Prozess wegen versuchten Totschlags Kneipen-Schläger muss ins Gefängnis

Von Henning Maak 

Das Landgericht Stuttgart hält 23-Jährigen trotz drei Promille Alkohol im Blut für schuldfähig.

Das Gericht hält den Angeklagten für schuldfähig. Foto: dpa-Symbolbild
Das Gericht hält den Angeklagten für schuldfähig. Foto: dpa-Symbolbild

Leonberg - Ein 23-jähriger Leonberger muss nach einem Gewaltexzess bei einer Kneipenschlägerei für sechs Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Stuttgart verurteilte ihn am Dienstagnachmittag wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung und ordnete eine Drogen- und Alkoholtherapie an, die er nach einem Jahr Haft beginnen kann. Der Leonberger mit zum Zopf geflochtenen Dreadlocks und auffälligen Ohrringen nahm das Urteil äußerlich gefasst entgegen.

Der 23-Jährige trinkt bereits seit mehr als zehn Jahren Alkohol und hatte seit der Pubertät Kontakt mit Drogen. Bisweilen war es so viel, dass er notärztlich behandelt werden musste. Am 29. November vergangenen Jahres hatte er tagsüber schon Bier und Wein getrunken, abends in einer Pizzeria in Höfingen Bier und Grappa. Gegen 23 Uhr ging er nach Ansicht des Gerichts in die Europa-Bar, wo er kurz darauf auf sein Opfer traf – einen 57-jährigen, „der seit Jahren in der Drogenszene bekannt ist“, so der Vorsitzende Richter.

„Ich bring den um“

Der 57-Jährige spendierte dem Angeklagten mindestens ein Bier und bot ihm an, ihn zu einer Drogenberatung zu begleiten, da er sich damit auskenne. „Du bist voll korrekt“, sagte der 23-Jährige zu seinem späteren Opfer. Gegen 3 Uhr am Morgen des 30. November bat der Wirt die beiden zu gehen, da er schließen wollte.

Bis dahin hatte der 23-Jährige nach Ansicht des Gerichts sieben bis acht Bier, sieben bis acht Tequila und weitere zehn Schnäpse getrunken. Kurz vor dem Ausgang schlug er, vom Alkohol enthemmt, unvermittelt und ohne erkennbaren Grund auf den 57-Jährigen ein und warf, als dieser am Boden lag, Tische und Stühle auf ihn. Als der Wirt beiden die Tür öffnete, stieß der 23-Jährige sein Opfer die Treppe hinunter und schlug im Freien weiter auf ihn ein. Mit den Worten „Ich bring den um“ versetzte er ihm Tritte gegen den Kopf und schlug diesen auf den harten Asphaltboden. Als der Wirt die Polizei alarmierte, stach der 23-Jährige zudem noch sechs Mal mit einem Messer auf das Opfer ein und verletzte dieses lebensgefährlich.

„Den habe ich kaputt gemacht“

Anschließend ging er in die Europa-Bar zurück und erklärte dem Wirt: „Den habe ich kaputt gemacht.“ Als dieser ihm erklärte, die Polizei sei unterwegs, versuchte der 23-Jährige, sich in der Damentoilette zu waschen und warf das Messer aus dem Fenster. Nach Ansicht des Gerichts zeigte dieses Vorgehen, dass der Leonberger trotz eines Blutalkoholwertes von fast drei Promille voll schuldfähig war. Der 23-Jährige hatte vor Gericht erklärt, er könne sich an die Tatnacht nicht mehr erinnern und sei erst am nächsten Morgen in einer Zelle aufgewacht. Zu diesem Zeitpunkt war bei ihm ein Blutalkoholwert von 1,4 Promille gemessen worden.

Der 57-Jährige erlitt mehrere Brüche im Gesicht und an den Rippen und musste in der Nacht im Krankenhaus Leonberg drei Stunden lang operiert werden. Da zudem seine Lunge verletzt wurde, folgte noch eine weitere Operation in der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen. Der Staatsanwalt hatte in seinem Schlussplädoyer sieben Jahre Haft gefordert, der Verteidiger nicht mehr als fünfeinhalb Jahre. Der 23-Jährige hatte erklärt, es tue ihm leid, was passiert sei, er wisse nicht, wie es dazu gekommen sei.