Prozessauftakt in Stuttgart um versuchten Mord Mann gesteht Messerattacke auf Ehefrau

Tatort Ecke Gymnasium- und Hospitalstraße: Hier soll der Angeklagte zugestochen haben. Foto: 7aktuell.de/Alexander Hald

Er hat es nicht ertragen, dass sich seine Frau von ihm getrennt hatte. Deshalb soll ein 23-Jähriger das Opfer in der Stuttgarter Innenstadt mit Stichen ins Gesicht malträtiert haben.

Stuttgart - Ein 23 Jahre alter Mann steht seit Montag vor der 1. Strafkammer des Landgerichts, weil er versucht haben soll, seine Ehefrau in der Stuttgarter Innenstadt auf offener Straße zu töten. Oberstaatsanwalt Matthias Schweitzer wirft dem Angeklagten versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Und nicht nur das. Weil er einen 19-Jährigen, der der Frau zur Hilfe geeilt war, ebenfalls mit dem Messer verletzte, listet der Ankläger zusätzlich einen versuchten Totschlag auf.

 

Das Paar hatte sich 2018 über die Internetplattform Instagram kennengelernt. Im Mai desselben Jahres wurden sie ein Paar, im September zog der Mann aus Waiblingen bei ihr ein, im Mai 2019 kam der Sohn zur Welt, im Dezember wurde schließlich geheiratet. Doch die Beziehung stand offenbar unter keinen gutem Stern. Der Sohn war kein Wunschkind – zumindest was den Angeklagten angeht. „Das Kind und die Erwartungen an mich haben mich gestresst“, sagt der 23-Jährige.

Der Angeklagte spricht von Verabschiedungssex

Das Arbeitsleben des ungelernten Mannes zuletzt als Produktionshelfer war unstet, sein Kokainkonsum war der Stabilität der Beziehung auch nicht förderlich. Immer öfter habe es Streit gegeben, sagt der 23-Jährige. Dabei habe er seiner gleichaltrigen Frau auch schon mal gedroht, er werde sie so zurichten, dass ihre Familie sie nicht wiedererkenne. Das habe er allerdings „nicht ernst gemeint“. Er prügelte sich mit dem Bruder seiner Frau, zerschlug die Windschutzscheibe ihres Autos, zerstörte ihr Handy und ließ seiner Eifersucht freien Lauf.

Im April vorigen Jahres hatte die Frau genug. Sie forderte ihren Gatten auf, die eheliche Wohnung im Haus ihrer Eltern zu verlassen, der 23-Jährige zog zu seinen Eltern. Der Kontakt riss indes nicht ab – bis hin zum „Verabschiedungssex“, wie es der Angeklagte nennt.

Die dem Mann vorgeworfenen Taten datieren vom 22. August vorigen Jahres. Am Abend zuvor hatte sich das Paar getroffen und war im Auto auf einem Parkplatz in Böblingen erneut in Streit geraten. Der offenbar zum Dramatischen tendierende Angeklagte drückte seiner Frau sein Messer in die Hand und forderte sie auf, ihn abzustechen. Sie könne dann ja sagen, er habe sie zu vergewaltigen versucht. Die 23-Jährige ging auf das wenig verlockende Angebot nicht ein. Stattdessen kam es zum „Verabschiedungssex“.

Stiche in den Nacken und ins Gesicht

Den folgenden Abend verbrachte die Frau mit Freunden in einer Shisha-Bar an der Theodor-Heuss-Straße in der Stuttgarter City. Der Angeklagte sagt, er habe sich zeitgleich mit einem Kumpel mit mehreren Gramm Kokain „abschießen“ wollen. Der Kumpel sei aber nicht aufgetaucht, woraufhin er in einem Park in Waiblingen allein Kokain und Wodka konsumiert habe.

Dann sei er nach Stuttgart gefahren, im Wissen, wo seine Frau war. Kurz vor 23 Uhr passte er sie vor der Bar ab und drängte sie, mit ihm mitzugehen. An der Gymnasiumstraße habe er sie gegen die Hauswand gestoßen und auf sie eingeprügelt, sagt Oberstaatsanwalt Schweitzer. Schließlich habe der 23-Jährige sein Messer gezogen und habe mit der 8,5 Zentimeter langen Klinge auf seine Frau eingestochen – sechs Mal. Er habe sie im Gesicht, im Nacken, an der Hand und am Oberarm getroffen. Ein 19-jähriger Bekannter der Frau sei dazwischengegangen und handelte sich so einen Stich im Gesicht ein. Mehrere Begleiter der Frau stießen den Angreifer weg, der immer noch versucht haben soll, die Frau mit dem Messer zu stechen. Schließlich sei der 23-Jährige geflüchtet.

„Ich schäme mich und übernehme die volle Verantwortung“, lässt der Angeklagte seinen Verteidiger vortragen. Er habe eben sehr unter der Trennung gelitten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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