Prozess um Brandstiftung in Schönaich Die Eltern gaben den entscheidenden Tipp
Am dritten Tag im Prozess um die Brandstiftungen in Schönaich am Landgericht Stuttgart haben Polizeibeamte Einblick in ihre Ermittlungen gegeben.
Am dritten Tag im Prozess um die Brandstiftungen in Schönaich am Landgericht Stuttgart haben Polizeibeamte Einblick in ihre Ermittlungen gegeben.
Es sind zwei Taten der Brandstiftung in Schönaich (Kreis Böblingen), für die sich derzeit ein 32-jähriger Mann vor dem Landgericht Stuttgart verantworten muss. Und wie sich am dritten Prozesstag herausstellte, wäre die erste Tat möglicherweise nicht aufgeklärt worden, wenn der Angeklagte rund eineinhalb Jahre später nicht auch die zweite und weitaus folgenreichere begangen hätte.
Bei dieser Tat im August des vergangenen Jahres entzündete der 32-Jährige mitten in der Nacht ein Auto in der Robert-Bosch-Straße. Das Feuer griff auf zwei weitere Fahrzeuge über und schließlich auch auf das Haus mit der Nummer 14, in dem 27 Menschen schliefen. Sie mussten von der Feuerwehr zum Teil über eine Drehleiter gerettet werden. Zwei Bewohner erlitten leichte Rauchvergiftungen. Der Sachschaden beträgt rund 500 000 Euro.
Eine Kriminalbeamtin erklärte nun, am Tag nach der Tat hätten sich die Eltern des Angeklagten bei der Polizei gemeldet und erzählt, dass sie Angst vor ihrem Sohn hätten. Dieser sei seit einer Woche in einem psychischen Ausnahmezustand und habe mehrfach Bedrohungen gegen sie ausgesprochen. Er habe wohl auch das Auto angezündet.
Nach dem Angeklagten sei dann gefahndet worden. Festgenommen worden sei er in seinem Auto auf einer Wiese, wo er in einer Mulde feststeckte.
Bei der Festnahme habe es eine kleine körperliche Auseinandersetzung gegeben, auf der Dienststelle habe er sich aber kooperativ verhalten. Er habe nervös und etwas hektisch gewirkt, seine Augen seien oft hin und her gewandert. „Er schien sich auch der Konsequenzen seiner Tat nicht bewusst zu sein und hat manches sehr locker und witzig genommen“, berichtete die Kommissarin.
Zusätzlich hätten Beamte Videoaufzeichnungen aus dem Hotel ausgewertet, in dem der 32-Jährige damals untergebracht war. Daraus habe sich ergeben, dass er in der Tatnacht nicht dort war.
Das Motiv für die Tat habe die Vernehmung des früheren Chefs des 32-Jährigen ergeben. Dieser hatte berichtet, dass der Angeklagte Streit mit einem Cousin wegen einer Frau habe, die nicht nur mit dem Angeklagten, sondern auch mit einem anderen Mann eine Beziehung hatte. Er habe dann einen Kanister voller Benzin gekauft, um das Problem zu lösen, „wie man es in Sizilien macht“.
Ähnliches habe der Angeklagte einem Kollegen gegenüber nach der ersten Tat erzählt. Im Januar 2023 hatte Mann einen Firmenwagen seines früheren Chefs angezündet und einen Schaden von 10 000 Euro verursacht. Grund dafür war ein Streit um gestrichene Überstunden. Hier waren die Ermittlungen zunächst ins Leere gelaufen, wie ein 57-jähriger Kriminalbeamter erklärte.
Der Firmeninhaber habe zunächst zwei ehemalige Mitarbeiter verdächtigt, denen er gekündigt hatte, und später dem Angeklagten, da es auch mit ihm arbeitsrechtliche Probleme gab. Eine Funkzellenauswertung habe jedoch ergeben, dass das Handy des Angeklagten zur Tatzeit nicht im fraglichen Bereich eingeloggt war – wohl aber das seines Vaters. Dies habe sich aber erklären lassen, da die Mutter des Angeklagten auch in Schönaich arbeitete.
Zudem habe eine Wohnungsdurchsuchung bei der Familie keine weiteren belastenden Indizien erbracht, sodass der Fall zunächst eingestellt worden war .
Der Angeklagte hatte die Taten bereits am ersten Prozesstag eingeräumt. Unklar ist noch, ob er schuldfähig ist. Laut dem Gericht vorliegenden Unterlagen wurde er 2021 zweimal in einem psychiatrischen Krankenhaus wegen Depressionen behandelt. Zudem hat ihm ein Facharzt für Psychiatrie im Jahr 2023 eine Schizophrenie bescheinigt. Der vom Gericht beauftragte Gutachter hat den 32-Jährigen in einem vorläufigen Gutachten für voll schuldfähig erachtet.
Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.