Prozess gegen Sängerin Offener Umgang mit HIV-Infektion

Von dpa/dpd 

Ein Ex-Freund entlastet die Sängerin Nadja Benaissa. Eine milde Strafe für den Popstar ist wahrscheinlich.

 Foto: dpa
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Darmstadt - Beim Verlassen des Sitzungssaals im Amtsgericht Darmstadt knufft der Frankfurter Musiker den rechten Oberarm der Angeklagten Nadja Benaissa. Sie lächelt ihn kurz an. Ihr Ex-Freund hat gerade als Zeuge im Prozess gegen die No-Angels-Sängerin wegen gefährlicher Körperverletzung ausgesagt.

Benaissa habe ihn frühzeitig und vor Beginn ihrer sexuellen Beziehung über ihre HIV-Infektion aufgeklärt, sagt der 38-jährige Musiker. "Sie ging offen und verantwortungsvoll mit dem Thema um." Was ihr Ansteckungsrisiko anging, sei sie ihm aufgeklärt erschienen.

Während ihrer einjährigen Beziehung von Sommer 2003 bis Sommer 2004 habe er den Eindruck gewonnen, dass die Popsängerin auch wegen ihrer damals öffentlich nicht bekannten HIV-Infektion unter großem Druck gestanden habe. "Ich wollte ihr Halt geben", betont der Zeuge. Auf die Frage von Richter Dennis Wacker, ob Benaissa während ihrer Beziehung bereits eine Liaison mit einem Frankfurter Künstlerbetreuer gehabt habe, antwortet der Zeuge: "Kann schon sein." Der Künstlerbetreuer tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf. Er wirft der 28-jährigen Benaissa vor, ihn nicht über ihre Infektion aufgeklärt und ihn bei ungeschütztem Sex im Frühjahr 2004 mit dem Aids-Erreger angesteckt zu haben.

Benaissa erwartet wohl eine Bewährungsstrafe


"Anscheinend hat Frau Benaissa eine Auslese vorgenommen, wem sie etwas sagt und wem nicht. Die Kriterien dafür kenne ich nicht", sagt der Anwalt des Nebenklägers, Hans-Dieter Henkel. Nach seiner Einschätzung reichen das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Sachverständigengutachten und Benaissas Geständnis vom ersten Prozesstag für eine Verurteilung aus. Er erwarte eine Bewährungsstrafe. "Eine Haftstrafe wäre auch nicht im Interesse meines Mandanten.

In dem Prozess werden die anderen Sängerinnen der Castingband aller Wahrscheinlichkeit nach nun doch nicht aussagen müssen. Ein Urteil wird für Donnerstag nächster Woche (26.8.) erwartet. Benaissa hatte zum Prozessauftakt zugegeben, trotz einer ihr bekannten HIV-Infektion mit mehreren Männern ungeschützten Sex gehabt zu haben. "Es tut mir von Herzen leid. Ich wollte das nicht. Ich hatte die Kontrolle verloren", sagte sie am Montag in ihrem Geständnis.

Benaissa soll zwischen 2000 und 2004 in fünf Fällen ungeschützten Sex mit drei Männern gehabt haben. Einen davon soll sie angesteckt haben. Sie muss sich wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten.