PS-Fans fahren lieber Verbrenner Lamborghini-Chef: „Unsere Kunden wollen keine Stromer“

Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann vor seiner Firmenzentrale. Foto: Lamborghini

Audi-Tochter Lamborghini verzichtet auf ein Elektromodell – ebenso wie Aston Martin und Bugatti. Bei Super-Sportwagen sind Verbrenner nach wie vor erste Wahl.

US-Zölle, der schwache Dollar und der Verzicht auf das geplante erste Elektro-Modell haben den Gewinn der italienischen Audi-Tochter Lamborghini 2025 gedrückt. Die Marge sank gegenüber dem Vorjahr von 27 auf 24 Prozent.

 

Im Gespräch mit dieser Zeitung kündigte Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann an, sich nach dem Verzicht auf ein Elektromodell einstweilen auf die weitere Hybridisierung der Modellreihen zu konzentrieren. Auch die geplante Elektro-Version des Super-Luxus-SUV Urus ist auf Eis gelegt worden.

Nur Ferrari wagt sich mit dem Luce an ein Elektromodell

So wie Lamborghini hatten zuvor schon Aston Martin und Bugatti Pläne für Elektromodelle auf Eis gelegt. Gleiches gilt offenbar für die Elektroversion des Porsche Boxster. Die VW-Tochter wollte ursprünglich 2025 etwa die Hälfte des Absatzes mit Elektro-Autos erzielen, 2030 dann sogar 80 Prozent. 2025 waren es aber lediglich 22 Prozent.

Lamborghini-Konkurrent Ferrari hält dagegen an der Einführung des ersten Elektromodells Luce fest. Der Stromer soll im Mai vorgestellt werden. Die Entwicklung eines zweiten Elektromodells ist jedoch angeblich eingestellt worden. Und auch die Verkaufsziele für den Luce sollen auf 1500 Einheiten reduziert worden sein. Ursprünglich sollten Elektromodelle bei Ferrari 2030 etwa 40 Prozent zum Absatz beisteuern.

Dass Rolls-Royce, Rimac oder Porsche elektrisch unterwegs sind, ficht Winkelmann nicht an. Er verweist auf Akzeptanzprobleme eines Stromers bei den Lamborghini-Kunden. Regelmäßige Befragungen hätten ein deutlich abnehmendes Interesse gezeigt. Da gehe es zum Einen um Emotionen, „denn wir erfüllen Träume“. Dazu gehörten etwa der Sound und das Fahrgefühl. Aber auch vermeintlich Profanes wie die Restwerte, die Reichweite, die ungenügende Ladeinfrastruktur und die Ladezeiten spielten eine Rolle.

Elektro-Supersportwagen bleiben eine Nische. Während motorgetriebene Boliden auch nach vielen Jahren mit ihren Leistungen bestechen, veralten Elektroautos durch die rasanten Fortschritte in der Batterietechnik schnell. Zudem sind Elektro-Supersportwagen eine Domäne der Chinesen, die etwa mit dem YangWang US Extreme auf eine Höchstgeschwindigkeit von 496 km/h kommen oder mit dem 1550 PS-starken Xiaomi SU7 Ultra in weniger als zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h – bei einem Verkaufspreis von 110 000 Euro.

Ein Lamborghini (Urus) ist dagegen nicht für unter etwa 235 000 Euro zu haben. „Wir wollen uns nicht nach unten bewegen, sondern in Exklusivität investieren, um die Marge so hoch wie möglich zu halten“, sagt Winkelmann. Durch die politisch entschiedene Verschiebung des Verbrenneraus hat Lamborghini Zeit gewonnen. Ein vollelektrisches Modell sei nicht vom Tisch, komme aber sicher erst nach 2030, sagt Winkelmann. Die Kosten für die Verschiebung wollte er nicht angeben. Lamborghini, das seit der Übernahme durch den VW-Konzern 1998 mit einer neuen Formensprache, dem Luxus-SUV Urus und der 2021 eingeleiteten Hybridisierung neue Kundengruppen erschlossen hat, will in diesem Jahr vier neue Modelle vorstellen. Es handelt sich dabei um Derivate bestehender Modelle.

Das Segment Lamborghinis ist weltweit sehr klein

Winkelmann sieht Lamborghini, das mit 768 (Vorjahr: 835) Millionen Euro 2025 etwa 22 Prozent zum Audi-Gewinn beigesteuert hat, gut aufgestellt. Das Segment, in dem man tätig sei – Fahrzeuge, deren Grundpreis bei knapp unter 300 000 Euro beginnt – sei weltweit mit weniger als 50 000 Einheiten sehr klein. Es gebe lediglich fünf oder sechs Hersteller in diesem Bereich. Chinesische Produzenten wie BYD, das kürzlich einen Elektro-Supersportwagen präsentiert hat, sieht er nicht als Bedrohung.

Probleme durch Krieg im Mittleren Osten

Prognosen wagt Winkelmann angesichts der unsicheren Zeiten nicht. Für den CEO ist es ein Vorteil, Teil des VW-Konzerns zu sein. Damit profitiere man von Skaleneffekten, könne gemeinsam einkaufen und gemeinsame Komponenten nutzen.

Wichtigster Einzelmarkt für Lamborghini, das 2025 den Absatz leicht um 60 auf 10 747 Einheiten und den Umsatz auf 3,1 (Vorjahr: drei) Milliarden Euro gesteigert hat, ist weiter die USA. Der Absatz dort ging aber um 330 Einheiten auf 2959 Stück zurück. Auf die Zölle hat der Sportwagenhersteller in den USA mit Preiserhöhungen um sieben bis zehn Prozent reagiert. Winkelmann hofft dort auf eine Stabilisierung im zweiten Halbjahr. Deutschland ist mit 1102 (1000) Verkäufen der zweitwichtigste Markt.

Probleme bereitet wegen des Golfkrieges der Mittlere Osten. Ferrari hat die Belieferung dieser Länder teilweise unterbrochen. Doch insgesamt ist auch Ferrari sehr flott unterwegs und kam 2025 auf eine Marge von 29,5 Prozent. Der Gewinn stieg bei einem leicht rückläufigen Absatz von 13 540 (Vorjahr: 13 752) Einheiten um sechs Prozent.

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