Prozess in Leonberg Geknackter Porsche: Bewährung für Kurierfahrer

Von Bartek Langer 

Der 25-Jährige sollte das Fahrzeug nach Litauen bringen. Doch dieser Plan geht gehörig schief.

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Leonberg - Er sollte für eine Autoschieberbande einen geknackten Porsche von Rutesheim nach Litauen bringen, doch unterwegs knallte er gegen einen Baum und ging am Ende der Polizei ins Netz. Am Leonberger Schöffengericht wurde jetzt ein 25 Jahre alter Mann wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Diese wurde allerdings zu einer dreijährigen Bewährung ausgesetzt.

Der Prozess im Amtsgericht fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Zuhörer wurden mit Metalldetektoren abgetastet und Mobiltelefone für die Dauer der Verhandlung in Verwahrung genommen. Der angeklagte Mann aus Litauen kam in Begleitung zweier Kriminalbeamter direkt aus der Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Rottenburg, wo er seit August 2017 einsitzt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er als Mitglied einer Autoschieberbande im Juli 2016 einen geklauten Porsche Cayenne im Wert von 150 000 von Rutesheim über Polen und Tschechien nach Litauen überführen sollte. Für seine Dienste wurden ihm laut eigener Aussage 600 Euro versprochen. Doch der Plan schlug fehl. Nachdem ihm das Fahrzeug von zwei Komplizen übergeben wurde, kam er aus Unachtsamkeit in Tschechien von einer Landstraße ab und knallte gegen einen Baum, eine Weiterfahrt war nicht mehr möglich.

Akribische Ermittlungsarbeit

Dass der Mann am Ende geschnappt wurde, war einer akribischen Ermittlungsarbeit der Polizei zu verdanken. Zwar ging er der tschechischen Polizei bereits kurz nach dem Unfall ins Netz, doch er kam wieder auf freien Fuß und reiste in seine Heimat, weil ihn Zeugen, die den Unfall beobachtet hatten, nicht erkannten. Die Auswertung der Funkzellen am Unfallort und in Rutesheim brachte allerdings seine Handynummer zutage. Und am Ende räumten das erstellte Geo-Profil sowie die aus dem Porsche entnommenen DNA-Spuren alle verbliebenen Zweifel aus.

Der vor einem Wohnhaus in Rutesheim geparkte und mit einem Keyless-Entry-System ausgestattete SUV wurde damals von zwei Komplizen geknackt (wir berichteten).

Der 25-Jährige erklärte vor Gericht, dass er sich aus finanzieller Not von einem Bekannten zu der Sache überreden ließ. Hochverschuldet und mit Gerichtsvollziehern im Nacken habe der Vater eines kleinen Jungen keinen anderen Ausweg gesehen – trotz seines jungen Alters war der Mann bereits sieben Jahre hinter Gitter und wurde auch schon in Deutschland wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe verdonnert. Der Anwerber habe ihm das Busticket nach Stuttgart bezahlt und ihm ein Navigationsgerät sowie ein Handy besorgt, über das er ihm Anweisungen gegeben habe. Den beiden Autoknackern sei er aber erst bei der Übergabe in Rutesheim begegnet.

Schüsse und Prügel

Der Autodiebstahl hatte nicht nur strafrechtliche Folgen für ihn. Weil er die Sache vermasselt hatte, wollte ihn die Bande offenbar „ausschalten“. Der Litauer erzählte, dass die Männer ihn nach seiner Rückkehr in ein Waldstück gebracht hatten, dort verpassten sie ihm eine ordentliche Tracht Prügel, und am Ende wurde er viermal angeschossen. Weil er einen Abhang hinunterfiel und dann mit letzter Kraft auf einen vorbeifahrenden Zug aufsprang, kam er lebend davon. Nach der OP wurde der per Haftbefehl gesuchte Mann nach Deutschland ausgeliefert, was ihm nicht ganz ungelegen kam. „Ich wollte nicht in das örtliche Gefängnis, weil dort auch der Schütze war, den ich verraten hatte“, sagte er in der Verhandlung.

Nicht nur diesen lieferte er an die Polizei aus, sondern auch Leute aus der „mittleren Führungsebene“ und schließlich auch den Mann, der ihn angeworben hatte – auch dieser muss sich demnächst vor einem deutschen Gericht verantworten. Das Schöffengericht rechnete ihm seine sachdienlichen Hinweise hoch an. „Sie haben nicht nur Aussagen zur Struktur der Bande gemacht, sondern auch Namen genannt, was dazu führte, dass Straftaten nachgewiesen werden konnten“, sagte Sandra De Falco. „Das hat uns zugleich bewogen, Ihnen noch eine Chance zu geben und die Strafe zur Bewährung auszusetzen“, sagte die Richterin.