Prozess um Überfall in Winnenden Ein unreifer Bengel als Bankräuber

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Ein 19-Jähriger, der im Dezember die Volksbank überfallen hat, erhält eine Bewährungsstrafe. Ein Vierteljahr saß er in Untersuchungshaft.

Die Filiale der Volksbank an der Marktstraße war im Dezember Schauplatz eines Überfalls. Foto: Pascal Thiel
Die Filiale der Volksbank an der Marktstraße war im Dezember Schauplatz eines Überfalls. Foto: Pascal Thiel

Winnenden - Es ist vieles zusammengekommen, was den 19-Jährigen aus Winnenden davor bewahrt hat, vom Stuttgarter Landgericht wieder zurück nach Stammheim in die Zelle gebracht zu werden. Dort sitzt er seit dem 15. Dezember in Haft, nachdem er als der Täter identifiziert worden war, der am 12. Dezember die Filiale der Stuttgarter Volksbank an der Winnender Marktstraße überfallen hatte. Vor der Polizei gab er den Raub zu, bei dem ihm eine Beute von 35 100 Euro in die Hände gefallen war. Sein Motiv für die Tat und deren dilettantische Ausführung zeigten jedoch die Unreife des jungen Mannes, sagte der Vorsitzende Richter der 3. Jugendstrafkammer des Landgerichts, die ihn am Dienstag zu zwei Jahren Jugendstrafe mit einer Vorbewährung verurteilte.

Der 19-Jährige hat die Reife eines 16-Jährigen

„Sie sind ein 16-Jähriger im Körper eines Erwachsenen“, sagte Joachim Holzhausen, als er in der mündlichen Urteilsbegründung darlegte, warum die Kammer dem jungen Mann noch eine Chance einräumen wollte. „Als ich heute Morgen in die Sitzung ging , hatte ich angesichts der Akten eine Vorstellung von zweieinhalb Jahren Haft“, sagte der Vorsitzende Richter. Damit wäre eine Bewährung ausgeschlossen gewesen. Doch im Lauf der Verhandlung sei den Richtern klar geworden, dass der 19-Jährige viel unreifer ist, als andere in seinem Alter.

„Um seiner Freundin zu imponieren hat er einen Audi A 6 gemietet. Es wäre alles gut gewesen, wenn er diesen wie vereinbart nach dem Wochenende zurückgegeben hätte“, hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer ausgeführt. Doch das tat er nicht – und so stiegen die Kosten auf 1200 Euro, welche der junge Mann, der zu der Zeit keine Arbeit hatte, nicht stemmen konnte. Außerdem war er mit dem Auto in eine Kontrolle der Polizei geraten. Diese roch sofort den markanten Geruch von Marihuana in der Luxuskarrosse. Das nächste Problem baute sich auf.

„Sie haben einfach die Vogel-Strauß-Methode angewandt“, so die Staatsanwältin weiter, welche die Gedanken des 19-Jährigen zusammenfasste: „Irgendwie musste Geld her.“ Doch genauso halbherzig, wie er seit seinem Schulabschluss sein Leben geführt habe, sei er nun an den Banküberfall herangegangen.

Bankräuber wird über Facebook gesucht

„Wenn es ein Guinnessbuch der dümmsten Straftaten gäbe, würde mein Mandant nicht den untersten Platz belegen“, führte der Verteidiger in seinem Plädoyer aus. Unmaskiert und mit einer ungeladenen Schreckschusspistole bewaffnet, betrat der 19-Jährige am Tattag um 15.45 Uhr die Volksbank-Filiale. „Ich habe es aber zuerst nicht übers Herz gebracht und bin noch mal raus“, sagte er vor Gericht. Dass er dabei gefilmt wurde, wie auch wenig später, als er tatsächlich an die Kasse trat, war ihm scheinbar egal. Die Polizei fahndete mit den Fotos sogar auf Facebook, wo ihn mehrere Kumpel erkannten und ansprachen.

„Geld her“, habe er gesagt und der Kassiererin die Waffe gezeigt. „Er hat so leise geredet, dass ich nicht verstanden habe, was er sagte“, berichtete die 46-Jährige. Das Geld wurde mittlerweile komplett zurückgegeben. Die Familie des 19-Jährigen beglich den Betrag, den er bereits verprasst hatte. „Ich hoffe, Sie zahlen das ihrer Mutter irgendwann mal zurück“, so der Richter.

250 gemeinnützige Arbeitsstunden, pro Monat mindestens 50, verhängte das Gericht als Bewährungsauflage – und von September an die Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Maßnahme. „Sie müssen anfangen, sich wie ein Erwachsener zu benehmen“, so der Vorsitzende Richter, der keinen Zweifel daran ließ, was passiert, sollte der 19-Jährige die Auflagen brechen.