Prozess wegen mehrfachen Bandendiebstahls Tresorknacker mittels Gesichtserkennungssoftware identifiziert
In Stuttgart steht ein 41-Jähriger wegen mehrfachen Bandendiebstahls, unter anderem in Leonberg, vor Gericht.
In Stuttgart steht ein 41-Jähriger wegen mehrfachen Bandendiebstahls, unter anderem in Leonberg, vor Gericht.
Am zweiten Tag des Prozesses gegen einen 41-jährigen Mann wegen mehrfachen Bandendiebstahls hat ein Kriminalbeamter die Anklagevorwürfe in weiten Teilen bestätigt. Laut Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte der lange gesuchte fünfte Mann einer Bande, die im Januar 2021 einen spektakulären Einbruch bei McDonalds in Leonberg begangen hat. Das Quintett brach eine Tür auf und hebelte den Tresor mit Brecheisen aus der Wand. Den mehr als 300 Kilogramm schweren Tresor transportierten sie anschließend mit einem Hubwagen der Firma ab. Als sie anschließend den Tresor in einer Autowerkstatt mit einem Trennschleifer öffnen wollten, wurden vier Täter von der Polizei auf frischer Tat ertappt und vom Landgericht Stuttgart im Herbst 2021 zu mehrjährigen Haftstrafen zwischen dreieinhalb und fast fünf Jahren verurteilt.
„Einer der vier Männer, die wir vernommen haben, hat uns den Angeklagten als fünften Täter genannt und auf einem Foto auf dem Handy eines Mittäters wiedererkannt“, erklärte der Kriminalbeamte im Zeugenstand. Als man das Bild mit einer Gesichtserkennungssoftware bearbeitet habe, sei ebenfalls der Name des Angeklagten ausgeworfen worden, da dieser bereits polizeibekannt gewesen war. Auf Nachfrage von Verteidiger Markus Schwab räumte der Polizist allerdings ein, dass es weder DNA-Spuren des Angeklagten im Fluchtauto oder auf Asservaten gebe – und dessen Name auch nicht in den Kommunikationsdaten zwischen den Tätern auftauche.
Die vier bereits verurteilten Täter hätten noch in der Nacht gefasst werden können, da sie auf dem Gelände von McDonalds einen Alarm ausgelöst hatten und eine großräumige Fahndung in Leonberg gestartet wurde. Auf die Autowerkstatt in der Mollenbachstraße sei die Polizei aufmerksam geworden, weil davor das Fluchtauto geparkt gewesen sei. Einer der vier noch in derselben Nacht festgenommenen Täter sei durch ein Fenster geflüchtet, kurz darauf jedoch von der Wärmebildkamera eines Hubschraubers geortet worden. In dem Tresor befanden sich 16 300 Euro in Bargeld und Wertmarken, der Sachschaden betrug mehr als 14 000 Euro.
Auch die Beteiligung des 41-Jährigen an einem Einbruch in ein Casino in Weissach im Mai 2022 konnte der Beamte bestätigen. „Ein Mittäter hat erklärt, dass der Angeklagte als Aufbruchsspezialist gelte und einer der fünf Mittäter war“, sagte der Polizist. Die Bande habe eine Überwachungskamera an einer Pizzeria in der Nähe ausgeschaltet und dann aus Spiel- und Wechselautomaten insgesamt 57 000 Euro erbeutet.
Der Schaden sei mit 50 000 Euro sehr hoch gewesen, da unter anderem ein sehr professionelles Spreizwerkzeug eingesetzt worden sei, das normalerweise Rettungskräfte benutzen, um Menschen nach Unfällen aus Autos zu bergen. „Solche Spreitzer sind bis zu 70 000 Euro teuer und werden nur an Feuerwehren und an THWs verkauft“, erläuterte der Beamte. Es gebe aber in ganz Deutschland immer wieder Einbrüche in Feuerwehr-Gerätehäuser und THW-Lager. Dass der 41-Jährige im Juli 2022 an einem weiteren Casino-Einbruch in Aglasterhausen im Neckar-Odenwald-Kreis beteiligt gewesen sei, beweise ein Fingerabdruck, den man auf einem Klebestreifen gefunden habe, mit dem ein Bewegungsmelder abgeklebt wurde. Dort erbeutete das Quartett aus sieben Spiel- und einem Wechselautomaten 50 000 Euro und verursachte einen Sachschaden von 58 500 Euro.
Ins Netz der Polizei ging der 41-Jährige im Dezember 2022 durch einen Zufall: Er geriet auf einem Parkplatz in Rutesheim in eine Personen- und Fahrzeugkontrolle, bei der er den Beamten einen gefälschten kroatischen Ausweis vorzeigte. Als die Polizisten Merkmale einer Fälschung feststellen konnten, floh der Mann und konnte erst ergriffen werden, als er eine drei Meter hohe Wand hochklettern wollte.
Die Anklage lautet auf mehrfachen schweren Bandendiebstahl, Diebstahl, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Der Prozess wird am 23. Juli fortgesetzt, das Urteil soll am 22. August verkündet werden.