Experten sehen Fortschritte bei der Betreuung von Alten und Kranken. Doch es gibt noch viel zu tun.

Berlin - Die 2,4 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zunehmend besser versorgt. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Qualitätsbericht, den der Spitzenverband der Krankenkassen und der Medizinische Dienst (MDK) am Dienstag in Berlin vorlegten. Trotz der Fortschritte, die es vor allem bei der Ernährung, bei der Versorgung mit Flüssigkeit und beim Umgang mit Demenzkranken gebe, bleibe einiges zu tun, sagte Gernot Kiefer vom Kassenverband: „Die Tatsache, dass es insgesamt besser geworden ist, heißt nicht, dass es überall gut ist.“ Aus seiner Sicht muss die Vorbeugung gegen Druckgeschwüre, die Versorgung mit Medikamenten und die Behandlung von Schmerzen verbessert werden.

 

Der Bericht fußt auf Prüfungen des MDK in mehr als 8100 Heimen und knapp 8000 ambulanten Pflegediensten. Insgesamt wurde der Zustand von 62 000 Heimbewohnern sowie von 45 000 Pflegebedürftigen untersucht, die zu Hause leben und von einem ambulanten Dienst betreut werden. Die Studie liefert erstmals auch Zahlen über die Gesundheit der meist hochbetagten Heimbewohner. Knapp 61 Prozent von ihnen können ihren Alltag nur eingeschränkt bewältigen, weil sie an einer Demenz oder einer anderen gerontopsychiatrischen Krankheit leiden. Etwa 31 Prozent leiden an chronischen Schmerzen.

Bahr: Regeln für Zuwanderung von Pflegekräften lockern

Für Baden-Württemberg ergibt sich ein positives Bild: „Die Pflege und Versorgung der Bewohner wird überwiegend unter Berücksichtigung des aktuellen Stands pflegefachlichen Wissens durchgeführt.“ Bei den Prüfungen seien bei 202 von 8165 Bewohnern gravierende Pflegemängel festgestellt worden. In diesen Fällen hatte ein Heim das Risiko eines Sturzes oder eines Druckgeschwürs nicht erkannt oder auf ein solches Risiko nicht adäquat reagiert.

Jürgen Brüggemann vom Medizinischen Dienst wies darauf hin, dass bei fast jedem zweiten Heimbewohner das Risiko des Wundliegens vorliegt. Bei 40 Prozent von ihnen werde diese Gefahr nicht ausreichend beachtet. Auch fehle es oft an einer systematischen Analyse, ob jemand an Schmerzen leide. Diese Analyse sei wichtig, weil viele Pflegebedürftige nicht in der Lage seien, sich selbst über ihr Schmerzempfinden zu äußern.

Kiefer betonte, dass es nicht nur darum gehe, die Mängel abzustellen. Wichtig sei auch, dass Demenzkranke bessere Hilfen durch die Pflegeversicherung bekämen. Der Nationale Ethikrat begrüßte am Dienstag, dass die Bundesregierung erste Schritte in diese Richtung gehe. Es müsse aber mehr getan werden, um die Selbstbestimmung dieser Kranken zu achten. So sollten zum Beispiel Haus- und Wohngemeinschaften von Demenzkranken gefördert werden. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sprach sich dafür aus, die Regeln für die Zuwanderung von Pflegekräften aus dem Ausland zu lockern.