InterviewPsychotherapeut Tausch im Interview "Ich nehme das Leben, wie es kommt"

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Der bekannte Psychotherapeut Reinhard Tausch wird 90 Jahre alt. Im Interview spricht er über Stuttgart 21, das Glück und den Tod.

Die Erlebnisse im Krieg haben Reinhard Tauschs Leben geprägt. Foto: Zweygarth 2 Bilder
Die Erlebnisse im Krieg haben Reinhard Tauschs Leben geprägt. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Am Sonntag begeht der Psychotherapeut Reinhard Tausch bei einer Festveranstaltung seinen 90. Geburtstag. Seit 20 Jahren lebt er in Stuttgart. In diesem Interview verrät er, wie er innere Gelassenheit gefunden hat - und warum Stuttgart 21 ihn nicht mehr interessiert.

Herr Tausch, Stuttgart 21 ist seit Jahren der größte Konflikt in der Stadt. Sie haben sich zeit Ihres Lebens damit beschäftigt, wie man Konflikte gut löst. Haben Sie einen Rat?

Ich nehme nicht mehr allzu viel Kenntnis von Stuttgart 21, weil das ganze Geschehen mich zunehmend anwidert. Denn die Befürworter und Gegner streiten sich seit Jahren, ohne aufeinander zuzugehen. Wer so stur ist, dem kann selbst der beste Therapeut nicht helfen.

Kann man denn einen solchen gesellschaftlichen Konflikt vergleichen mit einem Streit zwischen zwei Menschen?

Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen ist schwieriger zu lösen, weil hinter den führenden Personen viele andere Menschen stehen, die eigene Meinungen haben und die sich vertreten sehen wollen.

Aber gibt es Punkte, die in beiden Fällen von zentraler Bedeutung sind?

Beide Parteien müssen bereit sein für eine Lösung - aber das sind sie in Stuttgart nicht. Aus diesem Grund interessiert mich das Thema nicht mehr wirklich.

Haben Sie eine Meinung zu Stuttgart 21?

Ich sehe vor allen Dingen, dass anderes in Stuttgart wichtiger wäre. Zum Beispiel lebt ein Fünftel der Menschen in schlechten Wohnverhältnissen - da müsste man einiges verbessern.

Welche Konflikte oder Ereignisse haben denn Ihr Leben geprägt?

Ich bin 1938 schon mit 17 Jahren Soldat geworden und bin es fünf Jahre lang geblieben. Viele Jahre war ich an der Front und habe dort eines gelernt: ich muss bereit sein zu sterben, wenn es nicht zu verhindern ist. Das hat mich geprägt. Ich bin deshalb nie ein Mensch gewesen, der sagt: Ich akzeptiere das nicht; das darf nicht sein. Das, was ich nicht ändern kann, muss ich annehmen- auch den Tod.