Prozess um Carlos Rückkehr des Topterroristen im Ruhestand

Von  

Der inhaftierte Topterrorist Carlos muss sich von Montag an vor einem Gericht wegen Bombenanschlägen aus den 80er Jahren verantworten.

Der Häftling Carlos Foto: AP
Der Häftling Carlos Foto: AP

Stuttgart - Carlos, der Schakal, ist das nicht. Das Doppelkinn, der sich über den Gürtel schiebende Bauch, das graue Haar - der 62-Jährige sieht dem Filmhelden nicht ähnlich. Für einen Tafelfreuden nicht abgeneigten Pensionär mag man ihn halten. Dabei ist er der wahre Carlos oder jedenfalls das, was aus dem legendären Terroristen geworden ist, der eigentlich Ilich Ramirez Sánchez heißt. 1997 war der Venezolaner in Frankreich des Mordes an drei Polizisten für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Von Montag an steht er wegen weiterer Verbrechen erneut vor Gericht. Als Drahtzieher mehrerer Bombenattentate 1982 und 1983 hat er sich zu verantworten. Ein Anschlag auf den Schnellzug Paris-Toulouse und ein weiterer auf einen Hochgeschwindigkeitszug TGV werden dem Topterroristen zugeschrieben. Außerdem soll er ein Attentat auf den Bahnhof von Marseille in Auftrag gegeben haben und eines auf das Pariser Büro der Zeitung "Al Watan Al Arabi". Elf Menschen wurden bei den Explosionen in den Tod gerissen, mehr als 100 verletzt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Carlos die Sprengsätze legen ließ, um inhaftierte Gefährten freizupressen: seine damalige Gattin, die Deutsche Magdalena Kopp, und den Schweizer Bruno Bréguet.

Carlos wird versuchen, die Rollen umzukehren

Die Ermittler stützen sich auf Dokumente die nach dem Fall der Mauer in Ostdeutschland, Ungarn und Rumänien sichergestellt wurden und auf einen beim Innenminister in Paris eingegangenen Erpresserbrief. Angeklagt sind auch die Deutschen Christa-Margot Fröhlich und Jens Weinrich, die aber nicht vor Gericht erscheinen werden. Weinrich verbüßt in Deutschland eine lebenslange Haftstrafe. Fröhlich war vor elf Jahren aus französischer Untersuchungshaft entlassen worden.

Carlos wird den Geschworenen des Sondergerichts für terroristische Gewaltverbrechen in Paris Rede und Antwort zu stehen haben. Wie im früheren Strafverfahren wird er versuchen, die Rollen umzukehren und in die des Anklägers zu schlüpfen. Französische Agenten hatten 1994 in Khartoum zugeschlagen und Carlos nach Frankreich entführt. Konsequent hat Carlos Strafanzeige gegen den Ex-Innenminister Charles Pasqua Anzeige erstattet wegen Entführung und Freiheitsberaubung.