Prozess gegen Welzheimer am Landgericht Adressen aus dem Darknet und falsche 50er

Von Harald Beck 

Ermittler bescheinigen dem Angeklagten in dem Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht angesichts seines jahrelangen Internetbetrugs und Falschgeldhandels mit gekauften Blüten ein hohes Maß an krimineller Energie.

Ein 27-jähriger Welzheimer muss sich wegen Geldfälschung und Internetbetrug verantworten. Foto: dpa/achim zweygarth
Ein 27-jähriger Welzheimer muss sich wegen Geldfälschung und Internetbetrug verantworten. Foto: dpa/achim zweygarth

Prozess - Es sind lange Listen, die es bei dem zurzeit vor dem Stuttgarter Landesgericht verhandelten Fall von Internetbetrug und Geldfälschung zu sichten gilt. Allein rund 4400 Seiten umfasst die Dokumentation der Chats des 27-jährigen Welzheimers. Er steht seit Dezember vor Gericht – zum einen, weil er mindestens 132 gefälschte und im Darknet erworbene falsche 50-Euro-Noten in Verkehr gebracht haben soll. Zum anderen soll er über einen Zeitraum von rund vier Jahren unter Angabe falscher – ebenfalls im Darknet gekaufter – Kontodaten angeblichen Bestellern und Online-Shops Schaden in Höhe von 40 000 bis 50 000 Euro zugefügt haben.

Jahrelang auf ander Leute Kosten im Internet eingekauft

Immerhin, so hatte die Verteidigung schon zu Beginn der Verhandlung betont, sei die Familie des Angeklagten seit der Festnahme des jungen Mannes, der bei aller IT-Expertise mehrere abgebrochene Berufsstarts hinter sich hat, bemüht, die Schäden zu begleichen. Von Dutzenden Spielkonsolen und Computerteilen über Kopfhörer bis hin zu Kosmetika und Kleidung reicht das Warenlager, das sich der Angeklagte zwischen 2014 und 2018 zusammengekauft hat. Das war für einen der Ermittler Grund genug, vor Gericht zu konstatieren, ein solches Ausmaß an krimineller Energie sei ihm in seinen Jahrzehnten bei der Kriminalpolizei höchstens zwei Mal untergekommen. In Summe ergeben sich allein beim Internetbetrug gut 150 einzelne Delikte.

Falscher Fünfziger in der Nachttischschublade

Die Beweise für seine Straftaten hatte der Vater einer unehelichen Tochter, der kurz vor seiner Festnahme ausgerechnet eine Ausbildung zum Vermögensberater begonnen hatte, quasi auf dem Silbertablett serviert. Zum einen gaben eben jene bei einer Hausdurchsuchung sichergestellten Chatverläufe ausgiebig Auskunft über das kriminelle Treiben mit Falschgeld und beim Internetbetrug. Zum andern kamen die Beamten, die diese Hausdurchsuchung wegen der Internetbetrügereien durchführten, zufällig auf die Spur der Falschgeldgeschäfte. Einer der falschen Fünfziger, der dieselbe Nummer und die gleichen Fälschungsmerkmale aufwies wie mehrere Dutzend andernorts in der Region aufgetauchte Blüten, lag in der Nachttischschublade im Zimmer des 26-Jährigen im elterlichen Haus.

Die umfangreiche Liste der Taten, für die bereits Schadenersatz in Höhe von gut 40 000 Euro geleistet worden ist, wurde nun am fünften Verhandlungstag samt Kontodaten verlesen. Die Verhandlung wird Mitte Februar fortgesetzt.




Unsere Empfehlung für Sie