In kaum einer Gemeinde ist die fünfte Jahreszeit so wichtig wie in Neuhausen. Der Narrenbund Neuhausen wird auch in diesem Jahr viel zu tun und zu bieten haben.
In der Neuhausener Egelseehalle war am Dienstagabend die Vorfreude der Anwesenden förmlich greifbar. Schließlich warteten sie auf eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres in der Fildergemeinde: die große Prunksitzung des Narrenbunds Neuhausen (NBN) pünktlich zum Beginn der fünften Jahreszeit. Um 19.33 Uhr war es dann soweit und der Spruch „der 11.11. ist nun da, die Narren freuen sich, hurra“ tönte durch die Festhalle.
„Lasst uns die Zeit nutzen und sie mit Spaß verbringen“, lautete der Appell von NBN-Präsident Ronald Witt an die Anwesenden. Für ihn wird es die letzte Fasnets-Kampagne in der Funktion des Präsidenten sein. Doch nun stehen für ihn und alle Vereinsmitglieder erst einmal knapp 100 Tage voll närrischem Treiben an. Über den Abend erhielten die Anwesenden in der Egelseehalle einen Vorgeschmack darauf, was der NBN bis Aschermittwoch alles zu bieten hat.
Erster Auftritt des Neuhausener Prinzenpaares
Durch den Abend leitete das Moderatorenteam Markus Novak, Timo Samel und Olivia Schönecker. „Das Besondere an der Fasnet in Neuhausen ist das Zusammenspiel von schwäbisch-alemannischer Fasnet und dem Karneval“, erklärte Samel. Und prompt marschierten Prinzenpaar und Kinder-Prinzenpaar samt Hofstaat und Hofkapelle – den Waschlappen Glunkern aus Neuhausen – in den Saal ein. Prinzenpaar Stefanie I. und Bastian I. waren bereits am Vormittag verkündet worden und hatten nun ihren ersten „Staatsauftritt“.
Prinzenpaare und Zuschauer durften sich eines bunten Programms erfreuen. Den Anfang machte eine Choreografie junger Hästräger. Kleine Wildsäu, Rotenhäne und Wappenlöwen fegten über die Bühne und zeigten ihr Können. Auch die Garden und Tanzmariechen beeindruckten mit perfekt abgestimmten Tänzen. Radschlag, Beinschwung und Spagat – da verwundert es kaum, dass die Neuhausener Garden regelmäßig auf Turnieren in Süddeutschland oder sogar der gesamten Bundesrepublik in den oberen Platzierungen mitmischen. „Karnevalistischer Tanzsport ist Hochleistungssport, er erfordert gute Kondition, Sprungkraft und akrobatisches Können. Die Tänzerinnen trainieren das ganze Jahr über“, kommentierte Novak.
Neuhausener Verein feiert 60-jähriges Bestehen
Für die Jubiläums-Eröffnungssitzung – der NBN feiert in diesem Jahr schließlich 60-jähriges Bestehen – hatte der Verein keine Mühen gescheut und sogar Stars wie Peggy March oder Heino auf die Bühne geholt. Zumindest verkörperten die Mitglieder der Neuhausener Ehrenelf die Schlagerikonen stilecht und natürlich durften auch Hits wie „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens nicht fehlen. Die NBN-Hitparade war eine gelungene Hommage an 60 Jahre Schlagergeschichte, die mit den 60 Jahren Vereinsgeschichte einher gingen.
Neben Tanz und Musik standen auch drei Büttenreden auf dem Programm. Von einer Großmutter im Fitnesswahn, die die ganze Familie bis zum – wortwörtlichen – Umfallen auf Trimm-Dich-Pfade schickt, berichtete der besorgte Enkel Moritz Lexa, der von Applaus und Lachen seitens der Zuschauer begleitet sein Debüt in der Bütt gab.
Die Bütt selbst kommt in Neuhausen zu Wort
Und auch eine Auszubildende des Bundesamts für Statistik, verkörpert von Melanie Moran, erzählte den Versammelten von ihrem Leid. Ihr Chef verstehe die Neuhausener Faszination für die Fasnet nicht. Dabei sei es doch so einfach: „D’Fasnet isch pure Magie, änd’re soll sich des nie.“ Dem tristen Leben zwischen Zahlen und Tabellen entsagte sie am Ende. „Ich bin bloß noch ab dem Moment Neuhausener zu tausend Prozent“, lautete ihr Entschluss.
Die letzte Rede des Abends war eine ganz besondere. Die Bütt erwachte zum Leben und erzählte – verkörpert von NBN-Präsident Ronald Witt – ihre Geschichte. Viele Redner habe es in den 60 Jahren gegeben, die in ihr „tolle Akzente“ setzten. „Viele standen in mir und riskierten die Lippe, nahmen so manchen Bürger und Politiker auf die Schippe“, sagte Witt. In heutigen Zeiten möge so mancher denken, dass die Bütt vielleicht bald ausgedient habe. Doch die Redner ließen sich den Mund nicht verbieten und wollen das Brauchtum weiterleben, erklärte Witt.
Neuhäuser Knastkapelle beendet den Abend
„Wir Redner sind oft das Salz in der Suppe“, führte er an. Die Bütt habe als Tradition eine lange Historie und war in der Zeit des Nationalsozialismus oft eine wichtige Stimme gegen die Obrigkeit. „Faschismus wollen wir nie wieder erleben, deshalb müssen wir unsere Stimme erheben“, lautete Witts Appell. Dies gelinge jedoch nur, wenn man sich gegenseitig zuhöre und miteinander rede. Witts Auftritt als Bütt wurde mit donnerndem Applaus quittiert. Eine gute Büttenrede muss eben nicht immer nur lustig sein.
Zum Ende des Abends ließ sich dann auch noch die Neuhäuser Knastkapelle blicken. Bei ihrem nicht allzu lang gehaltenem Auftritt – schließlich waren die neun Musikanten ja auf der Flucht vor dem Gesetz – begeisterte die Kapelle mit närrischen Melodien und frechen Sprüchen zu Bundes- und Lokalpolitik. Als dann ganz zum Schluss beim Lied „So ist Neuhausen“ alle eingehakt hin und her schunkelten war klar: diese Fasnets-Saison kann nur gut werden.
Noch junge Tradition
Prinzenpaar
Stefanie I. und Bastian I. sind auch abseits von ihren neuen Tätigkeiten als Prinzenpaar rund um die Fasnet engagiert. Stefanie Ruf ist Trainerin der Kindergarde, Bastian Guth der Chef der Showband Waschlappen Glunker.
Narrenbund
Der Narrenbund Neuhausen hat 60 Jahre nach der Gründung im Jahr 1965 fast 2000 Mitgliedern, davon mehr als 1000 Hästräger, 15 Masken- sowie 4 Gardetanzgruppen.
Fasnetsumzug
Der große Umzug im Rahmen der Kampagne 2025/2026 wird am 15. Februar ab 13.33 Uhr stattfinden. Dann werden wieder Zehntausende nach Neuhausen strömen, um Hästräger, Garden, Guggenmusiker und Wagen durch die Straßen Neuhausens ziehen zu sehen.