Prozess gegen Inspekteur der Polizei Hauptkommissarin spricht unter Tränen von der Begegnung

Der Inspekteur Andreas Renner im Gerichtssaal (Archivbild). Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Im Verfahren gegen den obersten Polizisten im Land geht es auf die Zielgerade: Kommende Woche sollen die Plädoyers gehalten werden.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Am voraussichtlich letzten Tag der Beweisaufnahme im Prozess gegen den Inspekteur der Polizei kommt die Frau zu Wort, die ihm sexuelle Nötigung vorgeworfen hat. Das Gericht lässt Sprachnachrichten abspielen, die sie nach dem Abend, an dem es laut Anklage zu dem Übergriff gekommen sein soll, an ihren Ex-Freund schickte. Unter Tränen berichtet sie von dem Abend, macht sich selbst Vorwürfe und beteuert, dass sie kein weitergehendes Interesse am 16 Jahre älteren höchsten Beamten im Land habe. Denn der Mann hatte ihr zuvor eine Nachricht geschickt, in der er offenbarte, dass er sehr durcheinander sei von ihrer ersten Nachricht. Sie hatte ihm zuvor eine Kurzversion des Abends geschildert gehabt.

 

Die damals 32-jährige Polizistin war nach einem Personalgespräch mit dem Inspekteur Andreas Renner noch mit ihm und einem weiteren Kollegen in ein Lokal in der Nähe des Innenministeriums, wo sie zu der Zeit arbeitete, gegangen. Danach zogen der Chef und die Hauptkommissarin noch nach Bad Cannstatt auf einen Absacker in eine Eckkneipe. Dort soll es zunächst zu Küssen und Zärtlichkeiten in der Bar gekommen sein. Bei einem Gang vor die Tür soll der Inspekteur die Frau dann genötigt haben, ihn im entblößten Intimbereich zu berühren.

Die Aufnahme wird in öffentlicher Sitzung abgespielt. Die Frau, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt, schildert darin den ganzen Abend. „Ich habe mir gar keine Gedanken gemacht, dass es zu so etwas kommen könnte“, sagt sie unter Tränen. Sie fühlt sich schuldig, obwohl sie und der Adressat, ein verheirateter Kollege, zu der Zeit getrennt waren. Und sie macht sich Vorwürfe: Dass sie es nicht geschafft habe, Renner zurückzuweisen, dass sie nicht Nein gesagt habe, und dass sie nicht direkt vom Innenministerium aus heimgefahren war.

In zwei Wochen soll das Urteil fallen

Für den Anwalt der Nebenklägerin übermitteln die Nachrichten zwischen den Zeilen eine eindeutige Botschaft. „Es ist eine geradezu typische Reaktion eines Opfers einer Sexualstraftat“, sagt der Rechtsanwalt Holger Rohne. Dazu würden auch die Vorwürfe an sich selbst und das Suchen der Schuld bei ihr selbst zählen. Auch habe sie Furcht vor möglichen Nachteilen bei der weiteren Karriere gehabt, wenn sie den Inspekteur zurückweisen würde. Renners Verteidigerin sieht das anders. Es sei nicht um die Angst vorm Angeklagten gegangen, sondern um die Angst, ihren Geliebten zu verlieren.

Die Hauptkommissarin beteuerte ihrem Ex-Freund, dass sie keine Ahnung von Renners Absichten gehabt hätte, als der Inspekteur ihr ankündigte, das Gespräch über ihre Bewerbung für den Höheren Dienst „gemütlich“ bei einem Glas Sekt führen zu wollen. „Mann hin oder her – aber ich dachte, da überwiegt das Dienstliche.“ Beim Gespräch in der Bar habe sie dann „zwischen den Zeilen“ herausgehört, „dass er sich schon ein paar gekrallt hat im Innenministerium“.

Noch zwei Sitzungstage sind geplant. Am kommenden Freitag sollen die Plädoyers gehalten werden, in nicht öffentlicher Sitzung.

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