„Deine himmelblauen Augen, du bist einfach wunderbar.“ Spätestens nach dem Refrain dieses Gassenhauers von Sängerin Heike Wanner ist jeder im Saal aufgesprungen und klatscht im Rhythmus. Im Saal bildet sich eine lange Polonaise.
Jetzt erst lässt die Anspannung von Sarah Väth etwas nach, und die Präsidentin der Carnevalsfreunde Murr holt tief Luft. Hinter ihr liegen arbeitsreiche Wochen mit viel Vorbereitung für die heutige Prunksitzung und den Umzug durch Murr am Sonntag. Viele Garden und Zünfte sind täglich mehrfach gebucht, was die Einteilung und Logistik zur Herausforderung macht. „Das hat mich dieses Jahr ein bisschen in den Wahnsinn getrieben“ sagt sie lachend.
Zwei Jahre im Amt
Was viele nicht vermuten würden: Ihre Truppe hat enormen Zuwachs. In ihrer erst zweijährigen Amtszeit ist die Tanzgarde von 25 auf jetzt 50 junge Tänzerinnen gewachsen. Die jungen Gardistinnen durchlaufen die Sternschnuppen, Rote Sternchen, Rote Fünkchen, weiter zu den Murrtalfunken oder gipfeln gar als Solistin wie bei Diana und Mia. Später kann – wer will – bei den Murrer Ratsweibern mitmachen. Fasching von der Wiege bis zur - nein, nicht Bahre, aber eben doch bis ins hohe Alter und als Lebensaufgabe.
Neben den eigenen Gardistinnen lebt das Programm von den befreundeten Zünften aus nah und fern. Aus Fellbach, Bietigheim, Murr, Stuttgart und Umgebung kommen die Gruppen mit starkem Aufgebot. Sie nennen sich Buchfinken, Hutzelmännlein oder Schwarze Husaren. Allein die Stuttgarter „Zigeunerinsel“ ist mit Spielmannszug, ihren Hutzelmännlein und der Showgarde da. Da ist es fast schade, dass der nach eigenen Angaben älteste Bürgerverein des Stuttgarter Westens in letzter Zeit wohl mehr wegen seines schwierigen Namens anstelle für seine kunstvollen Darbietungen erwähnt wird. Doch selbst in der närrischen Zeit hört da für manche der Spaß auf.
Das Publikum lässt sich unterhalten
Dem Publikum ist das egal. Die Menschen lassen sich bestens unterhalten und feiern fröhlich. Mama Adelina hat Papa Michael im Schlepptau, obwohl der eigentlich ein Faschingsmuffel ist und gänzlich unkostümiert erscheint. Doch seine Tochter tanzt heute bei den Sternschnuppen, und ihr zuliebe tut der stolze Papa alles.
Wie immer ginge ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer im Hintergrund gar nichts. Eine der fleißigen Freiwilligen an der Getränkeausgabe ist Sabrina Möseneder. Sie war selbst viele Jahre in Ludwigsburg beim Fasching aktiv. Doch jetzt hat ihre Tochter die Garde für sich entdeckt. Daher steht Sabrina an der Theke, hilft und sorgt für den Getränkenachschub. Chris und Steffi kümmern sich um die Betreuung der jüngsten Gardistinnen. Ihre Töchter tanzen in der Garde. „Ein toller Sport, mit viel hartem Training“, sagt Chris über die Leidenschaft ihrer Tochter. Beide Mütter helfen, obwohl sie früher Ballett getanzt oder geturnt haben, also gar keinen eigenen Bezug zu Fasching hatten. Doch mit ihrem Einsatz tragen sie hinter den Kulissen ganz wesentlich zu diesem gelungenen und erfolgreichen Abend bei.