des Sportlers liegen, der in Kasachstan geboren und in Stuttgart aufgewachsen ist: wenn Boxer im Privatleben gewalttätig werden, ist das für die Karriere nicht förderlich. Der Weltmeister im Halbschwergewicht, Jürgen Brähmer, saß schon mehrmals im Gefängnis. Und auch Graciano Rocchigiani, genannt "Rocky", ließ außerhalb des Ringes die Fäuste tanzen.

Tajbert war bei der Tat wohl alkoholisiert


Tajbert war bei der Tat laut Staatsanwaltschaft alkoholisiert, hatte etwa ein Promille im Blut. Auch das Opfer hatte getrunken. Warum es zu dem Streit kam, sei nach wie vor unklar, so Krauth. Der 23-Jährige sei "wahrscheinlich in Folge des Faustschlages, aber auch durch den Sturz" lebensgefährlich verletzt worden.

Einen versuchten Totschlag sah die Staatsanwaltschaft darin nicht: "Es gab keinen Vorsatz." Der Boxprofi habe den Tod seines Kontrahenten auch nicht billigend in Kauf genommen. Dass der Boxweltmeister Tajbert wissen musste, was ein Schlag seiner geübten Faust anrichte, sei ebenfalls nicht nachweisbar gewesen. Das übliche Strafmaß bei gefährlicher Körperverletzung liegt laut Paragraf 224 des Strafgesetzbuches bei sechs Monaten bis zehn Jahren Freiheitsstrafe.

Der 23-Jährige, der lebensgefährlich verletzt wurde und monatelang behandelt werden musste, hatte überraschend seine Anzeige zurückgezogen. Zuvor hatte Vitali Tajbert ihm ein Schmerzensgeld ausgezahlt. "Diese Wiedergutmachung war für uns entscheidend bei der Strafzumessung", erklärte Claudia Krauth. Damit zeige der Angeschuldigte, dass er ernsthaft seine Tat bereue. Diese sei aber so schwer, dass es trotzdem ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung gebe, so Claudia Krauth. Deshalb folgte der Strafbefehl.

Für den Stuttgarter Profiboxer, der in einem blutigen Kampf seinen Weltmeistertitel im Superfedergewicht verteidigt hatte, ist dieser Verfahrensausgang sehr positiv: Er muss voraussichtlich keine Berichte über ein öffentliches Hauptverfahren mehr fürchten. Vitali Tajbert war bereits vor gut drei Jahren aufgefallen, als er mit einem Auto betrunken durch Stuttgart raste. Der Spätaussiedler aus Kasachstan galt einst als Vorzeigesportler, der sich unter anderem auch im Stuttgarter Osten bei einem Boxprojekt für Jugendliche mit Migrationshintergrund engagierte.

Sonderthemen