Prozess in Endingen Ein Mord aus Frust am eigenen „Scheißleben“?

Der Angeklagte Lastwagenfahrer ist im Gerichtssaal mit einem großen Medieninteresse konfrontiert. Foto: dpa
Der Angeklagte Lastwagenfahrer ist im Gerichtssaal mit einem großen Medieninteresse konfrontiert. Foto: dpa

Nach dem Geständnis des Angeklagten im Prozess um den Mord an einer Joggerin bei Freiburg sammelt das Gericht Indizien. Ein Gutachter sagt, der Mann habe regelmäßig und viel Alkohol getrunken.

Baden-Württemberg: Heinz Siebold (sie)
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Freiburg - Der mutmaßliche Mörder von Caroline G. stammt aus einer zerrütteten Familie und ist auch als Erwachsener offenbar nicht glücklich geworden. Dies haben Zeugen am zweiten Tag des Prozesses gegen Catalin C. vor dem Freiburger Landgericht ausgesagt. Der 1977 in Nordrumänien in der Nähe von Moldawien geborene Angeklagte soll Caroline G. in einem Endinger Weinberg vergewaltigt und getötet haben.

Eine Zeugin namens Victoria V. (49), die er Stiefschwester nennt, ist mit ihm aufgewachsen. Es habe in der Patchworkfamilie viele Probleme gegeben, auch Schläge, sagt sie. Der leibliche Vater von Catalin C. war Fernfahrer und selten zu Hause, die alkoholsüchtige Mutter zog aus. Der Vater ging mit Victoria V.s Mutter eine neue Beziehung ein. C. sei ein notorischer Lügner geworden, „das schwarze Schaf der Familie“.

Der heute 40-Jährige hat aber offenbar nicht nur eine schwere Kindheit gehabt. In einer Kurznachricht an seine Frau, die die Polizei auf seinem Handy gefunden hat, beklagt er sich über sein „Scheißleben“. Da war er bereits Fernfahrer in Endingen. Die Stelle hatte ihm Victoria V. 2015 beschafft. Damals hat Catalin C., wenn die Vorwürfe der Tiroler Polizei zutreffen, in Kufstein eine französische Studentin ermordet.

Der Versuch die Familie nachzuholen, endete im Desaster

Doch davon weiß Victoria V. nichts, sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern auf einem Hof am Kaiserstuhl und hat versucht, ihrem „kleinen Bruder“ zu helfen, als dieser seine Frau und die drei Kinder nach Deutschland holen wollte. Das endete im Desaster: Die Frau habe ihre eigenen Kinder mit Schlägen davon abgehalten, Deutsch zu lernen. „Sie ist eine Psychopathin“, entfuhr es Michael V., dem Mann von C.s „Stiefschwester“. „Sie hat die menschlichen Regeln missachtet, ihre Kinder grundlos geschlagen.“ Sie habe sogar versucht, ihn zu verführen, berichtet der Ingenieur. „Vor versammelter Mannschaft“ habe sie ihren Mann als „Schlappschwanz“ tituliert. Dieser habe nichts gesagt. Nach einigen Wochen verließen Frau und Kinder das Haus am Kaiserstuhl.

Die möglichen Potenzprobleme des Täters könnten sich bei einer Haaranalyse erhärten. Es seien Rückstände von Testosteronbenzoat gefunden worden, berichtete ein Toxikologe. Testosteron kann der Körper auch durch Sport bilden. Ob C. den Kampfsport, den er früher ausgeübt hatte, auch in Deutschland noch betrieb, ist unbekannt. Er habe mal seinen Kindern und ihm einige schmerzhafte Griffe gezeigt, erzählt Michael V. Gefunden hat man auf dem Handy des Fernfahrers Hinweise auf Pornoseiten und die „Studie“ eines Bordells über die angebliche Lust rumänischer Prostituierter.

Niemand im Publikum glaubt an Erinnerungslücken des Täters

Dass ihnen auf der Anklagebank kein Monster, sondern eher „ein armer Hund“, so der Vater des Opfers in einem Interview, gegenüber sitzt, tröstet die Angehörigen und Freunde der Frau nicht. Schwere Kindheit, strenge Militärzeit und der Druck, für den Lebensunterhalt einer abwesenden Familie Geld zu verdienen, rechtfertigten nicht, aus Frust einen Menschen zu töten.

An die angeblichen Erinnerungslücken des Angeklagten glaubt das Publikum nicht. „Du hast alles kaputt gemacht, es tut mir so leid für das Mädchen“, sagte Victoria V. schluchzend zu ihrem „kleinen Bruder“. Dieser zeigte erstmals Regungen: Er bedeckte die Augen, kämpfte mit den Tränen.

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