Prozess gegen Lastwagenfahrer Ein Familienvater als Drogenkurier?

Aus der Marihuanapflanze werden vergleichsweise leichte Drogen hergestellt. Foto: dpa/Richard Vogel
Aus der Marihuanapflanze werden vergleichsweise leichte Drogen hergestellt. Foto: dpa/Richard Vogel

Im Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht ist ein 53-jähriger Lastwagenfahrer angeklagt. Er soll viermal jeweils 80 Kilogramm Marihuana in eine Halle nach Markgröningen transportiert haben.

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Markgröningen - Im Verfahren um einen groß angelegten Drogenhandel im Raum Heilbronn, Stuttgart und Karlsruhe hat der Angeklagte am Montag vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart ein Fehlverhalten eingeräumt. Gericht und Staatsanwaltschaft zeigten sich mit den Angaben des herzkranken Berufskraftfahrers jedoch nicht zufrieden. So kam keine Verständigung zustande, und das Gericht eröffnete die Beweisaufnahme mit der Anhörung von Zeugen.

Die Vorwürfe ziehen ein Strafmaß von mehreren Jahren Gefängnis nach sich

Laut Anklage hat der 53-Jährige bei seinen Fahrten von Spanien nach Deutschland Drogen in einem extra präparierten Hohlraum unter der Ladefläche des Lastwagen-Anhängers transportiert, unter anderem zu einer Halle nach Markgröningen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat sich auf vier Fahrten zwischen April 2020 und Februar 2021 beschränkt, bei denen jeweils 80 Kilogramm Marihuana eingeführt worden seien. Material genug, um für viele Jahre hinter Gitter zu kommen. Mit einem umfassenden Geständnis könne sich da etwas verbessern, hatten Gericht und Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zu Beginn des Verfahrens erklärt.

Doch mit den Aussagen des Angeklagten zeigten sie sich am Montag keineswegs zufrieden. Der 53-jährige Vater von vier Kindern beteuerte, mit Tomaten oder Stockfisch von seiner spanischen Heimat Almeria aus über Frankreich nach Deutschland gefahren zu sein, Drogen will er kein einziges Mal transportiert haben, das habe er kontrolliert. Allerdings räumt er ein, sich ein ‚Zubrot‘ von 1500 Euro verdient zu haben, indem er auf den Rückwegen manchmal Bargeld, gut versteckt in dem riesigen Hohlraum unter der Ladefläche des Anhängers, mit nach Spanien nahm. Bei seiner Festnahme im Februar 2021 fand die Spurensicherung dort keinerlei Drogenrückstände, jedoch seine DNA.

Eine Bande soll Drogen tonnenweise aus Spanien importiert haben

Das Verfahren in Stuttgart ist ein kleiner Puzzlestein in einem großen Bild, das das Landgericht Heilbronn aufwändig versucht zusammenzusetzen. Vor diesem Gericht steht die achtköpfige Bande, in deren Auftrag der Angeklagte in Stuttgart gefahren sein soll. Die Bande soll zwölf Kilogramm Kokain aus den Niederlanden und mehr als zwei Tonnen Marihuana aus Spanien nach Deutschland gebracht und im Raum Heilbronn, Karlsruhe und Stuttgart an Zwischenhändler verkauft haben. Geschätzter Umsatz der Drogengeschäfte: rund zwölf Millionen Euro.

Als ersten Zeugen hörten die Prozessbeteiligten den Hallenbesitzer aus Markgröningen. Wie bei vielen anderen Menschen auch, seien seine Geschäfte während der Pandemie schlecht gelaufen, berichtete der selbstständige Metallbauer. Daher habe er einen Teil zur Untermiete angeboten, ein „sympathischer Herr Öztürk“ habe den Bereich von Mai 2020 an gemietet. Dass der 56-Jährige damit faktisch einen Stützpunkt in einem internationalen Drogenkartell angeboten hatte, sei ihm erst aufgegangen, als die Behörden bei ihm angeklopft hätten.

Der Prozess wird am 3. September fortgesetzt.




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