Aspach/Stuttgart - Es war ein schwerer Gang für Jolanta S. Zwar hatte die 48-Jährige schon einmal vor dem Landgericht erzählt, was sie in den acht Tagen in der Gewalt ihres Ex-Freundes und seines Komplizen durchgemacht hatte. Doch um sich den Fragen der Verteidigung zu stellen, musste sie erneut mit dem Bus nach Deutschland reisen. Am Freitag hat sie zum zweiten Mal ausgesagt. Wie zu erwarten, musste das Entführungsopfer sich in der Befragung für viele Entscheidungen rechtfertigen, die sich im Nachhinein als falsch herausstellten.
Warum hatte sie sich trotz Gewalttätigkeiten und psychischem Druck in 26 Jahren Beziehung nicht schon früher vom Maciej I. getrennt? Warum war sie ins Auto ihres Ex-Freundes gestiegen und in das Wohnmobil gegangen, das auf dem Parkplatz der Mechatronik-Arena in Aspach wartete? Warum hatte sie nicht ihre Gelegenheit ergriffen, als die beiden Entführer von einem Jäger zur Rede gestellt wurden, der diese für Wildcamper hielt? Warum hatte sie nicht die Chance genutzt, als sie von den beiden Kidnappern allein im Zelt zurückgelassen wurde? Da brach es aus Jolanta S. heraus: „Für alle, die hier im Saal sitzen, wäre das vielleicht eine Chance gewesen. Für mich nicht – ich hätte nur riskiert, ihm einen Grund zu geben, mich einfach abzustechen“, rief Jolanta S. schluchzend in den Gerichtssaal.
Ihre Aussage bringt dem Opfer den Respekt des Richters ein
Auch wenn sie während ihrer Aussage oft in Tränen aufgelöst war und sich die benutzten Taschentücher vor ihr häuften: Jolanta S.’ Aussagen waren schlüssig. Sie entschuldigte sich, wenn sie in der Aufregung in die deutsche Sprache verfiel, nie verlangte sie eine Pause. Jolanta S. erinnerte sich an Details, Gesten und die Mimik ihrer Peiniger. Daran, dass der Komplize von Maciej I., der deutlich jüngere Krzysztof T., zu ihr gesagt habe: „Wenn du nicht die Mutter meines besten Freundes wärest, würde ich dich persönlich killen.“ All das brachte ihr bewundernde Worte des Vorsitzenden Richters ein.
Erstmals vor Gericht zur Sprache kam auch etwas, das Jolanta S. während der Entführung von den beiden Männern gehört haben will: Demnach hätten die beiden erwogen, ihren neuen Freund zu töten. Sie hatten das Haus, in dem sie wohnte, beschattet und mitbekommen, wie das Paar sich traf. Da ihr Freund mit einem Geschäftswagen kam, konnten sie eine Adresse notieren. Sie sollen darüber gesprochen haben, dorthin zu fahren und den Nebenbuhler „auszuweiden“.