Prozess um versuchten Mord erneut vor Gericht Wollte der Angeklagte seine Bekannte in Nürtingen töten und zerstückeln?

Vor dem Landgericht Stuttgart (Foto) ist ein 25-Jähriger wegen versuchten Mordes angeklagt. Foto: Roberto Bulgrin

Vor dem Landgericht Stuttgart muss sich ein 25-Jähriger unter anderem wegen versuchten Mordes und Vergewaltigung verantworten. Er soll in Nürtingen die ehemalige Freundin seiner Frau angegriffen haben. Es ist der zweite Anlauf in diesem Verfahren.

Offener Blick, immer wieder ein Lächeln im Gesicht, Brille und modisches Hemd – das Auftreten des Angeklagten wirkt sympathisch und ist mit den Taten, die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft, kaum in Einklang zu bringen. Laut Anklage soll der heute 25-Jährige am 15. August 2023 die ehemalige Freundin seiner Ehefrau in ihrer Nürtinger Wohnung gefesselt, sie vergewaltigt und mit einem Messer fast getötet haben. Dabei soll er äußerst brutal vorgegangen sein. Der Fall hatte viel Aufsehen erregt. Blutüberströmt und halb nackt wurde das Opfer nachts in einer Wohngegend im Lerchenberg gefunden.

 

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann aus Göppingen die Frau töten und ihre Leiche anschließend zerstückeln und beseitigen wollte. Darauf würden Utensilien wie Hammer, Handsäge und Müllbeutel hindeuten, die im Handschuhfach seines Autos gefunden wurden. Auch wird ihm vorgeworfen, die damals 26-Jährige vergewaltigt und versucht zu haben, sie zu berauben.

Nach des Gutachters wird der Prozess ausgesetzt

Es ist nicht das erste Mal, dass der in Untersuchungshaft sitzende Mann in dieser Sache vor der ersten Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts steht. Begonnen hatte der erste Prozess am 13. Februar. Mehrere Verhandlungstage hatten in diesem Frühjahr bereits stattgefunden, in denen unter anderem die Geschädigte selbst und die Ehefrau des Angeklagten als Zeuginnen ausgesagt hatten. Die Hauptverhandlung musste aber unterbrochen werden, nachdem einer der bestellten Gutachter, der bekannte Tübinger Psychiater Peter Winckler, überraschend gestorben ist.

Nach dieser Unterbrechung hat am Donnerstag ein neuer Prozess begonnen. Laut Anklageschrift, die erneut verlesen wurde, soll der Angeklagte auf unbekannte Weise nachts in die Wohnung der schlafenden Frau eingestiegen sein. Sie wurde geweckt, als er ihr seinen Finger in den Mund steckte. Die Frau habe sich heftig gegen Angreifer gewehrt, habe dann aber aufgegeben. „Gibst du jetzt Ruhe?“, soll der Mann gesagt haben.

Küchenmesser als mutmaßliches Tatwerkzeug

An der Stimme habe die Geschädigte dann den Ehemann ihrer Ex-Freundin erkannt. Die Freundschaft war zerbrochen, nachdem der Angeklagte bei Übernachtungsbesuchen zwei Mal übergriffig geworden sein soll. Zunächst hatte die 26-Jährige das für sich behalten, sich dann aber der Freundin offenbart, die das anzweifelte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte sich trotzdem rächen wollte.

Auch als die Frau in der Tatnacht ihren Widerstand zunächst aufgab, war das Martyrium für sie nicht zu Ende. So soll der Angeklagte ihr einen Slip eingeführt haben und sie immer wieder mit Klebeband gefesselt haben. Zudem habe er sie ausrauben wollen. Als er Geldbeutel und Sparschwein aber nicht finden konnte, sei er wütend geworden, habe die Frau erneut auf einem Stuhl fixiert und sie gewürgt. Schließlich habe er ein Messer aus der Küche geholt und sei aus der Wohnung gerannt, um sein Auto zu holen.

„Jetzt stirbst du“

Die geknebelte und gefesselte 26-Jährige zerrte er schließlich auf die Rückbank und fügte ihr in Reaktion auf einen Fluchtversuch mit dem Messer einen 13,5 Zentimeter langen Schnitt am Hals zu. „Das hast du davon, jetzt stirbst du“, soll er gesagt haben. Ein Passant fand die Frau, die erneut fliehen konnte, gegen drei Uhr auf der Straße und rief die Polizei. Der Angreifer flüchtete mit dem Auto und zu Fuß. Er wurde noch in der Nacht festgenommen.

Der Prozess wird mit Zeugenbefragungen fortgesetzt. Auch die 26-Jährige soll nochmals aussagen. Für ihre Mandantin sei das sehr belastend, sagte ihre Rechtsanwältin jetzt am Rande des Prozesses.

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