Prozess Glücklose Räuber zeigen sich geständig

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Vier Überfälle hat ein 26-Jähriger begangen, einen zusammen mit einem 27-jährigen Kumpel. Beute haben sie kaum gemacht, stattdessen werden sie nun jahrelange Haftstrafen kassieren.

Mit Pfefferspray haben die Angeklagten ihre Opfer malträtiert. Foto: dpa
Mit Pfefferspray haben die Angeklagten ihre Opfer malträtiert. Foto: dpa

Vier Überfälle in Winnenden und Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) gehen auf das Konto eines 26-jährigen Mannes aus Waiblingen. Einen soll er mit einem 27-Jährigen, der nun mit ihm auf der Anklagebank vor dem Stuttgarter Landgericht sitzt, gemeinsam begangen haben. Jedes Mal waren Spielhallen das Ziel der Überfälle, je zwei Mal jene in Winnenden und die in Schwieberdingen, in der der 26-Jährige früher selbst gearbeitet hatte.

Viel Beute machte der junge Mann bei den Straftaten nicht. Nur in einem Fall im Oktober vergangenen Jahres gelang es ihm, aus der Winnender Spielhalle 1300 Euro in bar zu erbeuten. In sämtlichen anderen Fällen gingen er und sein Komplize leer aus. Angesichts der Anklage, die vier Verbrechen des versuchten und begangenen schweren Raubes umfasst, was mit mindestens fünf Jahren Haft bestraft wird, war das wahrlich nicht einträglich.

Überfälle begangen, um Drogensucht zu finanzieren

Beide Angeklagten geben die ihnen vorgeworfenen Taten zu. Bei dem 26-Jährigen ist der Grund für die Raubüberfälle sicher in seiner Drogensucht zu finden. Er hat sowohl Heroin als auch Kokain konsumiert und das trotz mehrerer Entzugsversuche bis zu seiner Festnahme. „Die ersten vier Wochen waren hart“, sagt er zu der Vorsitzenden Richterin Jasmin Neher-Klein, die wissen will, wie es ihm denn „im Knast“ ergangen sei. Während der ersten Zeit sei er im Krankenrevier gewesen, bis sich die Entzugserscheinungen milderten.

Die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit hat der in Bad Cannstatt aufgewachsene Mann abgebrochen. Danach begann er zu jobben. Durch einen Freund kam er an die Stelle in der Spielhalle in Schwieberdingen. Dort sei er im November 2011 selbst Opfer eines Überfalls geworden, behauptet er. Sein damaliger Chef habe ihm aber nicht geglaubt und sofort ihn verdächtigt, sagt er aus. Ein unbekannter Mann habe ihm am frühen Morgen, als er beim Staubsaugen war, Reizgas in die Augen gesprüht, ihn zu Boden geschlagen und getreten. Das Bargeld aus der Kasse war danach weg. Das Verfahren in dieser Sache ist allerdings eingestellt worden. Was damals tatsächlich geschehen ist, wird wohl nie geklärt werden.

Angestellte droht Räuber mit einem schweren Aschenbecher

Die vier Überfälle, die ihm zur Last gelegt werden, haben sich zwischen September vorigen Jahres und April dieses Jahres immer früh morgens ereignet. Dabei bedrohte der Mann die Angestellten in den Spielhallen mit einem Messer. Im ersten Fall ließ er von seinem Vorhaben ab und rannte weg, als ihm eine Frau in der Winnender Spielhalle unbeeindruckt ihrerseits mit einem schweren Aschenbecher drohte.

Im zweiten Fall, der sich voriges Jahr am 12. Oktober in Schwieberdingen ereignete, sprühte er einer Angestellten sofort Pfefferspray in die Augen, floh aber auch hier ohne Diebesgut. Erst der dritte Raub einige Tage später am 26. Oktober brachte ihm Beute ein. Der vierte Überfall, gemeinsam mit dem 27-Jährigen begangen, ging wiederum schief. Auch hier sprühten die Täter einem Mitarbeiter Pfefferspray in die Augen. Während der 26-Jährige den Malträtierten in Schach hielt, versuchte sein Komplize die Kasse zu öffnen, scheiterte jedoch an deren Schließmechanismus.

Für den Prozess sind insgesamt sechs Tage bis in den Januar hinein geplant.




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