Prozess Raubüberfall: Täter kaufen sich vom Geld Drogen

Mit dem erbeuteten Geld erwarben die beiden Männer unmittelbar nach den Überfällen Fentanylpflaster und Kokain in Pforzheim. Foto: picture alliance/dpa

Zwei Männer sollen Supermärkte in Renningen, Rutesheim und Korntal-Münchingen überfallen haben. Nun gibt es ein Urteil.

Nach mehr als viermonatiger Verhandlung hat das Landgericht Stuttgart einen 50-jährigen Mann wegen schweren Raubes und schwerer räuberischer Erpressung zu sieben Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Zugleich ordnete die 17. Große Strafkammer des Landgerichts die Sicherungsverwahrung des schwer drogenabhängigen Mannes an. Das bedeutet, dass nach Ablauf der Strafe regelmäßig jährlich geprüft wird, ob der Angeklagte weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Ein mitangeklagter 44-Jähriger, der bei zwei Raubüberfällen als Fahrer des Fluchtautos beteiligt war, wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung verurteilt.

 

Mit dem Urteil blieben die Richter deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für den 50-Jährigen neben der Sicherungsverwahrung neun Jahre Haft und für den 44-Jährigen eine nicht bewährungsfähige Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten gefordert hatte. Die Verteidigung hatte für den 50-Jährigen ebenfalls die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung gefordert und die Höhe der Haftstrafe ins Ermessen des Gerichts gestellt. Für den 44-Jährigen hatten die Verteidiger eine Haftstrafe im bewährungsfähigen Bereich bis maximal zwei Jahren gefordert.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 50-Jährige im August vergangenen Jahres innerhalb von sechs Tagen drei Discounter in Renningen, Rutesheim und Korntal-Münchingen kurz vor Ladenschluss betreten hatte. In Renningen habe er mit einer Schreckschusspistole in die Luft geschossen und dann einer Kassiererin, die nicht sofort reagierte, die Waffe an die Schläfe gehalten. Die Beute betrug 340 Euro.

Eine hochgefährliche Droge: Fentanyl. Foto: dpa

Sogar 820 Euro erbeutet der Angeklagte beim zweiten Überfall in Rutesheim. Auch hier hielt der 50-Jährige einem Kassierer die Waffe ins Gesicht und schoss in die Luft. In Korntal-Münchingen bedrohte er nach Schüssen in die Luft die Kassiererin mit dem Tod. Hier betrug die Beute 1130 Euro. Der 44-Jährige fuhr den Haupttäter nach den Erkenntnissen des Gerichts jeweils zu den Tatorten nach Rutesheim und Korntal-Münchingen. Mit dem erbeuteten Geld erwarben die beiden Männer unmittelbar nach den Überfällen Fentanylpflaster und Kokain in Pforzheim.

Verurteilt wurde der 50-Jährige zudem wegen zweifachen Betruges: Er besuchte nach den Erkenntnissen des Gerichts im vergangenen Frühjahr zwei Fahrradfachgeschäfte in Stuttgart und lieh dort jeweils gegen Hinterlassung eines Ausweises ein Pedelec für eine angebliche Probefahrt aus. Tatsächlich verkaufte der dann die beiden rund 4500 Euro teuren Pedelecs für 1000 beziehungsweise 2250 Euro an unbekannte Abnehmer.

Fentanyl

Pflaster
Fentanyl wurde in den 1960er-Jahren als Schmerzpflaster entwickelt. Es wird bei sehr starken und häufig chronischen Schmerzen beispielsweise bei Krebserkrankungen eingesetzt. Die Wirkung ist bis zu 100 mal stärker als bei Morphinen. Es gehört zur Gruppe der Opioide und blockiert die Weiterleitung der Schmerzreize an das Gehirn. Es darf nur unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden, da schnell eine Abhängigkeit eintreten kann.

Nebenwirkungen
Kurzfristig kann es zu Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Erbrechen kommen, mittelfristig zu Angstzuständen. Langfristig kann die regelmäßige Einnahme von Fentanyl sogar zum Tod führen. hem

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