Prozessauftakt in Göttingen Arzt bestreitet Manipulationen bei Organspenden

Seit Montag steht ein früherer leitender Mediziner wegen Manipulationen bei Organtransplantationen vor Gericht. Der Fall ließ die Spendebereitschaft für Organe zurückgehen. Und der Angeklagte geht selbst in die Offensive.

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Göttingen - Zum Auftakt des Prozesses um mehrfachen Betrug bei Organtransplantationen hat der angeklagte Mediziner alle Vorwürfe zurückgewiesen. Der 46 Jahre alte frühere Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin bestritt am Montag vor dem Landgericht Göttingen, Manipulationen bei der Verteilung von Organen vorgenommen oder veranlasst zu haben, wie seine Verteidiger erklärten. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte, Manipulationen bei der Organvergabe wie in diesem Kriminalfall seien inzwischen unmöglich.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arzt in Göttingen versuchten Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor. Der Mediziner soll manipulierte medizinische Daten an die zentrale Vergabestelle Eurotransplant gemeldet haben, um schneller Spenderorgane für seine Patienten zu bekommen. Dabei soll er in Kauf genommen haben, dass andere schwer kranke Menschen kein Spenderorgan erhielten und deshalb möglicherweise starben.

Ein Novum

Bei dem Prozess handelt es sich um das bundesweit erste Verfahren, in dem einem Arzt nach Manipulation von Patientendaten ein Tötungsdelikt vorgeworfen wird. Rechtsexperten sprechen von juristischem Neuland. Sie halten es vor allem für problematisch, dass nicht klar nachgewiesen werden kann, wer die Geschädigten sind. Der Prozess dürfte deswegen sehr langwierig werden. Bislang sind bis Mai 2014 mehr als 40 Verhandlungstage angesetzt.

Nach Angaben von Minister Bahr in Berlin, können Ärzte inzwischen wegen Gesetzesverschärfungen nicht mehr allein über die Position auf der Warteliste entscheiden. Unter anderem gebe es mittlerweile ein Mehr-Augen-Prinzip und unangemeldete Prüfungen, Warteliste- Manipulationen seien zudem nun strafbar. Für Verstöße gibt es seit diesem Sommer eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.




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