Landgericht Stuttgart Jugendliche wegen Bandendiebstahls vor Gericht

Von Saskia Drechsel 

Eine Gruppe von sieben 14- bis 19-Jährigen muss sich wegen Bandendiebstahls im Raum Stuttgart vor Gericht verantworten. Die größtenteils minderjährigen Angeklagten sollen mehr als 30 Taten begangen haben.

Die größtenteils minderjährigen Angeklagten sollen mehr als 30 Taten begangen haben. (Symbolbild) Foto: dpa
Die größtenteils minderjährigen Angeklagten sollen mehr als 30 Taten begangen haben. (Symbolbild) Foto: dpa

Stuttgart - Eine Dreiviertelstunde hat die Staatsanwältin die Anklageschrift vor dem Landgericht verlesen, die mehr als 30 Einzeltaten der sieben Angeklagten umfasst. Den sieben Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren wird Bandendiebstahl im Großraum Stuttgart vorgeworfen. Zum Auftakt des Gerichtsprozesses der große Sitzungssaal gut gefüllt – unter anderem wegen der vielen Angeklagten samt Verteidigern und gesetzlichen Vertretern.

Spätestens im Februar dieses Jahres sollen sich die sieben Jugendlichen laut Anklage zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um Diebstähle zu begehen. In der Folge sollen sie vor allem im Großraum Stuttgart Eigentumsdelikte begangen haben. Mehr als 30 dieser Taten sind Gegenstand der Anklage, die Staatsanwältin sprach von vielen weiteren Fällen, bei denen die Sachlage noch unklar ist und die deswegen nicht Bestandteil des Prozesses sind.

Die Bande soll arbeitsteilig vorgegangen sein und alleine oder im Team Diebstähle begangen haben. Dabei sollen bevorzugt hochwertige Alkoholika, Parfüme und Elektroartikel gestohlen worden sein, um diese später weiterzuverkaufen. Die Jugendlichen begannen ihre Diebstahlserie wohl mit dem Diebstahl von Pfandflaschen. Am 16. Februar, so heißt es in der Anklage, stiegen sie nachts in das Lager einer Getränkehandlung in Esslingen und erbeuteten Leergut im Wert von 30 Euro. Eine Woche später sollen die Mitglieder der Bande versucht haben, im Media-Markt am Mailänderplatz Lautsprecher zu stehlen. Als ein Ladendetektiv einen der Angeklagten daran hindern wollte, kam es zu einem Gerangel, das mit einer Festnahme endete.

Im März sollen die Angeklagten einen Keller aufgehebelt und Leergut entwendet haben, sie sollen im Kaufland Ludwigsburg fünf Flaschen Wodka gestohlen haben und im Media-Markt Vaihingen ließen sie offenbar Smartphones mitgehen. Am 11. April soll die Bande dann durch Feuerbach gezogen sein. An einer Tankstelle soll sie einen Einweggrill und Süßigkeiten entwendet haben, anschließend – so der Vorwurf der Anklage – brachen die jungen Leute in ein Hotel ein und plünderte das Büfett. Ein mutmaßlich von der Bande verübter Einbruch an der Maybachstraße zog zudem einen Feuerwehreinsatz nach sich. Im Mai sollen dann in mehreren Elektronikmärkten Bluetoothboxen entwendet worden sein, außerdem Parfümflakons in Drogerien und mehrmals Alkohol im Edeka-Markt am Flughafen.

Das Diebesgut, so vermutet die Staatsanwaltschaft, wurde im Anschluss konsumiert oder gewinnbringend veräußert. Drei der Angeklagten wurden in Handschellen in den Saal geführt. Sie begrüßten sich verhalten, freuten sich über dieses Wiedersehen. Während der Verlesung der Anklageschrift suchten die Angeklagten Blickkontakt zueinander. Dies wurde der Vorsitzenden Richterin Cornelie Eßlinger-Graf zu viel: „Ich sehe genau, dass Sie sich immer wieder siegesgewiss zulächeln. Natürlich, Sie freuen sich, die anderen wiederzusehen, und haben sich lange nicht gesehen. Glauben Sie mir, das macht keinen guten Eindruck.“

Nachdem am 24. Mai dieses Jahres ein Haftbefehl gegen die Angeklagten erlassen worden war, konnten beinahe alle Jugendlichen Ende Mai festgenommen werden. Zwei der Angeklagten sind derzeit in der Jugendeinrichtung Schloss Stutensee bei Karlsruhe, ein dritter ist jetzt nach einem erfolglosen Fluchtversuch in der Justizvollzugsanstalt in Stammheim. Sechs der Angeklagten sind noch nicht volljährig, einzig ein 19-Jähriger gilt als Heranwachsender. Die meisten anderen sind nicht einmal 17, der jüngste Angeklagte 14 Jahre alt.

Am 9. Januar soll weiterverhandelt werden. „Sie können zu den Vorwürfen schweigen oder sich ihnen stellen. Einige haben bereits angekündigt, dass es geständige Einlassungen geben wird“, so die Richterin.

Für den Prozess sind von der Jugend­kammer acht Verhandlungstage bis Anfang Februar vorgesehen.