Prozess um Überfälle in Backnang Freispruch – oder sieben Jahre Haft

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Ein 32-jähriger Angeklagte streitet vor dem Landgericht Stuttgart ab, zwei Spielhallen in Backnang überfallen zu haben. Das Urteil wird am Montag verkündet.

Nach dem zweiten Überfall löste die Polizei eine Großfahndung in Backnang aus. Foto: dpa
Nach dem zweiten Überfall löste die Polizei eine Großfahndung in Backnang aus. Foto: dpa

Backnang - Die Staatsanwaltschaft sieht durch Indizien für erwiesen an, dass ein 32-jähriger Backnanger für zwei Raubüberfälle in der Murrstadt verantwortlich ist. Die Staatsanwältin fordert am Mittwoch eine Gesamtstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten Haft für ihn. Seine Verteidiger beantragten Freispruch.

Zu Beginn des Jahres 2016 hat ein vermummter Täter zwei Spielcasinos in Backnang überfallen. Die erste Tat ereignete sich am Abend des 14. Februar in der Talstraße. Dabei wurde der Räuber, der mit einer Pistole in der Hand in den Raum kam, von einem Stammgast vertrieben, der ihn kurzerhand zur Tür hinaus schob. Tags darauf wurde ebenfalls am Abend eine weitere Spielhalle, dieses Mal in der Aspacher Straße, von einem maskierten Räuber überfallen. Dort erbeutete dieser 919 Euro in bar und flüchtete.

Münzgeld in der Unterhose

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass es sich um ein und denselben Täter handelt – und zwar um den 32-jährigen Backnanger, der sich seit dem 5. Februar vor der 8. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts wegen versuchten schweren Raubes und schweren Raubes verantworten muss. Der Mann, der seit seiner Jugend schwer drogenabhängig ist, und bereits zwei einschlägige Vorstrafen hat, streitet die Taten jedoch ab. „Er hat seine Taten bisher immer gestanden“, betonte einer seiner Verteidiger, der wie sein Kollege am Mittwoch auf Freispruch plädierte.

Der 32-Jährige war kurz nach dem zweiten Überfall am Backnanger Bahnhof Polizisten aufgefallen, die nach dem Täter fahndeten. Nicht nur, dass er nervös hin und her gerannt war, er hatte auch ein verdächtiges Päckchen in der Unterhose verschwinden lassen. Wie sich bei der darauf folgenden Kontrolle herausstellte, bestand es aus einer Zigarettenschachtel mit 42 Zwei-Euro-Münzen, die mit 59 Zehn-Euro-Scheinen umwickelt war, welche wiederum von einem Klebeband fixiert wurden. Bei dem Raub waren vor allem Zwei-Euro-Münzen verschwunden, welche von den Spielautomaten ausgeworfen werden.

Keine Spur trotz Spürhund

Von der Kleidung des maskierten Räubers fehlt jedoch jede Spur. Auch ein auffälliger bunter Rucksack, der von Zeugen beschrieben wurde, konnte nicht gefunden werden, nicht einmal von einem Spürhund, der den Weg des Täters von der Aspacher Straße bis kurz vor den Bahnhof nachschnüffelte. Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass der Täter irgendwo unterwegs die Kleidung wechselte und dabei auch einen Teil des schweren Münzgelds liegen ließ, das er nicht ohne weiteres in der Kleidung hätte verbergen können. Für die Verteidiger sind das jedoch lediglich Rückschlüsse aus den Indizien, aber keine Beweise.

Das Gericht wird am Montag das Urteil verkünden. Da eine sehr hohe Strafe im Raum steht, beantragte die Staatsanwältin einen Haftbefehl. Bisher ist der Angeklagte auf freiem Fuß und immer erschienen.